Die erste Hitzewelle dieses Jahres ist im Anmarsch: Für das kommende Wochenende sagt der Deutsche Wetterdienst für Berlin erstmals in diesem Jahr Temperaturen von 30 Grad voraus. In den Häuserschluchten der dicht besiedelten Innenstadt klettern die Temperaturen noch deutlich höher. Wie stark Menschen in ihrem direkten Wohnumfeld im Sommer extremer Hitze ausgesetzt sind und wie ungleich Hitzebelastung und Hitzeschutz in Städten verteilt sind, zeigt der Hitze-Check 2025 der Deutschen Umwelthilfe (DHU).

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Berlin, so das Ergebnis der Studie, landet zwar in der Gesamtbetrachtung der insgesamt 190 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern im Mittelfeld. Doch der sogenannte „Hitzebetroffenheitsindex“, zeigt auch für die Hauptstadt ein alarmierendes Ergebnis. Der Index erfasst, wie viele Menschen innerhalb der Kommunen in stark belasteten Gebieten leben – also dort, wo hohe Temperaturen, dichte Versiegelung und zu wenig Grün zusammentreffen.
1,75 Millionen Berliner von starker Hitze betroffen
Demnach sind rund 1,75 Millionen (45,5 Prozent) der Berlinerinnen und Berliner einer hohen Hitzebelastung ausgesetzt. 52 Prozent, beziehungsweise rund zwei Millionen Menschen leben in einem Kiez mit mittlerer Hitzebelastung und nur 4,5 Prozent, beziehungsweise etwa 172.000 Menschen im grünen Bereich.
Die Analyse basiert auf umfangreichen Satellitendaten, die in Kooperation mit der Potsdamer Luftbild Umwelt Planung GmbH ausgewertet wurden. Die Temperatur von Boden- und Wasseroberflächen liegt demnach in Berlin zwischen Juni und August im Schnitt bei rund 35,5 Grad. Zum Vergleich: In Flensburg liegt sie mit rund 29,4 Grad bundesweit am niedrigsten. Am heißesten ist es in Mannheim mit einem Durchschnittswert von rund 38,4 Grad.
Fünf Bezirke in Berlin besonders von Hitze betroffen
In Berlin wurden auch die einzelnen Bezirke bewertet. Am stärksten von Hitze betroffen sind demnach Menschen in Mitte, wo die Oberflächentemperatur im Sommer im Durchschnitt auf 37,6 Grad klettert. 79 Prozent der Mitte-Bewohner sind nach dem Betroffenheitsindex von starker Hitze betroffen. Auch in Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf, Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg wird es im Sommer besonders heiß. In Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte ist zudem der Anteil an versiegelten Flächen überdurchschnittlich hoch.
Im Vergleich am besten bewertet wurden Steglitz-Zehlendorf, Reinickendorf und Treptow-Köpenick. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur bleibt im Sommer in diesen drei Bezirken unter 35 Grad Celsius. bezogen auf die Einwohnerbetroffenheit schneidet Steglitz-Zehlendorf mit Abstand am besten ab: Hier sind mit 14 Prozent die wenigsten Menschen gefährlicher Hitze ausgesetzt.
Denn die Hitze ist eine ernste Gefahr für die Menschen: Nach Angaben des Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) gab es in Berlin zwischen 2018 und 2024 insgesamt 1.425 Hitzetote. Die Übersterblichkeit durch Hitzeliegt demnach im Durchschnitt bei 203,6 Toten pro Jahr.
„In Deutschland werden auch in diesem Jahr extreme Hitzewellen auf uns zukommen. Eine davon ist gerade im Anlaufen“, sagte Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH. Dies werde ganz sicher nicht die letzte Hitzewelle sein. „Die Frage, die sich stellt, ist, sind unsere Städte darauf ausreichend vorbereitet“, so Metz weiter. Aktuell lebten in den 190 untersuchten Städten 34 Millionen Menschen, von denen 32 Millionen in einem von der DHU als rot oder gelb kategorisiertem Bereich lebten.
„Das sind deutlich zu viele, die Städte müssen umgebaut, sie müssen grüner werden“, sagte die DHU-Chefin. Dies sei die Maßnahme, die tatsächlich für Abkühlung, für Verschattung für saubere Luft sorge. Es reiche nicht, dass die Städte Aktionspläne mit Handlungsempfehlungen erstellten: „Wir brauchen gesetzlich verbindliche Vorgaben für Grünanteile bei jedem Gebäude bei jedem Grundstück und im öffentlichen Raum. Wir brauchen einen Grünflächenfaktor im Baugesetzbuch und einen Landesbauordnungen“, forderte Metz.
DHU: Berlin soll sich ein Beispiel an Paris nehmen
Deutlich mahnende Worte fand die DHU-Geschäftsführerin auch für Berlin, das sich zwar seiner vielen Straßenbäume rühmt, tatsächlich aber jedes Jahr mehr Bäume fällt als es nachpflanzt. „In Berlin gibt es 1000 so genannte leere Baumscheiben, dort wurden Bäume gefällt und noch nicht wieder neu gepflanzt“, rügte sie. Es werde auch ein paar Jahre dauern, bis dies geschehe. „Das können wir uns nicht leisten, ganz abgesehen davon, dass einige dieser entnommenen Bäume Ersatzbäume sind, die für irgendwo anders entnommene Bäume umgepflanzt werden. Es muss auch lokal nachgepflanzt werden. Es nutzt den Betroffenen nicht, wenn vor ihrer Haustür ein Baum weggenommen wird und anderswo wieder gepflanzt wird.“

Als Negativ-Beispiel führte Barbara Metz auch gerade abgeschlossene Sanierung des Gendarmenmarkts in Berlin-Mitte an. „Wenn man einen Platz vollständig neu gestaltet, sollten Grünanteile mit vorgesehen werden, das wurde hier leider versäumt“, rügte sie. Berlin solle sich ein Beispiel an Paris nehmen. „Direkt vor dem Hôtel de Ville, dem Pariser Rathaus, entsteht ein kleiner Wald mit 150 Bäumen und Sträuchern“, führte sie aus. „Das muss auch in Deutschland gehen, auch wenn ich Verständnis für Denkmalschutz habe“, forderte sie.
Insgesamt grünes Licht gibt es in Berlin für den Anteil der im Städtevergleich geringen Anzahl versiegelter Flächen (rund 44,5 Prozent) und den Umfang an Grünflächen. Im deutschlandweiten Vergleich liegt Berlin damit insgesamt im Mittelfeld. Untersucht wurden nur Gebiete, in denen Menschen wohnen.
Die DHU-Chefin forderte die Berlinerinnen und Berliner dazu auf, mit Hilfe der DUH ihre Stadt zu wirksamen Hitzeschutzmaßnahmen zu bewegen. Unter www.duh.de/hitze-check geht es zur Mitmachaktion.




