Deutschland ist Wanderland: 300.000 wanderbare Kilometer warten zwischen Küste und den Alpen auf Naturbegeisterte – auch in Berlin und Brandenburg, wo es neben traumhafter Natur auch jede Menge Geschichte zu entdecken gibt. Wandern steht im Trend, und das Alter spielt dabei keine Rolle.

Unser Redakteur Jörg Krauthöfer bietet wöchentliche Wandertipps durch Berlin und Brandenburg an – von Kiezspaziergängen bis hin zu längeren Streckenwanderungen, auch auf versteckten Pfaden und durch Parks. Zum Beispiel durch den Tiergarten, der gerne auch als grüne Lunge der Hauptstadt bezeichnet wird und neben viel Grün auch jede Menge Denkmäler zu bieten hat. Schnürt die Wanderschuhe. Wir gehen auf geschichtliche Entdeckungstour! (c 2025)

Unser Redakteur Jörg Krauthöfer bietet wöchentliche Wandertipps durch Berlin und Brandenburg an – von Kiezspaziergängen bis hin zu längeren Streckenwanderungen, auch auf versteckten Pfaden und durch Parks. Zum Beispiel durch den Tiergarten, der gerne auch als grüne Lunge der Hauptstadt bezeichnet wird und neben viel Grün auch jede Menge Denkmäler zu bieten hat. Schnürt die Wanderschuhe. Wir gehen auf geschichtliche Entdeckungstour!

Wandern in Berlin: Hauptstadtwanderer unterwegs im Tiergarten

Infos zur Wegstrecke

  • Start/Ziel: Platz des 18. März (Brandenburger Tor)
  • Distanz: 7,14 Kilometer
  • Wegbeschaffenheit: Asphalt, Schotter, Waldweg
  • Höhenmeter: 0 m ⬆️ 10 m ⬇️
  • Leichte Wanderung
  • Gastronomie: Cafe am Neuen See

Die Wandertour beginnt auf der südwestlichen Seite vom Platz des 18. März. Zunächst geht es einige Meter den Ahornsteig entlang, bevor wir gleich an der nächsten Weggabelung nach links abbiegen. Das Goethe-Denkmal an der Ebertstraße wartet auf uns.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Das im Jahre 1880 fertiggestellte Werk des Künstlers Fritz Schaper besteht aus weißem Carrara-Marmor und erreicht eine Höhe von sechs Metern. Die angeordneten Figurengruppen zu Füßen des Dichters sollen seine Leidenschaften repräsentieren: Eine Muse mit Leier steht für die lyrische Dichtkunst, die sitzende Frau mit Schreibzeug für die dramatische Dichtkunst und eine lesende Frau für die wissenschaftliche Forschung. Interessant ist die Blickrichtung des großen deutschen Denkers: Er schaut nämlich in Richtung seines ebenfalls sehr berühmten Dichterkollegen Friedrich Schiller. Dessen Denkmal steht auf dem Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Eine Joggerin läuft am Goethe-Denkmal an der Ebertstraße vorbei.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Steine für den Frieden

Wir wandern weiter vorbei am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten homosexuellen Menschen und dem Global Stone Project in Richtung Kemperplatz. Der Künstler Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld möchte mit seinen überdimensionalen Felsbrocken für den Frieden werben. Fünf Steine stehen jeweils für einen Kontinent auf der Erde und symbolisieren einen Schritt zum globalen Frieden. Zur Sommersonnenwende am 21. Juni sollen die Steine gemeinsam das Licht reflektieren und so die Verbundenheit der Menschen widerspiegeln.

Am Kemperplatz überqueren wir die Bundesstraße 96, wenden uns auf dem kleinen Platz nach Nordwesten und wandern die breite Magistrale für ein paar Meter in Richtung Siegessäule. An der nächsten Weggabelung biegen wir nach links in den Ahornsteig ein und folgen diesem geradeaus weiter, bis wir kurz vor der Luiseninsel stehen. Durch das dichte Grün leuchtet bereits von Weitem die Statue von Friedrich Wilhelm III.

Der preußische König kämpfte gegen Napoleon, und unter seiner Herrschaft fanden wichtige Reformen statt. Die allgemeine Wehrpflicht geht auf ihn zurück, Bauern durften Land besitzen, und auch in der Bildung setzte das preußische Oberhaupt wichtige Impulse. Seiner Gattin haben die zeitgenössischen Bildhauer ebenfalls ein Denkmal gewidmet. Gleich gegenüber steht die lebensgroße Büste der Königin Luise, die damals im Volksmund liebevoll Königin der Herzen genannt wurde.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Denkmalromantik pur: Im dichten Grün des Tiergartens spiegelt sich die Statue von Friedrich Wilhelm III im Wasser.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Musikgeschichte in Stein gemeißelt

Am Ende vom Ahornsteig wenden wir uns nach rechts und laufen parallel zur Tiergartenstraße in Richtung Hofjägerallee. Es geht vorbei am überdachten Denkmal von Richard Wagner. Der Komponist aus dem 19. Jahrhundert schrieb mit innovativen Opern wie „Der Ring des Nibelungen“ Musikgeschichte und prägte die deutsche Musik nachhaltig. Wagner gilt als wichtiger Vertreter des Musikdramas, ist aber auch heute noch wegen seiner kontroversen politischen Ansichten sehr umstritten.

Hinter der Kreuzung zur Hofjägerallee geht es weiter auf dem Großer Weg in Richtung Westen. Wir kommen an der Figurengruppe „Das Deutsche Volkslied“ vorbei. Das Original des Künstlers Louis Sussmann-Hellborn aus dem Jahr 1910, das die Pflege der Volksmusik würdigen sollte, fiel dem Vandalismus zum Opfer. Seit 1993 steht eine Kopie wieder an seinem angestammten Platz.

Wir bleiben auf dem Hauptweg und laufen vorbei am Neuen See und dem eigenwillig aussehenden Denkmal für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg weiter zum Gaslaternen-Museum. Die rund 90 historischen Laternen sind entlang der Straße des 17. Juni, vor dem Berlin-Pavillon und am Parkweg bis zur Schleusenbrücke zu finden. Der Eintritt ist frei und beleuchtet werden sie bei Einbruch der Dämmerung.

Der Hauptstadtwanderer macht Station im Englischen Garten

Auf der anderen Seite der Bundesstraße folgen wir dem Weg in Richtung Siegessäule durch den Park, vorbei am Fauler See, und biegen nach 600 Metern links ab zur Altonaer Straße. Dahinter liegt der Englische Garten mit seinem Teich am Teehaus und seinen beiden Inseln. Das Teehaus selbst fiel 2024 einem verheerenden Brand zum Opfer und steht jetzt als Ruine in der Landschaft. Der Englische Garten vor dem ehemaligen Anwesen konnte gerettet werden und ist frei begehbar. Seinen Namen erhielt der Englische Garten in den 1950er Jahren, als zahlreiche Briten Bäume für den zerstörten Tiergarten spendeten. Auch Königin Elisabeth II. pflanzte bei ihrem Besuch 1965 eine amerikanische Roteiche, die bis heute dort steht.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Die Ruine des ehemaligen Teehaus steht im Englischen Garten in Berlin.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Wir nähern uns dem Großen Stern und laufen vorbei am Bismarck-Denkmal zur Kreuzung Spreeweg. Das Nationaldenkmal am nördlichen Straßenrand erinnert an den ersten deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck und soll zu den Meisterwerken der Berliner Bildhauerschule zählen. Flankiert wird das monumentale Bauwerk von zwei Denkmälern, die den deutschen Einigungskämpfern Albrecht von Roon und Helmuth von Moltke gewidmet sind.

Schicksalswege und vergoldene Kuppelbauten

Hinter der Kreuzung zum Spreeweg verläuft unser Wanderweg jetzt parallel zur Straße des 17. Juni. Wir überqueren die Kastanienallee und biegen ein paar Meter weiter in die Rüsternallee ab. An der Brücke der Hinterlassenen warten vier Denkmäler aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert auf neugierige Besucher. Man muss schon etwas genauer hinschauen, um die Symbolik der Bildhauerkunst zu entdecken. Sie stellen die Opfer dar, die die Zurückgelassenen der Soldaten erbringen mussten: Abschied, Kampf, Pflege eines Verwundeten und die Heimkehr erzählen vom Schicksalsweg der Menschen, die vom Krieg betroffen waren und sind..

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Begehrtes Fotoobjekt nicht nur bei Touristen: Das Beethoven-Haydn-Mozart-Denkmal am Goldfischteich.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Hinter der kleinen Brücke biegen wir rechts ab, folgen dem Weg bis zur Yitzhak-Rabin-Straße, überqueren diese und begeben uns auf die andere Straßenseite der Straße des 17. Juni. Im Wasser des Goldfischteiches spiegelt sich das vergoldete Kuppeldach des Komponisten-Denkmals. Das Monument aus griechischem und Tiroler Marmor, erbaut in den Jahren 1898 bis 1904, würdigt die Lebensleistung der Komponisten Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart. Vor dem Denkmal führt links ein kleiner Wanderweg am Steppengarten vorbei, über die grüne Wiese zurück auf den Ahornsteig. Die Löwengruppe ist das letzte Denkmal auf unserer Tour durch den Tiergarten. Ein paar Meter weiter endet unsere Wanderung wieder am Platz des 18. März.