Eines der vielen ungeschriebenen Gesetze der Politik besagt, dass man sich mit Kritik an Amtsvorgängern grundsätzlich zurückhält. Berlins neue Kultursenatorin, Sarah Wedl-Wilson, hat sich in den vergangenen Tagen dennoch wortreich von Joe Chialo (CDU), ihrem viel kritisierten Vorgänger, distanziert. „Wir hatten eine ganz unterschiedliche Auffassung davon, was Zusammenarbeit heißt, sowohl was die Arbeit hier in der Senatsverwaltung betrifft als auch die Arbeit mit der Kulturszene“, sagte Wedl-Wilson, die unter Chialo als Staatssekretärin gearbeitet hat, dem Spiegel.

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Auch mit Äußerungen dieser Art hat sie in den ersten Tagen im Amt neue Hoffnungen in der zuletzt hart gebeutelten Kulturszene geweckt. In den Chialo-Jahren haben die Kulturschaffenden immer wieder mangelnde Kommunikation bemängelt. Die Erwartungen, die nun auf Wedl-Wilson ruhen, sind groß. Gespart werden muss gleichwohl weiterhin – nun aber unter ihrer Verantwortung. Wie sie plant, als Kultursenatorin Politik zu machen, hat sie am Montagnachmittag im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses skizziert.
Wedl-Wilson will es anders machen als Chialo: „So viel Expertise wie möglich einfließen lassen“
Dabei adressierte sie zwar ihren Vorgänger nicht direkt, dennoch stand dessen Regierungsstil unausgesprochen im Raum als Wedl-Wilson im Schlusswort in aller Kürze festhielt: „Kultur ist Kommunikation“, das eine sei ohne das andere nicht möglich. Während sich die Kulturschaffenden in den vergangenen Monaten oft übergangen fühlten, gab Wedl-Wilson als Ziel aus, „so viel Expertise aus der Praxis einfließen zu lassen wie nur möglich“.

Mehrfach betonte sie die Größe der Herausforderung, in Zeiten knapper Kassen das Amt der Kultursenatorin zu übernehmen. Mit Blick auf die schon beschlossenen Einsparungen 2025 und auf laufende Haushaltsverhandlungen für 2026/2027, bei der weitere Kürzungen auf die Kultur zukommen sollen, stellte Wedl-Wilson klar: „Die Einschnitte in den Kulturhaushalt werden uns zu schaffen machen.“ Der kulturelle Reichtum aber sei „das größtes Kapital“, das Berlin besitze. Dieses Kapital gut anzulegen, sei eine Herausforderung und eine Verpflichtung zugleich. Die kulturelle Infrastruktur gehöre zur Daseinsvorsorge und solle in öffentlicher Hand bleiben. „Gleichwohl brauchen wir in Zeiten leerer öffentlicher Kassen optimierte Governance-Strukturen und eine gute Wirtschaftlichkeit“, so Wedl-Wilson.
Neue Kultursenatorin betont Bedeutung der Kultur als Wirtschaftsfaktor für Berlin
Am Ende der Einsparrunden, müsse die Substanz der Kultur aber weiterhin gesichert sein. Denn Touristen kämen vor allem auch wegen der Kultur nach Berlin. Sie sei damit ein echter Standortortfaktor für die Hauptstadt. „Wir erwirtschaften unser Budget und tragen zur Wirtschaftsleistung der Stadt bei“, sagte Wedl-Wilson. Dieser Beitrag sei nicht marginal, sondern wesentlich. Damit das so bleibe, müsse die öffentliche Förderung die gesamte Bandbreite der Berliner Kultur abdecken, von den großen Häusern bis zur freien Szene. „Dafür will ich sorgen.“ Denn wenn Künstler abwandern würden, riskiere Berlin seinen Status als Kulturmetropole.
Wedl-Wilsons erste Rede im Kulturausschuss war nicht weniger als eine emphatische Grundsatzerklärung für die Bedeutung der Kultur für Berlin. Ein Bekenntnis, ein Credo. In den kommenden Monaten wird sie sich daran messen lassen müssen.





