Der Fall macht inzwischen Schlagzeilen: Ein homosexueller Lehrer an einer Grundschule in Berlin-Moabit ist nach eigenen Angaben von Schülern monatelang beschimpft, beleidigt und gemobbt worden. „Schwul ist ekelhaft“, habe er zu hören bekommen. Muslimische Schüler hätten über ihn gesagt, er sei eine „Familienschande“, er werde „in der Hölle landen“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

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Der Mann, der als pädagogische Unterrichtskraft an der Carl-Bolle-Grundschule mit rund 325 Kindern im Bezirk Mitte arbeitet und insbesondere Schüler mit Förderbedarf unterstützt, schilderte seine Erfahrungen in einem Satz: „Ich lebe in einem Albtraum.“ Die „Märkische Oderzeitung“ hatte im Februar darüber berichtet. Die Schulleitung reagierte auf dpa-Anfrage nicht.
„Es gibt ein großes Dunkelfeld“
Experten gehen davon aus, dass Queerfeindlichkeit gegenüber Lehrkräften nicht nur vereinzelt vorkommt. Nach Einschätzung von Detlef Mücke von der Schwulen Lehrergruppe in der GEW machen viele homosexuelle Kollegen heute zwar eher positive Erfahrungen. „Aber natürlich gibt es Diskriminierungen an Berliner Schulen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Und es gebe ein großes Dunkelfeld von Diskriminierungsfällen, die nicht bekanntwerden.
Wie auf Diskriminierung von Lehrkräften reagiert wird, sei von Schule zu Schule oft anders. Entscheidend sei, welche Grundhaltung ein Kollegium und welches Konfliktmanagement die Schule für solche Fälle habe.
Auch nach Einschätzung des Bundesverbands Queere Bildung mit Sitz in Köln ist Homophobie an Schulen kein Ausnahmefall. „Queerfeindliche Haltungen zeigen sich auch im Kontext Schule mittlerweile vehementer als noch vor einigen Jahren“, sagte Vorstandsmitglied Rebecca Knecht auf dpa-Anfrage.
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Großer Zuwachs an Queerfeindlichkeit von rechts
Das Phänomen religiös motivierter Abwertung queerer Menschen sei bekannt, sagte Knecht. Dabei seien aber nicht nur muslimische Argumentationsmuster zu beobachten, sondern auch christliche. „Wir sehen außerdem einen großen Zuwachs rechtsmotivierter Queerfeindlichkeit.“
Ob Lehrkräfte offen mit ihrer Homosexualität umgehen sollten, lässt sich nach Knechts Überzeugung nicht pauschal beantworten: „Es muss immer eine individuelle Entscheidung über ein Coming-out sein.“ Viele Lehrkräfte berichteten, dass es einen befreienden Effekt haben könne. „Aber natürlich kann niemand von außen vorhersagen, wie sich das an einer bestimmten Schule abspielen wird.“
Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch sagte bei der Plenarsitzung im Abgeordnetenhaus, es gebe keine Statistik, wie oft homosexuelle Lehrkräfte Opfer von Mobbing würden. „Grundsätzlich möchte ich aber auch betonen, dass wir selbstverständlich mit allen Fällen, die bekanntwerden, höchst sensibel umgehen und diesen umgehend nachgehen.“ Das Ziel sei dabei, entsprechende Unterstützungsangebote machen zu können.
Grüne fordern Schutz vor Diskriminierung
Die Grünen-Fraktion im Bezirksparlament forderte am Mittwoch, Schulleitung und Schulaufsicht sollten sich schützend vor Schulbeschäftigte stellen, die von Diskriminierung betroffen seien. Wer sich diskriminierend verhalte, müsse darauf angesprochen werden und sich entschuldigen. In letzter Konsequenz müsse es auch Sanktionen geben.
Es ist nicht das erste Mal, dass über Berliner Schulen debattiert wird, etwa über Brandbriefe von Lehrern – wie erst im November 2024 an der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau. Aggressive Schüler bedrohten Lehrer und würden sich gegenseitig mobben, hieß es damals. Schüler und manche Lehrer hätten Angst.
Bundesweit bekannt wurde die Neuköllner Rütli-Schule 2006: Lehrkräfte schrieben einen viel beachteten Brandbrief über die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände. Nachdem jahrelang viel Geld investiert und neues Personal eingestellt wurde, ist die Rütli-Schule heute ein Vorzeigeprojekt.
dpa





