Deutschland ist Wanderland mit rund 300.000 Kilometern Wanderweg, von der Nordsee bis zu den Alpen und auch in Berlin und Brandenburg, wo es viel Natur und noch mehr Landschaft zu entdecken gibt. Wandern ist in jedem Alter beliebt. Unser Redakteur Jörg Krauthöfer bietet wöchentliche Wandertipps durch Berlin und Brandenburg, von Kiezspaziergängen bis zu längeren Streckenwanderungen, auch auf versteckten Pfaden. Egal, ob Wald, Seen oder städtische Parks – es ist für jeden etwas dabei. Er gibt Tipps zur Ausrüstung und Planung und Informationen zu kulturellen Besonderheiten. Schnürt die Wanderschuhe und begebt euch auf Entdeckungstour!

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Naturidylle in Rüdersdorf. Hier am Strausberger Mühlenfließ startet unsere kleine Wanderung.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Infos zur Wegstrecke

  • Start/Ziel: Parkplatz Museumspark Rüdersdorf
  • Distanz: 6,19 Kilometer
  • Wegebeschaffenheit: Asphalt, Schotter, Waldweg
  • Höhenmeter: 20 m hoch, 30 m runter
  • Leichte Wanderung

Los geht es am Parkplatz an der Heinitzstraße am Ortsrand von Rüdersdorf. Der Weg führt nach rechts in Richtung Haupteingang Museumspark. Vor der großen Drehtür laufen wir die Treppen runter zum Wasser und folgen dem Weg über das Strausberger Mühlenfließ.

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Die Brücke trägt den Namen „Kumpelstieg“ und leitet sich von der Bergbaugeschichte der brandenburgischen Gemeinde ab. Die Bergleute, im Fachjargon „Kumpel“ genannt, sollen hier früher über diese Brücke zur Arbeit gekommen sein. Hinter dem Kumpelstieg biegt der Wanderweg nach rechts in die Straße „Am Kanal“ ab und führt an der nächsten Kreuzung nach links in die Kreuzstraße bis zum der Richard-Meyer-Platz.

Wandern in Berlin: Der Hauptsadtwanderer macht Halt in Rüdersdorf

Richard Meyer war bei der Rüdersdorf-Schöneicher Straßenbahn beschäftigt und als Antifaschist aktiv an der Bekämpfung der Nazis beteiligt. 1933 wurde er verschleppt und ermordet. Das Gelände hat aber auch einen bergbaugeschichtlichen Bezug. Hier befand sich im 18. Jahrhundert der Tasdorfer Kalksteinbruch der Familie von Marschall, Schlossbesitzer und Eigentümer von Tasdorf.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Historischer Ort: der Richard-Meyer-Platz in Rüdersdorf.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Wir biegen nach rechts in die Ernst-Thälmann-Straße ab und kommen an der denkmalgeschützten Pfarrkirche „Heilige Familie“ vorbei. Die neuromanische Kreuzkirche aus dem Jahr 1905 besticht durch ihre typisch märkische Backsteinform. Der Berliner Architekt Engelbert Seibertz war unter anderem für den Entwurf von Kirchen in Stettin, Rathenow, Anklam oder St. Louis (USA) verantwortlich. Bekannte Berliner Bauten von ihm sind unter anderem die St.-Matthias-Kirche in Schöneberg oder das Waisenhaus in der Pfalzburger Straße in Wilmersdorf.

Vorbei an der Ruine von Schloss Tasdorf

Kurz bevor die Ernst-Thälmann-Straße in die Berliner Straße mündet, biegen wir nach rechts in die Kurze Straße ein und nehmen eine kleine Abkürzung durch die Wohnsiedlung. Dann kommt auf der anderen Straßenseite die Ruine von Schloss Tasdorf in Sicht.

Das alte Rittergut aus dem 13. Jahrhundert hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Es war einst ein Herrenhaus im italienischen Renaissance-Stil. Ab 1930 diente es als Müttergenesungswerk und bis zum Kriegsende 1945 als Lazarett. Das alte Herrenhaus wurde zu DDR-Zeiten von der LPG als Sitz genutzt und diente unter anderem bis 1990 als Kindergarten. Heute sind Villa und Gutshaus ein „Lost Place“ in Privatbesitz und dürfen nicht betreten werden.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Wildromantisch zeigt sich die Natur entlang des Rüdersdorfer Mühlenfließes..© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Wir lassen Schloss Tasdorf links liegen und wandern die Sackgasse rechts der Bundesstraße 1 hinunter ins Tal. Am Ende der Fahrbahn biegt nach rechts der Wanderpfad ab, und ab jetzt geht es durch einen grünen Dschungel, immer entlang des Rüdersdorfer Mühlenfließes, zurück in Richtung Museumspark.

Laubbäume säumen den Weg

Immer wieder kann man durch das dichte Grün der Laubbäume die Schornsteine und Gebäude des alten Chemiewerks erkennen. In den 1930er Jahren wurde hier aufwändig Aluminium hergestellt und später in der DDR das Futterzusatzmittel „Rükana“.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
QR-Code scannen und loswandern.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Das Werk darf leider nicht besichtigt werden, hat sich aber in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Drehort entwickelt. Für die US-Serie „Homeland“ wurde hier eine Episode gedreht, und in der Film-Trilogie „Die Tribute von Panem – Mockingjay“ diente die Fabrik als Set für Distrikt 8. Auch Schauspieler George Clooney drehte hier Szenen für „Monuments Men“.

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Die Ruinen des alten Zementwerks I. an der Ernst-Thälmann-Straße sind ein beeindruckendes Zeugnis der industriellen Vergangenheit der Region.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Über die Eisenbahnbrücke geht es auf die andere Uferseite vom Mühlenfließ und unter der Brücke hindurch zurück zum Ausgangspunkt. Auf der rechten Seite sind Ruinen des alten Zementwerkes zu sehen. Vor dem kleinen Teich biegen wir links ab und umrunden das Gewässer, denn auf dem eigentlichen Wanderweg hat sich in diesem Frühjahr ein Schwanenpaar ein Nest für den Nachwuchs gebaut, das nicht gestört werden sollte.

Besuch im Museumspark Rüdersdorf lohnt sich

Einst hatte der kleine Weiher große Bedeutung: Auch wenn man es ihm heute nicht mehr ansieht, war das vor langer Zeit ein Hafen. Von hier wurde der Kalkstein nach Berlin und Brandenburg transportiert.

Museumspark Rüdersdorf in Rüdersdorf bei Berlin (Landkreis Märkisch-Oderland), ehem. Kalkstein-Tagebau; hier: Schachtofe
Besucher besichtigen die historische Schachtofenbatterie im Museumspark Rüdersdorf.© imago images/Christian Kielmann | Christian Kielmann via www.imago-images.de

Wir folgen dem Wanderweg weiter bis zur Heinitzstraße, überqueren die Brücke stadteinwärts und laufen an der nächsten Kreuzung nach links zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Empfehlenswert ist jetzt noch ein Besuch im Museumspark Rüdersdorf.

Hier kann man sich über die 800 Jahre alte Geschichte des Kalksteinabbaus informieren, Teile der Anlage auf eigene Faust erkunden, mit dem Kajak vom Wasser aus „Lost Place“-Feeling erleben oder auf geführten Touren zu Fuß oder mit dem Auto dieses riesige Gelände erforschen. Ein herrliches Abenteuer zum Abschluss unserer Wandertour durch das Strausberger und Rüdersdorfer Mühlenfließ.