Wem in Berlin ein Fahrrad gestohlen wird, bleibt mit Sicherheit auf dem Schaden sitzen. Von den 24.209 angezeigten Diebstählen im vergangenen Jahr konnten lediglich 4,3 Prozent aufgeklärt werden. Die Polizei Berlin setzte ihre Prioritäten zuletzt anders: Die Zahl der Schwerpunkteinsätze gegen Fahrraddiebstahl hat sich von 1546 im Jahr 2023 auf 836 fast halbiert.

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Die Grünen im Abgeordnetenhaus fordern daher eine Ermittlungsgruppe Fahrraddiebstahl beim Landeskriminalamt. Sie solle stadtweit den „bandenmäßigen und organisierten Diebstahl in den Fokus nehmen“, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Vasili Franco am Dienstag. Es brauche auch eine bessere nationale und internationale Vernetzung.

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Fahrraddiebstahl ist ein immer lukrativer werdendes Geschäft. Betrug die Gesamtschadenshöhe in Berlin 2019 noch 20,4 Millionen Euro, waren es 2024 bereits 33,1 Millionen. Oft macht die Polizei sogenannte reisende Täter aus, die eigens für die Taten nach Berlin kommen und das Diebesgut schnell aus der Stadt und meist ins nahegelegene Ausland schaffen. Dorthin, etwa nach Polen und Tschechien, hätten die Berliner Behörden jedoch nur „lose Verbindungen“, moniert Franco. „Sobald das Rad über die Landesgrenze gebracht wurde, gibt es keine Möglichkeit, dort am selben Tag eine Maßnahme zu veranlassen.“

Risiko laut ADFC „teilweise nicht mehr versicherbar“

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BMO_Fahrraddiebstahl_ba.jpg© BM Grafik | Babette Ackermann-Reiche

„Man lebt in dem Gefühl, dass das eigene Rad jederzeit geklaut werden kann“, sagte Marlene Alber vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Berlin. Die niedrige Aufklärungsquote mindere das Vertrauen in die Polizei, das Risiko sei „teilweise gar nicht mehr versicherbar“. Das stehe der Mobilitätswende im Weg, die nach Ansicht der Grünen vom schwarz-roten Senat auch nicht gewollt ist. Franco spricht von einer „Verweigerungshaltung“.

Die Ermittlungsgruppe könne anfangs nur aus wenigen Kräften bestehen, die sich allerdings in Vollzeit um die Aufdeckung von kriminellen Strukturen beschäftigen, fordern die Grünen, die einen entsprechenden Antrag ins Plenum einbringen wollen. In Brandenburg gibt es das laut Franco bereits. Dort sei die Aufklärungsquote zuletzt signifikant gestiegen – etwa in Potsdam auf 24,8 Prozent. Ähnliches erhoffe man sich auch für Berlin.

Polizeigewerkschaft fordert Nachrüstung bei der Infrastruktur

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin sieht das Problem, allerdings den Nachholbedarf vor allem bei der Infrastruktur. Es brauche etwa bessere Abschließmöglichkeiten. „Dass das Thema bisher aber genauso wie bei den letzten Landesregierungen nicht im Fokus steht, sieht man allein daran, dass das Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag zur Videoüberwachung an zwei Fahrradabstellplätzen noch immer nicht umgesetzt ist“, sagt Sprecher Benjamin Jendro. Sie könnten abschreckend auf Täter wirken und zur Identifikation beitragen.

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