Menschen lachen, umarmen sich, plaudern in der Frühlingssonne. In der Luft liegt der Duft von frisch gebratenen Currywürsten und heißen Waffeln. Zum Tag der Bahnhofsmission wird die Jebensstraße direkt am Bahnhof Zoo am Samstag zum Ort der Begegnung: Obdachlose, Nachbarn und Interessierte feiern gemeinsam ein großes Straßenfest – mit Musik, Essen und vielen Aktionen.

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Die Stimmung ist freundlich und offen. „Ziel der Veranstaltung ist es, dass Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten sich kennenlernen, sich austauschen und unsere obdachlosen Gäste einen Ausgleich zum harten Alltag auf der Straße erleben können“, sagt Sünje Hansen, Leiterin der Bahnhofsmission Berlin-Zoologischer Garten. „Die Menschen sollen einen Moment vermeintlicher Unbeschwertheit haben.“ Gleichzeitig wolle man sensibilisieren, aufklären und vor allem echte Begegnungen schaffen.
Eröffnet wird das Straßenfest von der Chinesisch-Christlichen Gemeinde, die unter anderem das Lied „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer singt.
Straßenfest für Obdachlose und Interessierte
Das Angebot ist vielfältig: Curry 36 liefert frisch gebratene Currywürste, Gimme Gelato verteilt Eis in der Sonne. Dazu gibt es Streuselkuchen, Waffeln, Kaffee und kühle Getränke. Der Polizeichor Berlin begleitet das Fest mit klassischen und populären Stücken. Außerdem sorgt der sizilianische Singer-Songwriter Luca Burgio zusammen mit seiner Band „Maison Pigalle“ für Livemusik und gute Laune.

Besonders beliebt: Das Torwandschießen mit Straßenfußballern aus Hamburg und der Basketballkorb, auf dem Gäste ihre Wurfkünste testen können. Hier spielen Groß und Klein gemeinsam, feuern sich an und freuen sich über jeden Treffer. Wer es lieber gemütlich angehen möchte, fiebert beim Bingo-Spiel mit oder nimmt an kleinen Quizrunden teil, bei denen gemeinsam gerätselt wird – ein Angebot, das schnell Gesprächsstoff liefert, für viele Lacher sorgt und neue Kontakte entstehen lässt. Ein zusätzlicher Stand lädt außerdem dazu ein, gemeinsam Brettspiele zu spielen. Auch die „Polizisten für Obdachlose“ sind vor Ort: Sie spielen mit den Gästen Jenga und kommen dabei locker ins Gespräch.

Der Tag der Bahnhofsmission ist für viele Besucherinnen und Besucher auch ein Tag des Mutes. „Es kostet Überwindung, Hilfe anzunehmen“, erzählt eine Besucherin, die lieber anonym bleiben möchte. „Aber hier wird man gesehen und respektiert – das ist schön.“
Tag der Bahnhofsmission: Von Trödelmarkt bis Zuckerwatte
Auch für die Gesundheit ist gesorgt: Das Projekt „Mehr.Blick“ bietet kostenlose Sehtests an – ein Angebot, das rege angenommen wird. Wer möchte, bekommt bei Bedarf sogar direkt eine neue Sonnenbrille. Im Zentrum am Zoo gegenüber der Bahnhofsmission am Hardenbergplatz 13 gibt es außerdem einen Trödelmarkt, heiße Waffeln und Zuckerwatte. Beim Fotostand der Aktion „Berliner Helden“ (von der B.Z.) haben obdachlose Menschen die Möglichkeit, Passbilder von sich machen zu lassen.

Ehrenamtliche des Vereins „Social Inclusion Berlin“ veranstalten zudem ein Tischtennisturnier für alle, die sich sportlich betätigen möchten. Wer eher Lust auf kreative Abwechslung hat, kann sich die Nägel lackieren oder das Gesicht mit Glitzer verzieren lassen – kleine Gesten, die bei vielen Gästen für strahlende Gesichter sorgen.
Haarschnitt für Bedürftige
An praktische Unterstützung fehlt es ebenfalls nicht: Die Barber Angels sind mit zwei Friseuren vor Ort und schneiden Bedürftigen kostenlos die Haare. Der Rotary Club informiert über soziale Projekte, und die Ehrenamtskoordinatorin Shiva Baberowski steht für Fragen rund ums Ehrenamt zur Verfügung.
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Denn: Sowohl die Bahnhofsmission als auch das Zentrum am Zoo sind auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Wer mehr über die Arbeit der Bahnhofsmission und des Zentrums am Zoo erfahren möchte, kann außerdem an Führungen durch das Zentrum, das vor vier Jahren in einer ehemaligen Polizeistation eröffnet wurde, teilnehmen. Inzwischen ist das Zentrum ein fester Anlaufpunkt für Beratung, Bildung und Kultur geworden: Hier treffen sich Menschen zu Lesungen, Konzerten oder Ausstellungen.
Spenden: Das wird dringend gebraucht
„Wir haben heute Morgen mit dem Aufbau gestartet und wurden dabei tatkräftig von unseren Gästen unterstützt“, erzählt Sünje Hansen. Doch nicht nur beim Fest, sondern auch im Alltag ist Unterstützung gefragt: „Besonders wichtig sind gezielte Sachspenden. Am besten ruft man vorher an oder schreibt uns eine E-Mail. Was wir immer dringend brauchen, sind Schlafsäcke, Isomatten, Zelte und Taschentücher. Alles, was greifbar ist.“ Auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer seien jederzeit willkommen.
Marylin (56), ein Ehrenamtlicher, der seit anderthalb Jahren mitarbeitet, sagt: „Es ist eine Freude, hier mitzuhelfen. Ich wünsche mir, dass wir die Freude, die wir heute hier erleben, auch weitergeben können. Der Tag heute bedeutet für mich vor allem, dass die Bahnhofsmission sichtbarer wird und dass wir Präsenz zeigen.“
Zeichen für den Zusammenhalt
Der Tag der Bahnhofsmission wird deutschlandweit gefeiert, um auf die Arbeit der über 100 Bahnhofsmissionen aufmerksam zu machen. Mehr als zwei Millionen Menschen werden jedes Jahr unterstützt – mit Essen, Kleidung, Gesprächen oder einer Übernachtungsmöglichkeit. Die Bahnhofsmission am Zoo gehört zu den größten in Deutschland: Täglich werden hier mehr als 600 Mahlzeiten ausgegeben.
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An diesem Samstag zeigt sich besonders eindrucksvoll, worum es geht: nicht nur um Versorgung, sondern um Begegnung, um Gemeinschaft – und darum, einander zu sehen.
Die Geschichte der Bahnhofsmission reicht bis ins Jahr 1894 zurück. Damals wurde die erste Bahnhofsmission am Schlesischen Bahnhof (heute Ostbahnhof) in Berlin gegründet.







