Die Aufnahmen aus einem der größten Milchviehbetriebe in der Uckermark hatten Erschreckendes zu Tage befördert: Der Tierrechtsorganisation Aninova waren insgesamt 1000 Stunden Videomaterial zugespielt worden, die schwerste Misshandlungen an Kühen und Kälbern des Hofes dokumentieren. Nun hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin Ermittlungen eingeleitet.

Kuhhof in Brandenburg: Tiere geschlagen, Kälbchen geworfen

Der Vorwurf lautet Tierquälerei. Die Aufnahmen sollen Mitarbeiter des Hofes zeigen, wie sie Kälber durch die Luft werfen und kranke und lahme Kühe mit einem Stock schlagen, teils auf den Kopf. Zu sehen seien auch Mitarbeiter, die die Tiere treten würden, um sie zum Aufstehen zu zwingen. Ermittelt werde gegen jene Mitarbeiter, wie der rbb recherchiert hat, sowie den Hofbetreiber. Oberstaatsanwalt Stefan Heidenreich erklärt, es gehe um §17 des Tierschutzgesetzes, wonach sich strafbar mache, wer einem Lebewesen grundlos erhebliche Schmerzen zufüge.

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Vor einigen Wochen hatte der rbb die Videoaufnahmen von dem Hof im Norden Brandenburgs veröffentlicht. Diese waren zwischen Mitte Dezember 2024 und Mitte Februar 2025 mithilfe von sieben in den Ställen versteckten Kameras aufgenommen worden. Der rbb hatte öffentlich gemacht, dass es sich bei dem Hof um den Betrieb Wollschow-Menkiner Agrar GmbH in Brüssow mit etwa 1000 Milchkühen handeln soll.

Betreiber bestätigt: Misshandlung fand auf seinem Kuhhof statt

Im Beisein des rbb soll sich der Betreiber die Videoaufnahmen angesehen und bestätigt haben, dass sie Vorfälle in seinem Betrieb zeigten. In einem Interview sagte er, dass er seinen Mitarbeitern immer gesagt habe, „hier wird nie mit dem Stock eine Kuh getrieben.“ Eine persönliche Verantwortung hatte er zurückgewiesen. Das Interview habe er mit den Worten abgeschlossen: „Ich bin am Ende.“

Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von Aninova, sagte, inzwischen hätten sich mehrere Menschen aus dem näheren Umfeld des Landwirts bei ihm gemeldet, die einzelne Personen auf den Videos erkannt haben wollen. Aninova seien einige dieser Personen bekannt. Konkret gehe es etwa um eine Aufnahme, auf der ein Mitarbeiter auf eine verletzte Kuh einsteche und ihr den Schwanz verdrehe.

Landwirtschaftsministerin stellt Strafanzeige

Die brandenburgische Landwirtschaftsministerin, Hanka Mittelstädt, zeigte sich nach Veröffentlichung einiger besonders drastischer Szenen betroffen und sprach von „verstörenden Bildern“. Auch das zuständige Veterinäramt in Prenzlau hatte sich nach Ansicht des Video-Materials „schockiert“ gezeigt und nach rbb-Informationen selbst eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht.

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Laut Oberstaatsanwalt Stefan Heidenreich steht das Verfahren ganz am Anfang. Man rechne mit sehr „umfangreichen und aufwändigen“ Ermittlungen. Im Falle einer Verurteilung droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

mit ots