Berlin verstärkt die Startup-Förderung. Um Ausgründungen aus der Wissenschaft besser zu fördern, soll ein neuer Venture Capital Fonds in Höhe von 10 Millionen Euro aufgebaut werden. Das kündigten Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra am Dienstag gemeinsam bei einem Termin im Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) an. Im Fokus stehen dabei Deep Tech Startups, die Lösungen in den Bereichen Digitalisierung, Biotechnologie und Energie und Nachhaltigkeit entwickeln.

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„Gerade bei den wissenschaftsbasierten Deep-Tech-Startups kann Berlin deutlich mehr“, betonte Giffey. An Ideen und Innovationen mangele es Gründerinnen und Gründern an den Hochschulen und Instituten dabei nicht. Oftmals fehle vor allem das erste Geld zur Umsetzung, die sogenannte Pre-Seed-Finanzierung, sagte die Wirtschaftssenatorin. „Genau hier setzen wir mit unserem neuen Venture Capital Pre-Seed Fonds an und investieren gezielt in Ausgründungen“, betonte sie.
Die ersten Startups sollen ab dem dritten Quartal dieses Jahres gefördert werden. Bis 2029 sollen insgesamt 50 Gründungen ein Unterstützungsdarlehen zwischen 100.000 und 300.000 Euro erhalten. Durchschnittlich sollen es 200.000 Euro sein. Bereitgestellt wird das Geld von der IBB Ventures, einer Tochtergesellschaft der Investitionsbank Berlin (IBB).

Katrin Robeck, Geschäftsführerin der IBB Ventures, sprach am Dienstag von einer „Finanzierungslücke im Pre-Seed-Bereich“. Alles beginne mit einer Idee, die dann im ersten Schritt vielfach von Familie, Freunden oder Business Angels finanziert werden müsse. Gerade im Bereich Deep-Tech, also bei bedeutenden Innovationen aus Technik und Wissenschaft, seien die Forschungs- und Entwicklungskosten sowie die kommerziellen Risiken oft sehr hoch. Gleichzeitig könne auch der Nutzen für die Gesellschaft enorm sein. „Mit Lieferdiensten kann man nicht die Welt retten“, betonte Robeck den Unterschied zu Startups in anderen Bereichen.
Berliner Startup Boreal Light: Erste Finanzierung durch Wohnungsverkauf
Ali Al-Hakim weiß, wie schwer es am Anfang ist, an Geld zu kommen, auch wenn man eine gute Idee hat. Al-Hakim ist Geschäftsführer des Unternehmens Boreal Light. Vor elf Jahren hat er das Startup gegründet. Damals habe er noch in Berlin Maschinenbau studiert, berichtet der Firmengründer am Dienstag. Sein Ziel: günstige Anlagen bauen, die Salzwasser in Trinkwasser verwandeln. In den ersten vier Jahren habe er seine Ideen nur am Abend weiterentwickeln können, berichtete er. Sein Geschäftspartner habe für die Finanzierung seine Zweizimmerwohnung verkaufen müssen.
Doch das Risiko lohnte sich am Ende. Im vergangenen Jahr sei die bisher größte Anlage von Boreal Light in der Ukraine in Betrieb gegangen, berichtete Al-Hakim. Sie könne Trinkwasser für rund 400.000 Menschen bereitstellen, betonte der Berliner Firmengründer. Insgesamt versorgten die Anlagen von Boreal Light auf der ganzen Welt mittlerweile rund acht Millionen Menschen mit Trinkwasser, sagte er. In Berlin arbeiteten heute 30 Beschäftigte für das Unternehmen. Darunter viele Ingenieure, die auch hier in Berlin studiert hätten, so Al-Hakim.
Startup X-Cardiac: Künstliche Intelligenz für die Intensivstation
Eine weitere Erfolgsgeschichte ist das Startup X-Cardiac. Die Firma, im Jahr 2020 gegründet, nutzt Künstliche Intelligenz für Intensivstationen, etwa um mögliche Probleme bei Herz-Operationen besser vorhersagen und abwägen zu können. Wenn man keinen Prototypen vorstellen könne, sondern nur eine gute Idee habe, sei es einfach schwierig, von Wagniskapitalgebern Geld zu bekommen, erinnert sich Kay Brosien von X-Cardiac an die Anfänge seiner Firma. Sie hätten es damals mit Hilfe des Berlin Institute of Health (BIH) von der Charité geschafft. Die Firma wurde mit dem Programm Digital Health Accelerator gefördert. Mittlerweile hat X-Cardiac zehn Beschäftigte und zwei Produkte auf dem Markt.
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Wissenschaftssenatorin Czyborra betonte am Dienstag den Wandel in der Wissenschaft. „In den letzten Jahren hat es an Berliner Wissenschaftseinrichtungen einen starken Kulturwandel zugunsten von Wissens- und Technologietransfer gegeben“, sagte sie. Professionelle Unterstützungsstrukturen würden auf- und ausgebaut. An allen Berliner Hochschulen seien Gründungsservices entstanden. Darüber hinaus seien die Gründungsförderungen der Unis der Berlin University Alliance unter dem Dach von „Science & Startups“ zusammengeführt worden. „Im Verbund hat Science & Startups bereits über 2.600 Gründerinnen und Gründern geholfen“, betonte die Wissenschaftssenatorin.
Berliner Startups werben in fünf Jahren rund 23 Milliarden Euro ein
Der neue Fonds ist eng verknüpft mit der Initiative UNITE, die bestehende Gründungs- und Transferwerkzeuge der Hochschulen und Forschungsinstitute in der Metropolregion Berlin-Brandenburg strategisch bündelt. Mit UNITE entstehe derzeit Europas größtes Gründungszentrum für wissenschaftsbasierte Startups, hieß es bei der Vorstellung am Dienstag. Ziel sei es, die Zahl der Ausgründungen in Berlin erheblich zu steigern.
Die Zahl der Startups in Berlin liegt laut Wirtschaftssenatorin Giffey aktuell bei rund 5000. Fast 100.000 Beschäftigte arbeiteten dort, sagte Giffey. Allein in den vergangenen fünf Jahren hätten sie gut 23 Milliarden Euro Investitionskapital aus der ganzen Welt angezogen.
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Das Land Berlin fördert Startups bereits auf ganz unterschiedlichen Wegen. Die landeseigene IBB Ventures finanziert junge Unternehmen seit 28 Jahren. Die Fördersummen für Startups hätten bisher aber in der Regel bei mindestens 500.000 Euro gelegen, berichtete Robeck. Für das vergangene Jahr verbucht die IBB Ventures 48 Finanzierungen mit einer Gesamtsumme von 103 Millionen Euro.






