Weltweit trauern Millionen von Menschen um Papst Franziskus, der am Montagmorgen verstorben ist. Auch in Berlin wird des katholischen Oberhaupts gedacht. Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft gedachten des Pontifex und sprachen über teils persönliche Erfahrungen. „Berlin trauert um Papst Franziskus. Noch am Ostersonntag hat Papst Franziskus den Segen Urbi et Orbi gespendet und auf dem Platz im Vatikan den Kontakt zu den Gläubigen gesucht, bis zuletzt war er für die Menschen da“, schrieb Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auf der Plattform X.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Der Christdemokrat betonte, Papst Franziskus habe das Pontifikat in schwierigen Zeiten übernommen, und lobte, dieser habe die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale befördert sowie den Vatikan und die katholische Kirche reformiert. „Mit großem Engagement setzte er sich für die Armen und für mehr soziale Gerechtigkeit vor allem in den Entwicklungsländern ein“, so Wegner weiter. Zugleich habe er den Dialog zwischen den Religionen fortgeführt und Frieden sowie mehr Klimaschutz gefordert.
„Papst Franziskus war ein besonderes Kirchenoberhaupt, mit seiner bescheidenen und charismatischen Art gab er den Menschen auf der ganzen Welt Hoffnung. Sein Tod an Ostern, dem Fest der Auferstehung und des Lebens, berührt uns alle sehr“, schrieb Berlins Regierender Bürgermeister abschließend.
Franziska Giffey lobt Einsatz des Papstes für den Dialog der Religionen
Auch weitere Mitglieder des Senats äußerten sich in den sozialen Medien zum Tod des Kirchenoberhaupts. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) schrieb, die Weltgemeinschaft verliere „eine wichtige Stimme, die sich für den Dialog der Religionen einsetzte und auch in den zentralen gesellschaftlichen Themen immer wieder deutlich Stellung bezog“. Dabei nannte sie etwa die Bekämpfung der Armut, den Schutz der Umwelt oder die Rechte von Geflüchteten.
Die Grünen-Fraktionschefin im Berlin Abgeordnetenhaus, Bettina Jarasch, die selbst Katholikin ist, schrieb in einem Beitrag auf Instagram, der Tod von Papst Franziskus berühre sie sehr. Er habe Zeichen gesetzt, die bleiben, etwa, „dass die Kirche eine Kirche der Armen sein muss – und eine bescheidene“. Sie hob hervor, dass Franziskus zuletzt noch eine Frau zur Regierungschefin des Vatikans ernannt habe, schränkte aber auch ein, dass der „große Aufbruch“, auf den viele insbesondere reformorientierte Katholiken gehofft hätten, ausgeblieben sei.
Erzbischof über Papst Franziskus: „Ein von der Frohen Botschaft wahrhaft durchdrungener Mensch“
Auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch würdigte den verstorbenen Papst Franziskus am Montag, dieser sei „ein von der Frohen Botschaft wahrhaft durchdrungener Mensch“ gewesen. „Papst Franziskus gab der Kirche und der Welt eine Botschaft, die das Besondere, Schöne und Frohmachende in Ehe und Familie bezeugt“, sagte Koch in einer Mitteilung. „Ich selbst und alle Christinnen und Christen der Kirche in Berlin, der Mark Brandenburg und in Vorpommern blicken in Dankbarkeit zurück auf das von der Freude des Evangeliums geprägte Pontifikat unseres Papstes Franziskus. Möge er ruhen in Gottes Frieden und freudig eingehen in seine Herrlichkeit!“
Papst Franziskus habe ihm im Jahr 2015 das erzbischöfliche Pallium verliehen, so Koch. Das Pallium wird von den Päpsten an hohe Würdenträgern der Kirche verliehen. „Für das große Vertrauen, welches der Heilige Vater in der Übertragung jenes Amtes zum Ausdruck brachte, bin ich ihm dankbar und – gerade am heutigen Tag – in besonderer Weise verbunden.“

Armutsbeauftragter der Evangelischen Kirche: Demut wird unvergessen bleiben
Der evangelische Landesbischof Christian Stäblein äußerte sich am Montag ebenfalls zum Tod des Papstes und lobte diesen als „Brückenbauer, der den Dialog zwischen den christlichen Konfessionen, anderen Religionen und der säkularen Welt suchte“ und als Person, dessen Wort in der Welt Gewicht hatte. „Besonders beeindruckt sein Einsatz für eine glaubwürdige, erneuerte Kirche. Er lebte, was er predigte“, sagte Stäblein. Die verbindende Botschaft von Papst Franziskus habe so auch viele evangelische Christinnen und Christen erreicht.
Über das Wirken von Papst Franziskus sagte Stäblein außerdem, dieses sei von „tiefer Demut“ geprägt gewesen, mit der er die Menschen immer wieder berührt habe. „In seiner Menschlichkeit, in seinem Eintreten für die Schwächsten, für soziale Gerechtigkeit, in seinem Ruf für die Schöpfung und in seinem Nachdruck, mit der er seine Kirche erneuern wollte und erneuert hat, hat er anderen die Quellen des Glaubens geöffnet“, sagte er. Papst Franziskus habe das Amt „mit Menschlichkeit, Glaubwürdigkeit und einem klaren Blick für die Herausforderungen unserer Zeit“ geprägt.
Auch der Armutsbeauftragte der Evangelischen Kirche in Berlin, Thomas de Vachroi, zeigte sich betroffen vom Tod des Papstes. „Der Tod von Papst Franziskus erfüllt mich mit tiefer Trauer. Sein Glaube, seine Demut und seine Botschaft der Barmherzigkeit werden unvergessen bleiben“, schrieb er auf Facebook. „Ich bin dankbar für sein geistliches Erbe, dankbar für die private Audienz am 25. September 2024 und vertraue darauf, dass Gott ihn nun in seine Arme schließt. In stillem Gebet verbinde ich mich mit allen, die um ihn trauern“, so Vachroi.
Wo Berlinerinnen und Berliner am Montag des verstorbenen Papstes gedenken können

In der diplomatischen Vertretung des Vatikans in Berlin, der Apostolischen Nuntiatur an der Lilienthalstraße in Neukölln, wehte am Montag die gelb-weiße Flagge der Vatikanstadt auf halbmast. In der St. Johannes Basilika, die neben der Botschaft des Vatikans liegt, wurde ein Foto des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche aufgestellt. Auch in der Sankt Hedwigs-Kathedrale in Mitte wurde während der Messe zum Ostermontag des Papstes gedacht. Hier können Berlinerinnen und Berliner auch am Ostermontag-Abend bei einem Gottesdienst in der St.-Hedwig-Kathedrale des verstorbenen Papstes gedenken.
Erzbischof Heiner Koch feierte am Abend der Sankt Hedwigs-Kathedrale in Mitte ab 18 Uhr die Heilige Messe, teilte das Erzbistum Berlin mit. Termine für die offiziellen Trauerfeiern stehen dem Vernehmen nach noch nicht fest. Stirbt ein Papst, gibt es für die Trauerfeierlichkeiten ein festgelegtes Protokoll, sowohl seitens der Kirche wie auch der Politik in Berlin. Berlin spielt eine besondere Rolle als Regierungssitz Deutschlands und Sitz der päpstlichen Nuntiatur.

In der Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz herrschte am Nachmittag eine durchdringende Stille, Besucher erlebten ein Gotteshaus in völliger Ruhe, nahmen eine Atmosphäre wahr, die man als Anspannung oder meditative Andacht wahrnehmen konnte. Fast unscheinbar, unterhalb der lichten Kuppel, tief am Boden neben dem Taufbecken platziert: ein Porträt des verstorbenen Papstes. „Ich hoffe, er ist gut dort oben angekommen. Und ich wünschte mir, man hätte ihn etwas eher gehen lassen“, sagte Christine Krausmann, die sich – obschon eine evangelische Pfarrerstochter – in tiefer Ehrfurcht an Papst Franziskus Wirken erinnern möchte. „Ich verehre diesen Papst ungemein. Weil er sich für die Umwelt und für die Armen eingesetzt hat“, begründete Krausmann ihr Lob auf Franziskus. Auf Wunsch ihrer ganzen Familie sei Krausmann zur Berliner Kathedrale gekommen, um am Eingang einen Strauß weiße Blumen abzulegen – nicht gekauft, sondern frisch gepflückt.
Kondolenzbuch wird am Freitag in Berlin ausgelegt
In Berlin können sich Trauende ab dem kommenden Freitag, 25. April, ins offizielle Kondolenzbuch eintragen, teilte das Erzbistum am Montagabend mit. Es wird ausgelegt in der Nuntiatur des Vatikans, Lilienstraße 3A: Freitag ab 13 Uhr sowie Montag, 28., und Dienstag, 29. April, jeweils von 10 und 17 Uhr.
Wer eine Kerze für Papst Franziskus aufstellen möchte, kann dies auch virtuell tun: Die Deutsche Bischofskonferenz hat dazu eine Seite freigeschaltet, auf der (kostenlos) Lichter digital „entzündet“ werden können.




