Berlin versinkt im Verkehrschaos: Erst ab Montag wird die A100 in nördliche Richtung wieder geöffnet. Allerdings wird der Verkehr mit Ziel Wedding oder Hamburg nur einspurig sein. Das kündigte die Autobahngesellschaft am Freitag an. Die Gegenrichtung wird auf zwei Spuren verengt. Am Freitag beklagten sich viele Anwohner über chaotische Zustände rund um die gesperrte Ringbahnbrücke. Ob es am Anfang nächster Woche zu einer Entlastung kommt, ist offen. Gleichzeitig müssen sich Fahrgäste der BVG auf einen längeren Streik einstellen. Die Tarifgespräche zwischen Unternehmensführung und Verdi scheiterten am Freitag. Das Verkehrschaos könnte auch deutlich zunehmen.

Sperrung auf der A100: Politik will beschleunigten Neubau vorantreiben

„Das Desaster um die Ringbahnbrücke werden alle Menschen, die im Westen Berlins unterwegs sind über Jahre zu spüren bekommen“, betont am Freitag auch Werner Graf, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Abgeordnetenhaus. Der Senat müsse sich nun mit Nachdruck gegenüber der Autobahn GmbH für ein Konzept einsetzen, dass die Anwohnenden vor dem Verkehrschaos in den Nebenstraßen schütze. „Es ist nicht hinnehmbar, dass zwei Wochen nach Bekanntwerden der Probleme noch immer keine Umleitungsstrecke ausgewiesen ist“, sagte Graf. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) müsse den Fall zur Chefsache machen, forderte er. Auch die oppositionelle Linke griff den Senat an. Kristian Ronneburg sagte, dass die Vollsperrung die Senatsverkehrsverwaltung trotz Warnungen „völlig unvorbereitet“ getroffen habe. Die Linke beantragte eine dringliche Besprechung des Themas im Mobilitätsausschuss des Abgeordnetenhauses - unter Hinzuziehung der Autobahngesellschaft und des Bezirks.

Berlins Regierender Bürgermeister Wegner betonte am Freitag auf Nachfrage: „Die Sicherheit der Berlinerinnen und Berliner steht an erster Stelle.“ Die Autobahnbrücke sei in einem „gefährlich schlechten Zustand“, eine Vollsperrung sei unumgänglich gewesen. Autobahngesellschaft, die Verkehrsverwaltung sowie die Bezirke müssten nun schnell eine neue Verkehrslenkung umsetzen. Gleichzeitig müsse „alles dafür getan werden, damit der Abriss und Neubau der Ringbahnbrücke beschleunigt“ werde, sagte Wegner.

Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) hofft, dass sie Sperrung weniger als zwei Jahre andauert. „Wir müssen schauen, dass wir kein Planfeststellungsverfahren brauchen“, sagte die CDU-Politikerin am Freitag im RBB.. Zur Kritik am fehlenden Umfahrungskonzept sagte die CDU-Politikerin: „Es ist eben nicht möglich, so schnell 230.000 Fahrzeuge pro Tag umzuleiten.“ Es bedürfe nun eines großräumigen Umfahrungskonzeptes. „Das geht eben nicht so schnell“, betonte sie.

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Für einige betroffenen Pendler könnte das Chaos ein Grund sein, auf Regionalbahnen umzusteigen. Doch auch dort ist in den kommenden Tagen mit teils großen Einschränkungen zu rechnen. So bleibt etwa die untere Ebene des Hauptbahnhofs am Wochenende wegen Bauarbeiten vollständig gesperrt. Im Regionalverkehr werden deshalb mehrere Linien umgeleitet. Auch Fernverkehrszüge halten nicht. In einigen Monaten steht dann die Vollsperrung der Bahnstrecke Berlin-Hamburg an. Ab August ist die wichtige Schienentrasse für ganze neun Monate wegen Sanierungsarbeiten unpassierbar.

Und jetzt droht auch noch ein großer BVG-Streik

Die Gewerkschaft Verdi erklärte die Tarifverhandlungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) für gescheitert und kündigte eine Urabstimmung über unbefristete Streiks an. „Erneut hat die BVG ein Angebot verweigert, welches die Reallöhne der Beschäftigten sichert und ihre Leistungen angemessen honoriert“, teilte Verhandlungsführer Jeremy Arndt nach der sechsten Tarifrunde mit. 

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Die Gewerkschaft bereite nun eine Urabstimmung über unbefristete Streiks vor. Diese werde vom 26. März bis zum 4. April andauern, sagte Arndt der Deutschen Presse-Agentur. Ein längerer Streik käme also erst im April auf die Berlinerinnen und Berliner zu. Für weitere Arbeitskämpfe trage die Arbeitgeberseite die Verantwortung, betonte Verdi.

BVG schlägt Schlichtung vor

Die BVG äußerte sich irritiert über das Vorgehen der Gewerkschaft und forderte nach dem Scheitern eine Schlichtung. „Um weiteren Schaden und neue Streiks für Berlin abzuwenden, ruft die BVG die Gewerkschaft Verdi auf, den bestehenden Tarifkonflikt schnellstmöglich über eine Schlichtung zu lösen“, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit. Dabei würden externe Vermittler im Tarifkonflikt versuchen, eine Einigung zu finden. 

Die Gespräche könnten aus Sicht der BVG bereits in der kommenden Woche beginnen. Verdi müsste dem freiwilligen Verfahren allerdings zustimmen. 

Arndt sagte, man werde die Forderung einer Schlichtung prüfen. Wenn diese lediglich „Zeitschinderei“ sei, könne man sie auch ablehnen. Unabhängig von einer möglichen Schlichtung werde Verdi „auf jeden Fall in die Urabstimmung gehen“.