Zweieinhalb Jahre wurde der Berliner Gendarmenmarkt saniert, für stolze 21 Millionen Euro. Seit dem vergangenen Wochenende ist der zentrale Platz in Mitte, der für viele als der schönste der Hauptstadt gilt, wieder zugänglich. Endlich keine Baustelle mehr, endlich wieder flanieren über den historischen Platz, den Kurfürst Friedrich III. 1688 errichten ließ.

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Doch die Freude währt nicht überall. In den sozialen Medien beschweren sich zahlreiche Nutzer über die Neugestaltung des Gendarmenmarkts. Durch die 14.000 Quadratmeter Natursteinpflaster wirke der Platz kahl, von kaum vorhandenem Grün und fehlenden Schattenplätzen ist die Rede. CDU-Politiker Armin Laschet spricht gar von einer „Steinwüste“.
Beton statt Bäume: Ist der Gendarmenmarkt verunstaltet worden?
PRO von Pascal Biedenweg
Ein Denkmal für verfehlte Stadtplanung
Pascal Biedenweg, Digital Lead
Der Gendarmenmarkt hat den Ruf, der schönste Platz in Berlin zu sein. Doch dieser Ruf ist verfehlter als die Erwartung, dass WLAN in deutschen Zügen zuverlässig funktioniert.
Denn der neu gestaltete Gendarmenmarkt ist nicht mehr als eine Enttäuschung aus Granit und Beton. Er erstrahlt als eine triste Steinwüste, die an eine XXL-Tiefgaragendecke erinnert. Keine schattenspendenden Bäume, kaum Grün, dafür jede Menge versiegelte Fläche, die sich im Sommer in eine riesige Heizplatte verwandelt.
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Wo früher ein eleganter, historischer Platz mit Charme war, herrscht jetzt die Atmosphäre eines Messehofs. Der Gendarmenmarkt hätte eine grüne Oase im Herzen Berlins sein können – ein Platz zum Verweilen, für Kultur und Begegnung. Stattdessen hat man eine sterile Fläche geschaffen, die so gar nicht zum historischen Ensemble aus Konzerthaus, Deutschem und Französischem Dom passt.
Wer sich also nach einem entspannten Bummel sehnt, sollte lieber woanders hingehen. Wer den Charme Berlins sucht, findet ihn hier nicht mehr. Der Gendarmenmarkt war einmal ein Juwel – jetzt ist er nur noch ein Denkmal für verfehlte Stadtplanung.
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CONTRA von Patricia von Thien
Kritik am Gendarmenmarkt? Kleinkariert und provinziell
Patricia von Thien, Chefin vom Dienst
Berlin will Metropole sein. Mit London, Paris und New York mithalten. Und beschwert sich dann darüber, dass zu wenig Bäume auf einem der berühmtesten Plätze der Stadt stehen? Dieses Denken ist nicht nur kleinkariert, sondern geradezu provinziell.
Der Gendarmenmarkt mit Konzerthaus, Deutschem und Französischem Dom ist nach der millionenschweren Sanierung eine Augenweide – auch mit dem zu Unrecht kritisierten Natursteinpflaster. Es ist typisch deutsch, dass jetzt wieder gemeckert und der historische Ort als „Steinwüste“ diffamiert wird. Schwer zu glauben, dass Touristen, die extra nach Berlin reisen, um die Historie der Stadt zu erleben, solch harsche Kritik äußern würden.
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Ein Blick über den Tellerrand hinaus hilft bei der Einordnung. Steht auf dem Trafalgar Square in London ein Baum? Nein. Ist der Place de la Concorde in Paris üppig begrünt? Auch nicht. Vom Times Square in New York mal ganz zu schweigen. Der Gendarmenmarkt ist kein Naturschutzgebiet und sollte es auch nicht sein.
Nachhaltig ist der Platz übrigens allemal. Ein dezentrales Leitungssystem sammelt Regenwasser so auf, dass es langsam versickert und umliegende Pflanzen versorgt werden. Auch am Rand des Platzes stehen Bäume. Und wer Flora und Fauna vermisst: Der Tiergarten ist ja nicht weit, um sich an schattenspendenden Bäumen zu erfreuen.
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