Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seinen gestorbenen Vorgänger Horst Köhler als „tatkräftigen und bis in die letzten Tage seines Lebens unermüdlichen Diener unseres Gemeinwesens“ gewürdigt. „Wir Deutsche trauern um Horst Köhler. Wir sind dankbar, dass er unter uns und für uns gewirkt hat. Wir vermissen ihn“, sagte Steinmeier bei einem Staatsakt im Berliner Dom.

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Köhler war Anfang Februar im Alter von 81 Jahren gestorben. Steinmeier rief dazu auf, sein Vermächtnis zu bewahren. „Wenn wir heute dankbar sind für Horst Köhler und seinen Dienst an unserem Land, dann erkennen wir damit auch eine Verpflichtung: dieses Land in seinem Sinne zu bewahren und als höchst lebenswerten Ort auch für zukünftige Generationen zu erhalten.“

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Horst Köhler: Vom Flüchtlingskind zum Bundespräsidenten

Steinmeier betonte den beruflichen Werdegang Köhlers und sprach von „einer paradigmatischen Geschichte der jungen Bundesrepublik, die es möglich machte, dass aus einem Flüchtlingskind der geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfond in Washington und schließlich Bundespräsident dieser Bundesrepublik Deutschland wird“.

Köhler musste 1944 mit seiner Familie aus dem polnischen Skierbieszówvor vor den anrückenden sowjetischen Truppen fliehen. Vier Jahre lang lebten sie in verschiedenen Flüchtlingslagern, bis sie im schwäbischen Ludwigsburg eine Heimat fanden. Dort lernte er seine Frau Eva Luise Bohnet kennen, ohne die das Wirken Köhlers nicht denkbar gewesen wäre, so Steinmeier – zusammen haben sie 2006 die Eva Luise und Horst Köhler Stiftung gegründet, die sich für eine bessere medizinische Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen einsetzt.

Staatsakt für Bundespräsident a.D. Horst Köhler
Die Witwe Eva-Luise Köhler hinter dem mit einer deutschen Fahne bedeckten Sarg des verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler beim großen militärischen Ehrengeleit nach dem Trauergottesdienst und Staatsakt vor dem Berliner Dom. © DPA Images | Bernd von Jutrczenka

„Er wollte dem Land etwas zurückgeben“, sagte Steinmeier über seinen Vorgänger. Dieser habe einen „unaufgeregten Patriotismus“ gelebt. Während des Trauergottesdienstes und dem darauffolgende Staatsakt wurde immer wieder auf den christlichen Glauben Horst Köhlers verwiesen, der sich in seinem Politikstil widergespiegelt habe. Köhler habe einst die Frage, warum sich Deutschland um andere Länder kümmern soll, mit der christlichen Maxime der Nächstenliebe beantwortet.

Frühere Staatspräsident Kenias: „Horst Köhler war mehr als ein Kollege, er war ein Freund“

Insbesondere der afrikanische Kontinent stand für Köhler im Fokus – an diesem entscheide sich das Schicksal der Welt. „Er war kein weltentrückter Träumer“, machte Steinmeier in seiner Ansprache deutlich. Der ehemalige Bundespräsident habe dazu beigetragen, dass Afrika vom Objekt zum Subjekt wurde.

Angesichts dieser Verbundenheit überraschte es nicht, dass neben Steinmeier auch der frühere Staatspräsident der Republik Kenias, Uhuru Kenyatta, am Dienstag als Redner geladen war. „Horst Köhler war mehr als ein Kollege, er war ein Freund“, so der kenianische Politiker. Er rief dazu auf, sich nicht allein der Trauer über Köhlers Tod hinzugeben, sondern sein Wirken zu feiern. „Sein Vermächtnis lebt weiter.“

Neben Steinmeier und Kenyatta würdigten auch der österreichische Bundespräsident a. D. Heinz Fischer sowie der ehemalige Bundesfinanzminister Theodor Waigel Köhler mit ehrenden Worten. „Ich fühlte mich sicher und geborgen, wenn er dabei war“, erklärte Waigel über seinen alten Weggefährten, der ihn kurz vor seinen Tod in einem Telefonat gewarnt habe, dass Deutschland nicht auf die sich verändernde geopolitische Lage vorbereitet sei.

Trauerstaatsakt für Horst Köhler: Angela Merkel unter den Gästen

Bei dem Staatsakt und dem vorausgegangenen Gottesdienst nahmen die Spitzen des deutschen Staates und zahlreiche Weggefährten Abschied von Köhler. Anwesend waren alle fünf Verfassungsorgane – neben Steinmeier auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sowie die Präsidenten von Bundestag, Bundesrat und Bundesverfassungsgericht, Bärbel Bas (SPD), Anke Rehlinger (SPD) und Stephan Harbarth.

Staatsakt für Bundespräsident a.D. Horst Köhler
Angela Merkel (CDU, 2.v.r) und ihr Ehemann Joachim Sauer nehmen im Berliner Dom am Trauergottesdienst und Staatsakt für den verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler teil. © DPA Images | Annegret Hilse

Auch die früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und Joachim Gauck sowie Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) waren anwesend. Zudem waren mehrere Bundesministerinnen und -minister und Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen im Bundestag vertreten – darunter Friedrich Merz (CDU), Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Petra Pau (Linke) und Tino Chrupalla (AfD). Die staatliche Zeremonie fand im Berliner Dom statt, wo der von einer Nationalfahne bedeckte Sarg mit dem Leichnam des Verstorbenen auf den Stufen zum Altarraum aufgebahrt wurde.

Staatsakt für Bundespräsident a.D. Horst Köhler
Bundeskanzler Olaf Scholz (2.v.l), seine Frau Britta Ernst (l), die saarländische Ministerpräsidentin und Bundesratspräsidentin, Anke Rehlinger (2.v.r), und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth (r) sind Gäste beim Staatsakt.© DPA Images | Annegret Hilse

Köhler war 2004 zum neunten Bundespräsidenten gewählt worden. Er folgte auf den Sozialdemokraten Johannes Rau. 2009 bestätigte die Bundesversammlung ihn im Amt. Die zweite Amtszeit endete jedoch abrupt und völlig überraschend durch den Rücktritt Köhlers mit sofortiger Wirkung – ein bis dahin einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik.

Staatsakt für Bundespräsident a.D. Horst Köhler
Mit einem großen Ehrengeleit würdigte die Bundeswehr de verstorbenen Bundespräsidenten.© DPA Images | Michael Kappeler

Mit dpa