Die Friedrich-Bergius-Schule im Ortsteil Friedenau (Bezirk Tempelhof-Schöneberg) ist wegen Gewaltproblemen in die Schlagzeilen geraten. Nun stand an der Sekundarschule ein personeller Wechsel an. Die Direktorin Andrea Mehrländer musste ihren Platz räumen. Seit Freitag ist der neue kommissarische Schulleiter Engin Çatik im Dienst, der bereits die benachbarte Johanna-Eck-Schule seit 2020 erfolgreich aus der Krise geführt hat.

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Die bisherige Bergius-Schulleiterin wurde „aufgrund von fachlichen Entscheidungen freigestellt“, erklärte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) am Donnerstag im Fachausschuss des Abgeordnetenhauses. Mehrländer musste kurz vor dem Ende ihrer zweijährigen Probezeit gehen.

Sie erfuhr am Mittwochabend von ihrem Rauswurf. „Ich habe einfach nur gesagt bekommen: Ich dürfte am Donnerstag mein Büro ausräumen“, erklärte sie der BZ. „Diese Schule ist wirklich mein Herzensprojekt! Aber der Senat meinte, eine Schulleitung mit Herzblut brauchen sie nicht“, fügte sie an. Und weiter: „50 Leute haben diesen Brandbrief unterschrieben, aber ist natürlich immer das leichteste, einfach die Leitung herauszuschmeißen.“ Jetzt ist sie freigestellt, weiß nicht genau, wie es für sie weitergehen wird.

Im vergangenen Dezember gab es den ersten Brandbrief. In dem siebenseitigen Schreiben des gesamten Kollegiums wurden Missstände angeprangert. Anfang Januar kam die nächste Beschwerde: Gesamtelternsprecher Andreas Thewalt schrieb an Schulsenatorin Günther-Wünsch, dass sich nichts geändert habe. Ein Angebot für Supervision und für schulpsychologische Beratungstermine in der Schule gab es, es wurde aber nicht in Anspruch genommen.

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Schülerinnen und Schüler: „Wir finden es traurig, dass Sie gehen müssen“

Mehrländer berichtete weiter, dass eigentlich geplant gewesen sei, dass sie sich von den Schülerinnen und Schülern verabschiede. Doch dazu sei es nicht gekommen. Dafür hätte sie an diesem Tag keine Zeit mehr. Daraufhin gab es an ihrem letzten Tag, am Donnerstagmorgen, nur ein Treffen mit Lehrerinnen und Lehrern – auch Elternsprecher Thewalt war anwesend.

„Es sind im Kollegium einige Tränen geflossen“, sagte er. Einige Lehrer und Schüler hätten auch Blumen überreicht. Eine zehnte Klasse übergab der scheidenden Schulleiterin auch einen Brief: „Wir finden es traurig, dass Sie gehen müssen. Sie waren eine nette Schulleiterin. Sie haben sich um uns gekümmert und uns zugehört. Auch wenn Sie schwierige Zeiten hatten, haben Sie uns geholfen. Es tut uns leid, dass es so gekommen ist. Wir wünschen Ihnen alles Gute. Geben Sie niemals auf“, schrieb die Klasse nach Angaben des Elternsprechers.

Elternsprecher Thewalt äußerte heftige Kritik an der Absetzung der bisherigen Schulleiterin. Die Schüler hätten bereits angekündigt, Unterschriften zu sammeln, damit die Schulleiterin bleiben könne. „Ich kann es nicht fassen, dass man so mit einem Menschen umgeht“, sagt Thewalt. „Das ist einfach unterirdisch.“ Für kommenden Dienstag hat Thewalt die gesamte Elternschaft, das Schülerparlament sowie abermals Vertreter von Schulaufsicht und Bezirk zu einem Infoabend eingeladen. „Daran halte ich jetzt auch fest“, sagte er, „wir haben viele Fragen an den neuen Schulleiter und wollen wissen, wie es weitergeht.“

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Das war alles an der Bergius-Schule passiert

Im November war die Situation an der Bergius-Schule eskaliert. Damals berichtete das Kollegium von Problemen mit aggressiven, gewaltbereiten und bildungsfernen Schülern, die zum Teil kein Deutsch sprächen und zuvor noch nie eine Schule besucht hätten. Es gebe eine „bedrohliche Gewaltbereitschaft und verbale Übergriffe“ vor allem der männlichen Schüler, hieß es in dem Schreiben.

Vor rund einer Woche gab es dann einen weiteren Vorfall mit gewaltbereiten Schülern im Umfeld. Nach einer „Jagd“ auf einen Schüler der Bergius-Schule, für die Jugendliche anderer Schulen verantwortlich sein sollen, musste die Polizei zu einem größeren Einsatz anrücken. Die Schulleitung berichtete auch von einem eingegangenen Drohbrief auf Arabisch. Anschließend stand die Schule tagelang unter Polizeischutz. 

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