Engelhard Mazanke blickte am Mittwoch in die strahlenden Gesichter vieler zufriedener Kunden. „Kunden“ nennt der Direktor des Landesamts für Einwanderung (Lea) die berechtigten Antragssteller, die in Berlin zu Tausenden auf eine Einbürgerung als deutsche Staatsbürger warten. Und die diese Staatsbürgerschaft nun, ein knappes Jahr nach der Schaffung der zentralen Einbürgerungsstelle in Wedding durch die schwarz-rote Regierungskoalition, schneller erhalten als jemals zuvor.

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„Wir sind zuversichtlich, in diesem Jahr 40.000 Menschen einbürgern zu können“, kündigte Mazanke an. Das wären 3500 pro Monat. Dadurch sei man 2026 endlich in der Lage, alle alten Vorgänge mehr oder weniger abgearbeitet zu haben. Schätzungsweise 250.000 Menschen ohne deutschen Pass erfüllen in Berlin derzeit die Vorraussetzungen, um Deutsche zu werden.

Knapp 3500 Einbürgerungen pro Monat

Die 40.000 sind dabei eine Hausnummer, die das Doppelte dessen bedeutet, was sich der Senat einst vorgenommen hatte: 20.000 neue Staatsbürger sollten es einmal pro Jahr werden, zuvor waren es im Schnitt 6500. Diese Marke wurde allerdings bereits im ersten Jahr der neuen Behörde geknackt. „Bis Dezember 2024 wurden 21.820 Anträge positiv beschieden“, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) stolz. Die Senatorin war zum Jahrestag mit SPD-Fraktionschef Raed Saleh vor Ort, um den Erfolg des bereits von der rot-grün-roten Vorgängerregierung angestoßenen Projekts zu feiern. Und in diesem Sinne - auch vor dem Hintergrund der laufenden Verwaltungsreform - ein Loblied auf die Zentralisierung zu singen.

Denn: Bis zum 1. Januar 2024 waren noch die Bezirke für Einbürgerungen zuständig - mit sehr unterschiedlicher Arbeitsmoral. In einigen Fällen dauerten Verfahren bis zu zwei Jahre. Das sollte sich durch die zentrale Stelle mit ihren 200 festen Mitarbeitern ändern, von drei bis sechs Monaten Wartezeit war die Rede.

40.000 offene Verfahren digitalisiert

PK Einbürgerungsstelle
Der SPD-Abgeordnete Orkan Özdemir, Innensenatorin Iris Spranger (SPD), Fraktionschef Raed Saleh (SPD) und der Direktor der Berliner Einbürgerungsstelle Engelhard Mazanke am Mittwoch in der zentralen Einbürgerungsstelle in Wedding. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

40.000 offene Verfahren aus den Bezirken habe man hierfür digitalisieren müssen, erklärte Mazanke, hinzu seien im Laufe des vergangenen Jahres noch einmal 43.000 neue Anträge über die eingeführte Online-Antragsstellung gekommen. Neben der umfassenden Digitalsierung habe auch die Aufstockung des Personals und die Vereinheitlichung der Arbeitsprozesse und Ausbildung dazu geführt, die Vorgehensweise zu beschleunigen. Allerdings sei es ihm nicht möglich, zu sagen, wie viele Antragsteller in diesen Zahlen doppelt auftauchen würden, gab Mazanke auf Nachfrage zu.

SPD-Fraktionschef Saleh lobte indes das Erreichte, das durch das Staatsangehörigkeitsgesetz der Ampelkoalition noch einmal an Fahrt aufgenommen hatte, ausdrücklich als Ausdruck des „modernen Staatsbürgerschaftsbegriffs einer modernen Einwanderungsgesellschaft“. Dadurch könnten Menschen, die sich schon lange als Teil dieses Landes fühlten, endlich politisch mitentscheiden, so der gebürtige Palästinenser.

Auch IHK-Vizepräsidentin Nicole Korset-Ristic freute sich über die Beschleunigung der Verfahren. „Eine moderne und effiziente Willkommenskultur ist ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Attraktivität Berlins“, teilte Korset-Ristic mit. „Die Einführung der zentralen Einwanderungsstelle hat eindrucksvoll gezeigt, welche Bedeutung digitale Prozesse für eine solche Struktur haben.“ Dieser Erfolg sollte als Vorbild für die Digitalisierung weiterer Verwaltungsprozesse in Berlin dienen, sagte sie: „Nur durch konsequente Modernisierung wird die Hauptstadt ihre Position als wettbewerbsfähiger und zukunftsfähiger Wirtschaftsstandort im globalen Kontext sichern und ausbauen können.“

System führt auch zu Ungerechtigkeiten

In den hellen Fluren der Einbürgerungsstelle in Wedding zeigte man sich dem Medienrummel am Mittwoch gegenüber aufgeschlossen. Die Venezolanerin Maria Fernandez Bracao freute sich auf ihre an diesem Tag anstehende Einbürgerung. „Ich bin auch ein bisschen aufgeregt“, gab die Softwarentwicklerin zu, die seit 2017 in Deutschland lebt und erst am 1. April 2024 ihren Antrag auf Einbürgerung gestellt hatte. Vor etwa acht Monaten also.

„Erst im Juni einen Antrag gestellt und schon zur Einbürgerung“, frohlockte Innensenatorin Spranger zeitgleich am anderen Ende des Warteraums gegenüber einer brasilianischen Lehrerin. Das neue System führt allerdings auch zu Ungerechtigkeiten. Es könne sein, dass jemand, der den Antrag in diesem Jahr gestellt habe, schneller rankomme als jemand, der schon seit Jahren warte, so Behördenchef Mazanke.