Millionen Syrerinnen und Syrer sind seit 2011 auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Jetzt bejubeln sie in Berlin den Sturzdes Diktators Baschar al Assad in ihrem Heimatland und dessen Flucht. Auf dem Oranienplatz in Kreuzberg feiern Tausende Menschen am frühen Sonntagnachmittag ausgelassen und laut die Revolution in Syrien. Die Straßen rund um den Platz sind blockiert, während Autofahrer ihre Fahrzeuge mit syrischen Fahnen geschmückt haben und Hupkonzerte ertönen. Immer wieder werden auch Böller gezündet. Bereits in der Nacht atten hunderte Syrer auf der Sonnenallee in Neukölln den Umsturz in ihrem Land gefeiert.

Syriendemonstration
Freiheit, Demokratie: Demonstranten halten Schilder hoch.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

5000 Menschen feiern in Kreuzberg den Sturz des Diktators

Nach Schätzungen der Polizei versammelten sich am Sonntagnachmittag etwa 5000 Personen auf dem Oranienplatz in Kreuzberg. Menschen aller Altersgruppen kamen zusammen und verwandelten den Oranienplatz in ein Fahnenmeer. Syrische Flaggen wehten an Autos, Kinderwagen und Fahrräder.

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Menschen feiern auf dem Oranienplatz den Sturz von Assad.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Und aus der angemeldeten Kundgebung sollte am späten Nachmittag dann noch ein Aufzug werden. Der Veranstaltungsleiter hatte mit der Polizei abgesprochen, dass die Menschenmenge vom Oranienplatz über die Skalitzer Straße in Richtung Oberbaumbrücke laufen werde. Am späten Nachmittag dann erreichten die feiernden Syrer die Oberbaumbrücke. Wie ein Polizeisprecher sagte, sei das der Wunsch des Veranstalters gewesen. Auf der Brücke endete die Demonstration. Bis dahin verlief sie friedlich und störungsfrei.

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Eine Frau schwenkt während der Feier eine syrische Fahne.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Syrer wünschen sich Demokratie und den Aufbau des Landes

Ursprünglich sollte auch nicht der Sturz des Diktators gefeiert werden. Denn die Versammlung wurde bereits vor drei Tagen unter dem Motto „Solidarität mit der Revolution“ bei der Versammlungsbehörde mit 400 Teilnehmenden angemeldet. Doch dann kam der unerwartete Umsturz in dem Land, aus dem Zehntausende geflohen waren, auch nach Berlin.

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Die Kundgebung blieb bis zum Schluss friedlich.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

„Ich wünsche mir und erwarte, dass unser Land jetzt endlich zur Ruhe kommt, politisch stabil wird und demokratisch regiert wird“, sagt Ghait Zarour bei der Demo. Nur so könne man mit dem Aufbau beginnen. „Es liegt alles in Trümmern. Wir brauchen Schulen, Krankenhäuser, Wohnungen und natürlich auch das Wissen von Fachleuten.“ Zarour berichtet, wie er vor 13 Jahren im letzten Semester Medizin an der Universität in Homs studiert habe. „Ich bin dann nach Deutschland geflohen, habe hier fertig studiert. Mein Bruder und ich sind Augenärzte.“

Wenn für ihn absehbar sei, dass sich die Lage in Syrien stabilisiere und sicher sei, könne er sich vorstellen, mit seiner Expertise zeitweise beim Aufbau in Syrien dabei zu sein.

Ähnlich sieht es Nouraldin Kazlbash. Gemeinsam mit Freunden feiert er lautstark auf dem Oranienplatz. „Jetzt gehört das Land endlich wieder uns“, sagt er freudestrahlend. „Egal ob Christen, Juden oder Muslime, ich wünsche mir, dass alle gemeinsam friedlich nebeneinander in Syrien leben können“, sagt er. Darüber, dass jetzt andere Gruppierungen um die Macht im Land kämpfen könnten, möchte er sich keine Gedanken machen. „Heute ist ein Tag zum Feiern und fröhlich sein.“

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Der 21-Jährige ist vor neun Jahren nach Deutschland gekommen und lebt seit einem Jahr in Berlin. Hier hat er auch einen Ausbildungsplatz zum Kfz-Mechatroniker. Seine Familie in Syrien hat er seit neun Jahren nicht gesehen. „Wenn das möglich ist, möchte ich sie so schnell wie möglich besuchen.“

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