Sie redet Klartext: Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Balci kritisiert in einem Interview mit der Zeitung „Welt“ die unhaltbaren Zustände in dem Berliner Bezirk und rechnet zudem mit der Flüchtlingspolitik der Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab.

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„Heute sagen mir Leute offen, dass sie ihre Kinder nicht mehr an Schulen in Neukölln anmelden wollen“, so die 49-Jährige. „Die Zahlen sind auch deutlich. In Berlin hat die homophobe, antisemitische und frauenverachtende Gewalt zugenommen in muslimischen Nachbarschaften. Und mit Sicherheit kann man das auch von anderen Orten sagen.“
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Neuköllns Integrationsbeauftragte kritisiert Angela Merkel
Dafür macht die Integrationsbeauftragte Angela Merkel verantwortlich. „Unsere ehemalige Kanzlerin (...) hat nie erkannt, dass Migranten nicht Streichel-Ausländer sind, sondern auf Augenhöhe mit ihr, und man genauso damit umgehen muss.“
Laut Balci sei eine Politik betrieben worden mit einem „Rassismus der niedrigen Erwartung“. „Merkel hatte einen Blick auf Migration, der zeigt, dass sie überhaupt keine tatsächlichen Erfahrungswerte hat – ihre Erfahrungswerte reduzieren sich aufs Akademische“, erklärte die Integrationsbeauftragte.
Doch man könne Einwanderung nicht einfach so laufen lassen. „Du kannst nicht einfach deine Tür aufmachen zu Hause und sagen: Dann kommt mal alle rein. Sucht euch mal einen Platz, es wird schon irgendwie laufen (...)“, so Balci. „Genau so funktioniert bei uns doch Einwanderung. Wenn man aber möchte, dass eine Gesellschaft möglichst gewaltfrei ist und möglichst großen Spielraum für die individuelle Freiheit des Einzelnen ermöglicht, musst du sie managen.“

Balci: Geflüchtete sind teilweise schockiert
Gleichzeitig seien seit 2015 auch viele Menschen nach Deutschland gekommen, „die ganz klar das muslimisch reaktionäre Weltbild ablehnen und in den Unterkünften sitzen und sich fragen: Was passiert hier eigentlich gerade?“. Syrer, Afghanen und Kurden seien teilweise schockiert. Sie beschweren sich immer wieder über Islamisten: „Ihr lasst denen hier einen zu großen Spielraum. Wir sind aus Ländern geflohen, weil wir genau das nicht wollten.“
Balci ist gebürtige Berlinerin, sie wuchs in Neukölln auf. Ihre Eltern kamen in den 60er-Jahren aus der Türkei als Gastarbeiter nach Deutschland. Die 49-Jährige arbeitete als Sozialarbeiterin im Rollbergviertel und schrieb Bücher, drehte Dokumentarfilme und Reportagen. Seit 2020 ist sie Integrationsbeauftragte von Neukölln.
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