Das sind Dimensionen: Der Richtkranz an dem Holzträger an der Decke erscheint winzig klein, genau wie der blaue Bagger, der darunter steht. In der gigantischen Halle, die eher an einen Hangar erinnert, verhallen die Worte von Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem in den breiten Gängen und offenen Schluchten. Dort, wo auch Flugzeuge Platz hätten, werden schon bald graue Riesen einziehen. In zwei Jahren soll im Tierpark Berlin Europas größtes und modernstes Elefantenhaus fertig sein. Der Rohbau steht, die Dachkonstruktion ist fertig, das Haus hat Form angenommen: Am Donnerstag konnte im Tierpark Richtfest gefeiert werden.

Der letzte DDR-Bau im Tierpark hatte die „Haptik eines Bunkers“

Es ist ein ganz besonderes Gebäude, das fängt bei seiner Geschichte an. Das ehemalige Dickhäuterhaus wurde 1989 eröffnet, es war der letzte DDR-Bau im Tierpark. Viel Beton, kaum Licht, und wenig Platz für die Tiere, so beschreibt es Andreas Knieriem. „Das Haus hatte die Haptik eines Bunkers“, erinnert sich der Direktor. Einfachverglasung, veraltete Heizungen und die nicht mehr artgerechte Haltung ließen die Umbaupläne über Jahre reifen.

Mit den Plänen für eine Neuordnung des Tierparks in einen Geo-Zoo, in dem die Tiere so wie in der Natur in ihren Regionen zusammenleben, entstand auch die Idee einer Savannenlandschaft für Giraffen, Zebras, Antilopen und Elefanten. Doch während die Giraffen ihr neues Zuhause bereits im Mai 2023 bezogen haben und an diesem verregneten Tag neugierig die vielen Menschen auf der benachbarten Baustelle betrachten, müssen die Dickhäuter noch auf ihr Revier warten.

Richtfest für das neue Elefantenhaus
Der Richtkranz hängt an einem Schichtholzträger hoch oben in der Halle.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Ursprünglich sollten Giraffen und Elefanten zusammen die Savannenlandschaft beziehen. Gleich mehrere Probleme führten nach Auskunft von Knieriem zu der Verzögerung: Ausgelöst durch die Corona-Pandemie kam es zu Lieferschwierigkeiten und Materialengpässen, beauftragte Firmen gingen Pleite oder führten die Arbeiten nicht richtig aus. Verträge wurden aufgelöst, neue Unternehmen mussten gesucht werden.

Jedes Gebäude in einem Zoo ist ein Prototyp

„Viele unterschätzen, dass Zoos komplexe Liegenschaften sind“, sagt Knieriem. Jedes Gebäude sei ein Prototyp. Zudem sei das Bauen im Bestand sehr kompliziert, weil man nie wisse, was man vorfindet. So mussten auch Schadstoffe, wie Asbest, entsorgt werden. Das alles hat schließlich nicht nur zu einer Verzögerung der Bauzeit geführt – im Moment wird mit einer Fertigstellung im Jahr 2026 gerechnet.

Kosten sind um 16,5 Millionen Euro auf 52 Millionen Euro gestiegen

Es hat auch die Baukosten in die Höhe getrieben. Die zunächst veranschlagten 35,4 Millionen Euro für den Umbau und die Modernisierung des Elefantenhauses stiegen schließlich um 16,5 Millionen Euro auf knapp 52 Millionen Euro. Finanziert wird das Projekt zu 90 Prozent aus Mitteln für die Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW), zehn Prozent steuert der Tierpark als Eigenanteil dazu.

Richtfest für das neue Elefantenhaus
Diese Pfähle begrenzen an einer Stelle die Außenanlage der Elefanten, Gräben und Glas gibt es nicht mehr.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Im September 2020 sind die zehn Elefanten ausgezogen, damit der Rückbau beginnen konnte. Zwei sind in einem Zoo in Augsburg untergekommen, drei in Kronberg sowie in Halle, fünf haben im Leipziger Zoo ein neues Zuhause gefunden. Die Tiere haben ein Gehege verlassen, das es so nie wieder geben wird, weil es nicht mehr der modernen Haltung entspricht. Dafür steht allein die Tatsache, dass der Platz in dem ehemaligen Dickhäuterhaus zu zwei Dritteln von den Besuchern genutzt wurde. Die Elefanten mussten sich auf die kleinere Restfläche beschränken.

Mehr Platz für die Tiere, weniger für Menschen

Für Andreas Knieriem ist das heute undenkbar. Bei den Umbauplänen war seine oberste Devise: Mehr Platz für die Tiere, weniger für Menschen. Bis zu 15 Afrikanische Elefanten werden künftig im Tierpark leben. „Wir wollen ihnen einen Ersatzlebensraum bieten“, so Knieriem. Dafür bekommen die Elefanten auf der weitläufigen Savannenlandschaft eine Anlage von 16.300 Quadratmetern – das entspricht der Größte von zwei Fußballfeldern.

Richtfest für das neue Elefantenhaus
Blick in das Innere des Elefantenhaus, das jetzt noch ausgebaut werden muss. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Allein 3500 Quadratmeter umfasst der Innenbereich des insgesamt 7000 Quadratmeter großen Elefantenhauses, der völlig neu gedacht wurde. Im Mittelpunkt steht ausreichend Raum, den die Tiere allein beanspruchen können. „Wir sollten uns möglichst viel raushalten aus dem Geschehen“, erläutert Knieriem. Die Zeiten, in denen es einen direkten Kontakt gab, „und der kleine Mensch neben dem großen Elefanten stand“, seien vorbei.

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Heute gibt es das Konzept des geschützten Kontaktes, zwischen Pflegeteam und Elefanten besteht immer eine räumliche Trennung. So bewegen sich die Pfleger in dem neuen Haus über Laufgänge. „Jede Interaktion mit dem Menschen beruht auf der Freiwilligkeit der Tiere“, erläutert Knieriem das Prinzip.

Richtfest für das neue Elefantenhaus
Der dicke runde Turm wird der Kern eines künstlichen Felsens werden.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Wie im natürlichen Lebensraum müssen sich die Elefanten ihr Futter suchen oder „erarbeiten“. Der Innenbereich ist so angelegt, dass Platz für verschiedene Gruppen ist: Familienverbände mit Leitkuh, Junggesellengruppen oder einzelne Bullen. Diese können auch auf der Anlage rotieren, „und mal bei den anderen schnüffeln.“ Vor allem aber wird das neue Foliendach für mehr Licht und Vitamin D im Winter sorgen.

Nach dem Richtfest beginnt jetzt der Innenausbau und die technische Ausstattung. Kunstfelsen, Pflanzen, Badebecken vollenden das Gelände, auf das künftig Dickhäuter aus verschiedenen europäischen Zoos einziehen. „Am besten ist, wenn sich die Tiere schon von vorher kennen“, sagt Knieriem. Vielleicht taucht ja ein altbekannter Elefant wieder auf.