Es ist nicht einfach, der Trompete einen Ton zu entlocken. Doch Frederick schafft es überraschend gut. Ein kräftiger Laut durchdringt den Saal, bevor sich der Fünftklässler zurück in den Kreis der anderen setzt. Für ihn ist es ein bisschen wie ein Heimspiel. Knapp einen Monat hat er bereits Trompete gespielt und sich dann doch für das Klavier und das Schlagzeug entschieden. Jetzt kann er nochmal zeigen, was er in dem einen Monat gelernt hat.

Klingendes Museum
Frederick spielt Klavier und Schlagzeug, die Trompete hat er auch schon ausprobiert.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Seine Mitschüler, die noch nie ein Instrument in der Hand hatten, brauchen noch ein paar Hinweise für den Umgang mit der Trompete. Für das Spielen von Blechblasinstrumenten sei eine gute Gesichtsmuskulatur wichtig, erklärt Musikpädagogin Sahrin Rezai. Hohe Töne entstünden, wenn die Lippen angespannt, tiefe Töne, wenn sie locker sind. Die Kinder versuchen es erneut. Zusammen erreichen sie am Ende fast Orchesterlautstärke.

Alle wollen als erste den Kontrabass ausprobieren

Oben im Foyer darf Mascha als erste einen Kontrabass ausprobieren. Hier steht Musikpädagoge Holger Saarmann zur Seite und erläutert, dass der Ton kräftiger werde, je langsamer der Bogen gestrichen wird. Laura kommt dazu und drückt mit ihren Fingern die Saiten, „denn so können die Töne verändert werden“, sagt Saarmann.

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Am Kontrabass erklärt Musikpädagoge Holger Saarmann, wie die Töne entstehen und verändert werden können.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Ob unten im Saal bei Pianistin, Songwriterin und Jazz-Sängerin Sahrin Rezai oder oben bei Holger Saarmann, der auch Sänger, Liedermacher und Gitarrist ist: Nach und nach lernen die Kinder die Instrumente kennen, sie steigen ein in die verschiedenen Musikrichtungen und schon bald bringen sie beide Räume zum Klingen.

Das erklärt schließlich auch den Namen. Die Kinder der fünften Klasse sind an diesem Morgen zu Besuch im „Klingenden Museum Berlin“ in der Behmstraße 13 in Gesundbrunnen. Drei Tage standen im Gymnasium Steglitz Forschertage auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler hätten sich nach Interesse entscheiden können, ob sie zum Beispiel lieber in die Projektgruppe für Naturwissenschaften oder Musik wollten, sagt Dirk Schröder, Lehrer für Musik und Geschichte.

Er hatte die Gruppe von 17 Kindern bereits auf den Besuch eingestimmt. Sprechkanon und Bodypercussion, also das Erzeugen von Lauten mit dem Körper, standen am Tag zuvor auf dem Programm. An diesem Tag sollten sie die verschiedenen Instrumente kennenlernen und am dritten gemeinsam in der Klasse musizieren.

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Dafür bot der Besuch im Klingenden Museum die besten Voraussetzungen. Musik zum Anfassen, Ausprobieren und Erleben – das ist das Motto des Museums. Ziel ist es, möglichst viele Kinder und Erwachsene mit Musikinstrumenten und dem Musizieren in Berührung zu bringen – oftmals zum allerersten Mal. „Wir haben hier alle relevanten Orchesterinstrumente“, erläutert der Geschäftsführer René Gruschinski. Die dürften nicht nur in die Hand genommen werden. Jeder sollte auch versuchen, einen Ton herauszukriegen.

Museum will keine Volkhochschule und auch keine Musikschule sein

„Dabei passt keiner auf, ob jeder Finger richtig ist“, sagt Gruschinski. Das Museum sei keine Volkshochschule oder Musikschule. Besonders viel Spaß hätten die Kinder meistens im Percussion-Kreis mit den Trommeln, viele Mädchen interessierten sich zudem für die Geigen. Häufig gebe es Rückmeldungen von Eltern, die berichten, dass ihr Kind nach dem Besuch mit dem Erlernen von Klarinette oder der Geige angefangen habe.

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Geschäftsführer René Gruschinski vor dem „Klingendem Mobil“, das 50 Instrumente an Bord hat. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Neben Workshops, Kindergeburtstagen und zahlreichen Veranstaltungen, die im Museum stattfinden, gibt es noch ein ganz besonderes Angebot. Mit dem „Klingenden Mobil“ kommen die Musikpädagogen auch in Kitas, Schulen und soziale Einrichtungen. Für die Musik auf Rädern steht gerade ein neuer Transporter vor der Tür. Berliner helfen e.V., der Verein der Berliner Morgenpost, hat unter anderen die Anschaffung des neuen Klingenden Mobils mit einer Spende unterstützt.

Mit dem „Klingenden Mobil“ geht es in Schulen, Bibliotheken und zu Veranstaltungen

Mit 50 Musikinstrumenten an Bord tourt der Transporter kreuz und quer durch Berlin und Umgebung. Die Programme richten sich insbesondere an Grundschulklassen, Hortgruppen sowie Oberschulklassen. Die Musikpädagogen kommen mit dem Instrumenten-Fahrzeug aber auch in Bibliotheken oder Konzerthäuser. „Wir waren zum Beispiel bei der Spielzeiteröffnung der Deutschen Oper dabei“, erzählt Geschäftsführer René Gruschinski. Nach dem Konzert hätten die Besucher die Instrumente ausprobieren können. Aber auch Krankenstationen, Frauenhäuser und Flüchtlingsunterkünfte werden mit dem Klingenden Mobil angefahren.

Vor Ort im Museum dauert der Workshop drei Stunden an diesem Vormittag. Bevor die Schüler angekommen sind, hatte Ole Blumenthal alles vorbereitet. Er ist in der 10. Klasse und Schülerpraktikant, Klavierspielen ist sein großes Hobby. Unten Im Saal hat er die Blechblasinstrumenten und den Percussions-Kreis aufgebaut, oben im Foyer die Streich- und Zupfinstrumente sowie die Holzbläser vorbereitet. Das bedeutete, alle zu stimmen, zu reinigen und zusammenzubauen.

Die Kinder vom Gymnasium Steglitz werden in zwei Gruppen eingeteilt

Die Fünftklässler vom Gymnasium Steglitz wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine begann im Saal, die andere im Foyer, nach der Pause wurde gewechselt. Während im Saal neben den Trompeten und Trommeln, auch Hörner, Tuba und Posaune ausprobiert werden, lernen die Kinder im Foyer die Familie der Streicher kennen. „Der Vater ist wegen der tiefsten Stimme der Kontrabass, die Mutter ist das Cello, die Töchter sind Bratsche und Geige“, erklärt Holger Saarmann.

Er führt die Kinder in die Geheimnisse ein, wie ein Ton entsteht. „Kann man Töne sehen?“, fragt er in die Runde und zeigt es, indem er die Saiten zum Schwingen bringt. Er stellt ihnen schließlich auch die Ukulele vor, “ein wunderbares kleines Reise-Instrument, gut für Country-Musik“, erklärt er. Auch die ist einigen Kindern schon bekannt. „Wir haben eine Ukulele zu Hause“, berichtet Mascha. Da holt der Musikpädagoge die Harfe hervor und zeigt, wie sie gezupft wird. Leitersprosse für Leitersprosse, mit Daumen und Zeigefinger. Der märchenhaften Klang verzaubert. Wer weiß, vielleicht will im Anschluss jemand das Spielen der Harfe erlernen.

Informationen zum „Klingenden Museum“

Gegründet wurde das Klingende Museum vom Dirigenten Gerd Albrecht (1935-2014), der zu seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper den weltweit ersten Ort geschaffen hat, an dem Kinder und Jugendliche Instrumente ausprobieren und spielen können: Das Klingende Museum Hamburg, welches später in die Elbphilharmonie integriert wurde.

Da die Töchter von Gerd Albrecht in Berlin lebten, entstand die Idee, auch dort ein Klingendes Museum zu etablieren. So wurde 2002 mit einer Gruppe Ehrenamtlicher der Verein „Das Klingende Museum in Berlin e.V.“ gegründet. Das Klingende Museum nahm seinen Betrieb auf, zunächst ab 2004 mobil, ab 2006 auch mit einem festen Standort nahe des Bahnhofs Gesundbrunnen.

Etwa 30.000 Menschen pro Jahr nutzen derzeit die Angebote des Klingenden Museums, das vom gemeinnützigen Verein „Das Klingende Museum in Berlin e.V.“ getragen und von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa mitfinanziert wird. Es ist zusätzlich auf private Unterstützung von Spendern und Sponsoren angewiesen.

Kontakt: Das Klingende Museum, Behmstraße 13, 13357 Berlin
Montag bis Freitag 10-16 Uhr, Telefon: 030 36466223, info@klingendes-museum-berlin.de