Fast sah es so aus, als ob Berlin nach der Absage des Staatsbesuchs von US-Präsident Joe Biden Sicherheitsvorkehrungen und Verkehrsbeeinträchtigungen erspart bleiben würden. Wie die „Bild“-Zeitung zuerst berichtete, wird nun aber stattdessen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag in die deutsche Hauptstadt reisen. Das wurde der Berliner Morgenpost aus Sicherheitskreisen bestätigt. Der Staatschef der von Russland überfallenen Ukraine, welche nun bereits seit über zwei Jahren um ihr Überleben kämpft, will hier Kanzler Olaf Scholz (SPD) seinen sogenannten Siegesplan vorstellen. Außerdem ist ein Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Schloss Bellevue geplant, wo sich Selenskyj in das Goldene Buch eintragen will.

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Selenskyj hatte seinen Plan zunächst vor zwei Wochen mit US-Präsident Biden in New York besprochen. Die Strategie dahinter ist, Russland militärisch so unter Druck zu setzen, dass Wladimir Putin an den Verhandlungstisch gezwungen wird. Selenskyj befindet sich gerade auf einer Art Europatour, weswegen er aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht in Berlin übernachten wird. Für die Berliner Polizei bedeutet sein Besuch trotzdem einen enormen Aufwand. Wie der US-Präsident fällt auch Selenskyj als Feindbild Russlands unter die Sicherheitsstufe 0, ist also besonders durch Attentate und Anschläge bedroht. Das bedeutet: verplombte Gullydeckel, Sprengstoffspürhunde, Luftraumüberwachung, Scharfschützen auf Dächern sowie eine enge sicherheitsstrategische Begleitung des Staatsgastes.

Unterstützung aus anderen Bundesländern gefordert

„Wir haben ehrlich gesagt damit gerechnet, dass die Absage des US-Präsidenten jetzt nicht dafür sorgt, dass unsere Kollegen mal zum Durchatmen kommen“, sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. Dass mit Selenskyi nun auch jemand mit der höchstdenkbaren Gefährdungsstufe zu Besuch komme, sorge natürlich für das ganz große Besteck an Sicherheitsmaßnahmen, für die alle verfügbaren Menschen in den Dienst geholt werden müssten. „Berlins Polizei ist erfahren genug, um den Besuch professionell über die Bühne zu bringen, selbst wenn man dafür so gut wie keine Vorbereitungszeit hat“, so Jendro weiter. „Klar ist aber auch, dass wir da schon reichlich Unterstützungskräfte aus Bund und Länder erwarten.“ 2000 Einsatzkräfte, das aufzufahrende Maximum Berlins, wird als nicht genug für den Besuch angesehen.