Mit dem Start des Wintersemesters kehrt das Leben in die Berliner Mensen zurück. Hier erhalten Studierende und Mitarbeitende vergünstigte Mahlzeiten, doch auch externe Gäste sind jederzeit herzlich willkommen. Allerdings genießen die Großküchen keinen besonders guten Ruf. Unser Autor hat die Aktionsgerichte der Mensen von vier großen Universitäten und der Charité getestet, um herauszufinden, ob der schlechte Ruf gerechtfertigt ist.

Humboldt-Universität/Charité: Mensa HU Nord

Käse aus den Niederlanden statt Parmesan
Käse aus den Niederlanden statt Parmesan© Vitus Studemund | Vitus Studemund

Untergebracht in einer alten Wäscherei, hat die „Mensa Nord“ mit ihrem orangenen Backstein einen besonderen Charme. Hier sieht man vor allem die Studenten der Humboldt-Universität und der Charité. Zum Essen bestellen wir die Dinkel-Fusilli mit Gouda, alternativ gibt es veganen Käseschmelz. Die Nährstoff- und Umweltampel, die bei jedem Gericht angezeigt wird, zeigt: An diesem Tag ist das die allerbeste Wahl. Trifft das auch auf den Geschmack zu? Dinkel statt Weizen und Gouda statt Parmesan – nach Pasta vom Italiener schmecken die Nudeln nur wenig. Unser Testesser findet sie aber trotzdem in Ordnung, ihm fällt in der Mensa außerdem die große Auswahl an Speisen auf kleiner Fläche positiv auf.

Testessen (vegetarisch, alternativ vegan): Hausgemachte Dinkel-Pasta mit Pilzsauce, geräuchertem Tofu und frischer Petersilie, dazu Goudakäse oder Käseschmelz | 3,70€ für Studenten, 4,10€ für Beschäftigte und 4,45€ für externe Besucher

Urteil: Essen 3/5 (in Ordnung) | Ambiente 3/5 (Backsteinbau charmant, Speisesaal sehr schlicht) | Ingesamt 6/10

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Technische Universität/Universität der Künste: Mensa TU Hardenbergstraße

Kann die Currywurst mit Pommes überzeugen?
Kann die Currywurst mit Pommes überzeugen?© Vitus Studemund | Vitus Studemund

„Kraftriegel der Arbeiterklasse“ nannte Altkanzler Gerhard Schröder einmal die Currywurst. In der Mensa TU Hardenbergstraße gibt es das Berliner Traditionsgericht auch für den Nachwuchs der Bourgeoisie. Das Angebot gehört zu den teuren, dafür gibt es aber Pommes und Coleslaw-Salat dazu. Der schmeckt unserem Testesser gut, vom Fleisch und den Fritten sollte man aber die Finger lassen. Die Wurst ist versalzen, die Pommes schmecken völlig fade. Nach Curry schmeckt die Sauce auch kaum, und der Marmorkuchen ist als Nachtisch zudem ziemlich trocken. Da wäre eines der Nudelgerichte die bessere Wahl gewesen, denn die unterschiedlichen Mensen haben meist ähnliche oder gleiche Angebote.

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Testessen (mit Fleisch): Currywurst mit Pommes frites und Coleslaw, dazu ein Stück Marmorkuchen | 8,20 für Studenten, 9,05€ für Beschäftigte und 9,85€ für externe Besucher.

Urteil: Essen 1/5 (schlecht) | Ambiente 3/5 (schick, aber selbst in der vorlesungsfreien Zeit zu laut) | Insgesamt 4/10

Freie Universität und andere: Food-Trucks

Der letzte Test: Pizza vom Foodtruck an der FU
Der letzte Test: Pizza vom Foodtruck an der FU© Vitus Studemund | Vitus Studemund

Zum Abschluss entdeckt unser Reporter dann eine echte Überraschung. Drei Foodtrucks des Studierendenwerks fahren täglich abwechselnd verschiedene Stationen an, darunter auch der Platz vor der Bibliothek Rechtswissenschaft der Freien Universität. Dort bestellt der Test-Esser eine Pizza mit Zucchini und Rucola sowie eine Cola. Die Pizza wird frisch gebacken und anschließend von Hand mit Rucola-Blättern belegt. Geschmacklich überzeugt das voll und ganz. Bei so gutem Essen fällt auch das kleine Angebot des Foodtrucks kaum ins Gewicht.

Montag bis Samstag

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Testessen (vegetarisch): Pizza mit Tomate, Zucchini und Rucola | 6,90 € für Studenten, 7,60 € für Beschäftigte und 8,30 € für externe Besucher zzgl. Pfand.

Urteil: Essen 5/5 (ausgezeichnet) | Ambiente 4/5 (bei schönem Wetter schön unter freiem Himmel) | Insgesamt 9/10

Fazit: Wem es nicht schmeckt, kann eigene Ideen einbringen

Nicht jedes Mensa-Gericht ist gleich ein Hochgenuss. Doch mit der Foodtruck-Pizza war bei unserem Test aber auch eine echte Überraschung dabei, die sich auch für externe Besucher lohnt (wichtig: vorher eine Bezahlkarte kaufen). Für Studenten ist die Mensa bekanntlich sowieso nicht nur ein Ort zum Essen, sondern auch für den Austausch mit Kommilitonen. Nicht nur bei schmalem Geldbeutel macht sich aber ein Blick auf die Angebote auf Getreide- und Gemüsebasis bezahlt. Die gibt es in allen Mensen, sind gesund und außerdem deutlich günstiger als die teuren Aktionsgerichte, die von unserem Reporter getestet wurden.

Warum sich die Mensen im Angebot aber nur wenig unterscheiden, erklärt ein Sprecher des zuständigen Studierendenwerks auf Anfrage der Morgenpost: „Das Angebot wird zentral für alle Mensen geplant. Der Speiseplan folgt einem Sechs-Wochen-Rhythmus. Die Zubereitung erfolgt nach festgelegten Rezepturen, die von unserer internen Produktentwicklung speziell für unsere Mensen erstellt wurden.“ Auch für neue Gerichte sei man grundsätzlich offen. „Sowohl Mensaleitungen als auch Studierende können Vorschläge einreichen, die dann von unserer Produktentwicklung geprüft und gegebenenfalls umgesetzt werden“, so der Sprecher des Studierendenwerks. Wem das Mensa-Angebot nicht gefällt, kann sich also mit eigenen Ideen einbringen.

Vitus Studemund