Wenn die Königliche Porzellan-Manufaktur zum Stiftungsfest einlädt, sagen nicht nur 90 Prozent der Gäste zu, sondern kommen auch tatsächlich. „Das ist in Berlin schon etwas Besonderes“, freute sich Gastgeber Jörg Woltmann, der 2009 die KPM kaufte und so vor der Insolvenz rettete.

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Nicht nur der amtierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU), sondern auch gleich zwei seiner Vorgänger von der SPD, Klaus Wowereit und Michael Müller waren zum Flying Dinner in die historische Ringkammerofenhalle auf dem Manufakturgelände in Tiergarten gekommen.
Kunstwerk auf dem Dachboden eines Altersheims wiedergefunden
Gefeiert wurde nicht nur der 261. Geburtstag der von Friedrich dem Großen gegründeten Porzellan-Manufaktur, sondern auch die Restaurierung des Fliesenwandgemäldes „Glory of Germania“. Das sechs mal fünf Meter große Porzellanbild wurde 1893 von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin für die Weltausstellung in Chicago angefertigt und war dort die Hauptattraktion des deutschen Pavillons.

Unter den Gästen, die das restaurierte Kunstwerk zum ersten Mal in Augenschein nehmen durften, waren Franz-Friedrich Prinz von Preußen, Ex-Kulturstaatssekretär André Schmitz, Vera Gäde-Butzlaff, Mitglied im Kuratorium der KPM-Stiftung, Börsen-Expertin Carola Ferstl, Tini Gräfin Rothkirch und Gerhard Schöningh, Eigentümer der Rennbahn Hoppegarten.
Germania als Beschützerin der Wissenschaft und Kunst
Das Porzellanbild zeigt die Allegorie der Germania als Schutzpatronin der Wissenschaft und Kunst, mit Persönlichkeiten wie Johannes Gutenberg, Albrecht Dürer, Gottfried Wilhelm Leibniz, aber auch Johann Friedrich Böttger, dem Erfinder des europäischen Porzellans und im Hintergrund den Kölner Dom. Gestaltet wurde das Werk von dem damaligen künstlerischen Leiter der KPM Berlin, Alexander Kips.

Nach der Weltausstellung 1893 ging das Porzellangemälde, das aus 1057 handbemalten Fliesen besteht, in den Besitz des Germania Clubs in Chicago über und schmückte dort den Ballsaal. „Nach der Auflösung des Clubs geriet das Bild in Vergessenheit, bis Professor Andress in Chicago anfing, nach dem Verbleib zu forschen und dabei Kontakt zur uns aufnahm“, berichtete Jörg Woltmann. Der in Berlin geborene Germanistik-Professor begab sich auf jahrelange Recherche, bevor er dann vor vier Jahren auf dem Dachboden eines Altersheims in Chicago die „Germania“ entdeckte - in Einzelteile zerlegt und verpackt in 23 Kisten.
Wandbild soll öffentlich zugänglich sein
Er entschloss sich, das wieder entdeckte Kunstwerk der Stiftung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin zu schenken. Dort wurde es in den vergangenen zwei Jahren sorgfältig restauriert und auf dem Stiftungsfest nun erstmals gezeigt. „Wir sind überaus dankbar, diese großzügige Schenkung erhalten zu haben. Ein Meilenstein für die Stiftung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin und ein Zeichen für die Deutsch-Amerikanische Freundschaft. Wir sind stolz, dass das einzigartige Wandgemälde nach 130 Jahren wieder seinen Weg nach Hause findet“, so Jörg Woltmann, der die Stiftung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin gegründet hat, um die KPM als Kulturgut für Berlin zu bewahren.
Die „Germania“ soll im Spätherbst dieses Jahres im Rahmen von Führungen auf dem Manufakturgelände für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Um die erforderlichen Mittel für Transport, Restaurierung und Ausstellungsraum zu decken, wurde von der Stiftung ein Patenschaftsprogramm ins Leben gerufen. Für 500 Euro können Porzellan-Liebhaber die Patenschaft für eine oder mehrere Fliesen übernehmen.
Nun muss noch ein würdiger Platz für das historische Porzellanbild gefunden werden. „Wir stehen in Verhandlungen. Ich finde, das Deutsche Historische Museum wäre sehr geeignet“, meinte Jörg Woltmann. Kai Wegner sicherte ihm Unterstützung zu und bedankte sich im Namen der Stadt Berlin: „Ohne Jörg Woltmann gäbe es die KPM nicht mehr.“
Im Innenhof des KPM-Manufakturgeländes in der Wegelystraße 1 in Tiergarten ist die „Germania“ jetzt schon als originalgroßes Foto zu sehen.





