Seit Jahren wächst Berlins Bevölkerung, bis 2040 werden laut Senatsprognose fast vier Millionen Menschen in der deutschen Hauptstadt leben. Der Bedarf an neuen Wohnungen, Schulen, Kitas, Gewerbe- und Kulturräumen ist entsprechend groß. In jedem der zwölf Bezirke drehen sich die Baukräne, doch was gebaut wird, stößt bei vielen Berlinerinnen und Berlinern nicht unbedingt auf Gegenliebe. Anwohner beklagen nicht nur den Verlust an Freiraum, sondern auch die oftmals gesichtslose Architektur, die unsere Stadt nicht unbedingt schöner macht. Doch wie soll gebaut werden, um das Wohnen, Leben und Arbeiten? Mit dem BDA Preis Berlin prämiert der Bund Deutscher Architekten (BDA) alle drei Jahre Bauwerke, die sich durch „hohe gestalterische Qualität, bewussten Umgang mit Ressourcen und Nachhaltigkeit, gesellschaftlichen Nutzen sowie soziale und kulturelle Relevanz“ auszeichnen.

Auswahl der Favoriten per Mausklick

In diesem Jahr ist es deshalb wieder so weit: 114 Bauwerke, die von Architektinnen und Architekten eingereicht wurden, wird eine Fachjury in diesem Jahr bewerten. Am Wettbewerb teilnehmen konnten Neu- und Umbauten aus den vergangenen fünf Jahren, die im Land Berlin realisiert und seit dem 1. Januar 2019 fertiggestellt wurden, beziehungsweise kurz vor der Vollendung stehen. Doch nicht nur die Jury, alle Architekturfans und am Bauen interessierte Menschen sind gefragt: Sie können ebenfalls ihre Favoriten unter den eingereichten Arbeiten wählen.
Die Projekte werden auf https://bda-preis-berlin.de/ mit Bildern, Zeichnungen und Erläuterungstexten in wechselnder, per Zufallsgenerator bestimmter Reihenfolge präsentiert. Es gibt natürlich auch eine Suchfunktion für das gezielte Auffinden einzelner Projekte. Die Abstimmung läuft vom 11. September bis 20. Oktober 2024. Für den Publikumspreis können pro Person jeweils bis zu drei Bauten vorgeschlagen werden. Bis zu drei Projekte, die bis zum 20. Oktober 2024 die meisten Stimmen erhalten, werden ausgezeichnet.

Die Berliner Morgenpost wird während des Abstimmungszeitraums noch einmal zur Abstimmung aufrufen und dabei erneut einige der Wettbewerbsbeiträge vorstellen. Aufgrund der Vielzahl der Beiträge können wir im Rahmen der Berichterstattung nur eine kleine Auswahl präsentieren. Diese stellt ausdrücklich keine Vorfestlegung auf den möglichen Gewinner dar.

Abstimmen und gewinnen

Der BDA Berlin verlost unter allen Teilnehmenden der Abstimmung drei Jahreskarten Classic Plus für alle Dauer- und Sonderausstellungen der Staatlichen Museen zu Berlin, verbunden mit zwei Einladungskarten zur Preisverleihung, die am 14. November 2024 im Deutschen Architektur Zentrum DAZ stattfindet. Der Publikumspreis wird außerdem zusammen mit allen ausgezeichneten Arbeiten ausgestellt und in einem Katalog publiziert. Der Rechtsweg ist sowohl beim Publikumspreis als auch bei der Verlosung ausgeschlossen.

Größtes Projekt: Stadtquartier „Am Tacheles“ in Mitte

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BDA Publikumspreis© BDA | BdA

Das mit Abstand größte Projekt im diesjährigen Wettbewerb war eine komplexe Planungsaufgabe, die die Erstellung eines Masterplans und die Architektur für Um- und Neubau, für Wohnen, Büro, Gewerbe, Kultur und umfasste. Auf dem 2,3 Hektar großen Gelände wurden verschiedene Geschäftshäuser, eine zweigeschossige, unterirdische Tiefgarage sowie sieben Wohngebäude errichtet. Das namensgebende, frühere „Kunsthaus Tacheles“ wurde saniert und beherbergt nun das schwedische Museum „Fotografiska“. Das Züricher Architekturbüro Herzog & de Meuron konzipierte das Quartier. Die Architektur für die insgesamt zehn Gebäude lieferten neben Herzog & de Meuron die Büros Grüntuch Ernst Architekten, Brandlhuber + Muck Petzet und Aukett + Heese. Bauherr ist der Projektentwickler pwr development.

Neues Kulturzentrum in Neukölln

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Blick in den Hörsaal des Gebäudeensembles „Spore“ und „Publix“ an der Hermannstraße. © BDA | BdA

Das Ensemble aus „Spore Initiative“ und „Publix“ aus rotbraunem Recycling-Klinker an der Hermannstraße ist ein echter Hingucker, in das das historische Friedhofsportal als Passstück zwischen den beiden Gebäuden eingefügt wurde. Der Komplex ist auf einer Teilfläche des alten Jerusalemer Friedhofs entstanden. Doch auch im Inneren hat das von der „Spore Initiative“ genutzte Gebäude, die sich mit Kultur- und Lernprogrammen für biokulturelle Vielfalt einsetzt, viel zu bieten. Genauso wie das benachbarte „Publix“ – ein Werkstatthaus für gemeinnützigen Journalismus – das auf sechs Etagen flexibel nutzbare Arbeitsbereiche bietet. Im Ensemble befindet sich auch der imposante Hörsaal, der im Bild zu sehen ist. Bauherr des Ensembles an der Hermannstraße ist die Schöpflin-Stiftung aus Lörrach.

Café Leo am Leopoldplatz in Wedding

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Das Café Leo auf dem Leopoldplatz.© BDA | BdA

Der Standort ist wahrlich kein leichter, denn der Leopoldplatz in Wedding wird seit Jahren intensiv von der ortsansässigen Drogenszene genutzt. Der Holzpavillon, entworfen vom Berliner Büro sophie & hans entstand auf Wunsch des Bezirksamtes und dient als neuer Nachbarschaftstreffpunkt. Er soll dazu beitragen, den Platz mit unterschiedlichen sozialen Gruppen zu beleben, sodass sich alle Platzbesucher trotz der vorhandenen Probleme wohlfühlen können. Großzügige Verglasungen schaffen Durchblicke, damit keine Rückseiten entstehen und die altrosa lasierte Lärchenholzkonstruktion harmoniert farblich mit dem Backstein der benachbarten Nazarethkirche. Der Pavillon bietet auf 40 Quadratmetern Grundfläche neben Verkaufsbereich und Personal-WC auch einen kleinen Aufenthaltsbereich mit Sitzmöglichkeiten und einem PC-Arbeitsplatz. Dort bietet der Kioskbetreiber, der gemeinnützige Träger Wendepunkt, Hilfestellung etwa bei Behördenangelegenheiten an.

Haupttelegraphenamt in Mitte – Umbau und Sanierung eines Denkmals

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Das Haupttelegraphenamt an der Oranienburger Straße 73–76 wurde 1916 als damals aufwändigster Postbau Deutschlands eröffnet. Den Umbau und die Sanierung des Baudenkmals, in dem jetzt Büros, Hotel und Gastronomie Platz gefunden haben, hat die Patzschke Planungsgesellschaft mbH geleitet. Der imposante, neobarocke Block stand in der Nachwendezeit leer. Eigens für die Sanierung des Gebäudes wurde ein verbliebener Suevit-Steinbruch reaktiviert. Aus den daraus gewonnenen Steinen zahllose Vierungen, Gesimse und Ornamente rekonstruiert. „Nur für die besonders exponierten Teile kam ein Ersatzmaterial zur Verwendung, das der Witterung besser widerstehen kann“, versichert das Büro.

Futuristische Nachnutzung „Bike Parking“ am Potsdamer Platz

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Die einstige, unterirdische Einkaufspassage unter dem Potsdamer Platz Center war vom Leerstand betroffen – ein schmaler, gebogener Durchgangsraum ohne Tageslicht und Außenbezug, der links und rechts entlang des Gangs einzelne Ladenflächen beherbergte. Diese Herausforderungen des Bestands wurden vom Architekturbüro Kinzo als Chance für eine neue Nutzung erkannt, es entstand die Idee des Bike Parking. Das Fahrrad-Parkhaus verbindet den U- und S-Bahnhof Potsdamer Platz mit dem Forum im Center und steht allen Berlinerinnen und Berlinern offen. Auch E-Scooter, Segways, Skateboards und Lastenräder können verstaut werden. Kinzo hat besonderes Augenmerk auf die Farb- und Lichtgestaltung mit einem rotvioletten Spektrum. Radial angeordnete Lichter sorgen für eine futuristische Atmosphäre und sind in die extra angefertigten Trennwände zwischen den Fahrrädern integriert.

Wohnen am Wasser in Grünau

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BDA Publikumspreis© BDA | BdA

„Steg am Wasser“ nennt sich der 2021 fertiggestellte Neubau, den LOVE architecture and urbanism für den Bauherrn Buwog entworfen haben. Direkt am Ufer der Dahme sorgt eine großformatige, acht Meter tiefe „Steganlage“ vor dem eigentlichen Gebäude für maritimes Flair und führt die 28 Eigentumswohnungen ganz nahe ans Wasser. Und nicht nur das: Die Stegablage, ein Hybrid aus privat genutzten Balkonen vor den Wohnungstüren, Laubengängen und Terrassen, verbindet die Bewohner miteinander. Da die Dahme auf der Nordseite des Gebäudes fließt, lassen sich die Wohnräume auf ihrer Südseite zudem mit bodentiefen Glas-Faltwänden zur Sonne hin öffnen.