Ein lautes Rascheln kommt aus einer schwarzen Mülltonne. Was kann das bloß sein? Das fragte sich ein Berliner, als er sich den Geräuschen näherte – und dann vorsichtig den Deckel anhob. Es kam Erstaunliches zum Vorschein. Auf dem Boden der Tonne saß ein Waschbär zwischen etwas Müll – und schaute den Mann verdutzt an. „Habibi, du hast mich zu Tode erschreckt“, sagte der Berliner. „Sag, wie kann ich dir helfen?“ Vermutlich hockte der Waschbär die ganze Nacht in der Mülltonnen-Falle.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Nun startete die Waschbären-Rettungsaktion, die der Berliner filmte und auf der Plattform Reddit postete. Denn der Waschbär kam von allein nicht aus der Tonne. Daraufhin holte der Mann einen Rechen und stellte ihn schräg als Kletterhilfe hinein. Daraufhin hangelte sich der Waschbär dem Holzgriff entlang ein Stück hoch. „Du bist eine Maschine“, kommentierte der Berliner. Doch dann rutschte der Waschbär wieder runter – der Mann scherzte „Man, ist der blöd“.
Nun der zweite Anlauf. Der Waschbär hangelte sich erneut ein Stück hoch. Im Hintergrund ist der Mann zu hören, wie er ihn anfeuerte: „Ja, komm, komm. Ich kann es nicht festhalten. Du könntest Tollwut haben.“ Das Tier schaffte es nun bis zum Mülltonnen-Rand und stemmte sich dann hoch. Danach stand der Waschbär kurz auf dem Rand und schaute sich um. Der Mann sagte anerkennend: „Du Löwe!“ Als der Waschbär sich seiner Freiheit bewusst wurde, balancierte er auf dem Rand und sprang von der Tonne. Das 1.30 Minute lange Video endet damit, dass zu sehen ist, wie er hinter einer Hausecke verschwindet. Und dort hoffentlich nicht in die nächste Tonne steigt – und wieder in der Müll-Klemme sitzt...
Immer mehr Waschbären leben in Berlin

Der Waschbär ist längst ein Teil der vielfältigen Berliner Tierwelt. Doch er ist nicht nur wegen des Mülls in die Stadt eingewandert. Zum einen hat er sich so vermehrt, dass er sein Revier Richtung Stadt erweitern und neue Lebensräume suchen musste. Zum anderen findet er überall Nahrung, Essensreste gibt es massenhaft und sind leichte Beute. Die Tiere, die so niedlich aussehen, stehen auf der Liste der invasiven Arten, weil sie heimischen Arten gefährlich werden können. Deswegen dürfen Waschbären in den Berliner Wäldern bejagt und auch erlegt werden.
Problematisch kann der Waschbär auch für den Menschen werden. Die Tiere nisten sich unter anderem auf Dachböden, Kleingartenanlagen, Schuppen und in Garagen ein. Neben dem Lärm werden zudem auch die Verunreinigungen – Nahrungsreste, Fäkalien – der Tiere zu einem Problem.
Waschbären kommen ursprünglich aus Nordamerika. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie zur Pelzgewinnung auch in Deutschland gezüchtet. Einige entkamen und inzwischen kommen sie in mehr als der Hälfte der deutschen Jagdreviere vor und breiten sich weiter aus, vor allem in Hessen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.




