Der Schwimmunterricht im Babybecken ist hinter den Kulissen erfolgreich absolviert, am Donnerstag wurde es ernst: Für das Hippo-Mädchen Toni ging es raus ins echte Leben auf die Anlage. Kaum wurde das Tor geöffnet, trottete das Jungtier eng an Mutter Debbie geschmiegt hinaus. Gemütlich geht es bei Familie Zwergflusspferd zu. Erst einmal die Umgebung checken, am Boden schnuppern und dann rein ins Wasser und abtauchen. Kurz hielten die Zuschauer den Atem an, bis die beiden Köpfe von Mutter und Tochter endlich wieder auftauchten. Ja, Toni kann es, sie hat ihre Taufe im tiefen Wasser bestanden.

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Von nun an können die Zoobesucher den drolligen Hippo-Nachwuchs jeden Tag beobachten. Die Zeit der Kinderstube im Inneren des Geheges ist vorbei. Toni ist mit 2,5 Monaten bereit für die Abenteuer auf der Anlage, wenn sie nicht lieber noch ein Schläfchen macht. Denn sie ist immer noch ein Baby und wird gesäugt. „Sie hat sich super entwickelt und fängt langsam an, ein bisschen am Gras zu knabbern“, sagt Säugetierkurator Florian Sicks.
Hippo im Zoo: Das Zwergflusspferd musste erst im tiefen Wasser trainieren
Backstage habe man in den vergangenen Wochen mit Toni geübt, sich im Wasser zu bewegen. „Die Tiere gleiten, laufen und stoßen sich vom Boden ab, um nach oben zu kommen“, erläutert Sicks. Das musste das Hippo-Mädchen in immer tieferen Wasser trainieren. „Jetzt ist es kräftig genug, um nach oben zu kommen“, so der Kurator.

Knapp 20 Kilogramm ist das Jungtier jetzt schwer und etwas so groß „wie eine doppelt fette Katze“, so der Vergleich von Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem. Er war bei der ersten öffentlichen Präsentation des Jungtiers sichtlich froh und bewegt, „dass alles so gut geht.“ Zwischenzeitlich musste Toni eine Verletzung am Becken ausheilen, vermutlich weil die Mutter sich versehentlich auf sie gelegt hat. Doch davon war am Donnerstag nichts mehr zu sehen, sie lief, ohne eine Pfote nachzuziehen.
Es war bestes Hippo-Wetter an diesem Vormittag, warm und schattig, wie in der Heimat der Flusspferde in den Regenwäldern Westafrikas. Einige Zoobesucher hatten sich extra auf den Weg gemacht, um den Nachwuchs endlich zu sehen. Dazu gehörten Petra, Jenny und Leoni aus Marienfelde. Oma, Tochter und Enkeltochter hatten nur ein Ziel: „Hauptsache die Kleine sehen“, erzählt Oma Petra. Sie seien sofort zur Flusspferd-Anlage gekommen. „Süß“ so das Urteil der neun Jahre alte Leoni. Und ihre Oma ergänzt: „Man möchte sie gern knuddeln.“

Verfolgt wurde der erste Ausflug aber auch von unzähligen Fotografen und Kamerateams, die sich vor dem Gehege aufgebaut hatten. Denn schon vor seinem Auftritt in der Öffentlichkeit war das kleine Flusspferd ein Onlinestar. Millionenfach wurden die Bilder und Videos vom ersten Bad in einer Plastikwanne in den sozialen Medien geklickt, sogar von Fans in den USA, Australien und Mexiko.
Berliner Zoo: Der Name „Toni“ war mehrfach unter den Vorschlägen
Allein bei der Namenssuche gingen mehr als 20.000 Vorschläge ein, darunter Brötchen, Boulettchen oder Görli. Kurz sollte der Name sein und einen Bezug zu Berlin haben, so der Wunsch von Direktor Andreas Knieriem. Aber er sollte auch im englischsprachigem Raum leicht auszusprechen sein. „Das war bei Brötchen eher schwierig“, sagt Zoo-Sprecherin Svenja Eisenbarth bei einem Gespräch am Rande des Geheges. Weil mehrfach der Name Toni genannt worden sei, habe man sich darauf einigen können. Doch wer sollte der Pate sein? Als sie in Neukölln zum Fußball-Public-Viewing war und dort fast alle Fans in Antonio-Rüdiger-Trikos saßen, hatte sie die Idee.

Der Innenverteidiger der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, der auch Toni genannt wird, ist in Neukölln aufgewachsen, seine Wurzeln reichen nach Sierra Leone zurück, wo die Nilpferde beheimatet sind. Das passte doch perfekt. Die Anfrage für eine Ehrenpatenschaft ging sofort raus und „schon nach ein paar Tagen kam die Zusage“, erzählt Eisenbarth. Bis ihr Ehrenpate zu Besuch kommt, hat die kleine Hippo-Dame noch Zeit ordentlich Gewicht zuzulegen. 200 Kilogramm sollen es einmal werden. Das sind dann schon einige fette Katzen mehr.





