Die Absatzflaute am E-Automarkt hat den Ausbau der Tesla-Fabrik in Grünheide ausgebremst. Nach schwachen Umsatzzahlen im ersten Halbjahr 2024 will der Autobauer nun erst einmal abwarten. Werksleiter André Thierig betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zwar, dass Tesla die Pläne noch nicht aufgegeben habe. Der weitere Ausbau richte sich aber nach der Marktlage. „Wir werden nicht mehrere Milliarden für den Ausbau der Fabrik in die Hand nehmen, ohne dass die Signale ganz klar sind, dass das vom Markt auch abgefragt wird“, sagte Thierig der Agentur.

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Die Gegner des Fabrikausbaus sehen sich bestätigt. Sie sprachen am Montag von einem Etappensieg. Das Protest-Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ deutet den vorläufigen Ausbaustopp als „Ergebnis jahrelanger, intensiver Proteste und Aktionen“. Allerdings ist die Entscheidung mit Blick auf die schwache Geschäftsentwicklung beim Autobauer kaum überraschend. Schon im Frühjahr hatte Tesla-Chef Elon Musk dem Unternehmen ein Sparprogramm verordnet und den Abbau von 14.000 Stellen angekündigt. Auch in Grünheide mussten daraufhin 400 Tesla-Beschäftigte gehen.

Damit ist einer der größten Jobmotoren Ostdeutschlands ins Stottern geraten. Wie kaum ein anderes Unternehmen stand der Autobauer im Osten für die Hoffnung auf einen Aufstieg der ostdeutschen Wirtschaft. Mehr als 22.000 Beschäftigte sollten den Ausbauplänen nach bis zu eine Million Fahrzeuge pro Jahr in Grünheide fertigen. Damit wäre die Fabrik in Brandenburg nach Produktionszahlen zum größten Autowerk Deutschlands geworden. Zuletzt lag die Jahresproduktion bei rund 200.000 Fahrzeugen.

Stellenabbau auch im E-Autowerk von VW in Zwickau

Tatsächlich kämpft die ganze E-Autobranche mit mauen Absatzzahlen. Auch im zweiten großen E-Autowerk Ostdeutschlands, dem VW-Werk in Zwickau, sollen rund 1200 Beschäftigte gehen. Volkswagen hat die Produktion dort bereits gedrosselt. Der Konzern hatte dort vollständig auf die Herstellung elektrischer Fahrzeuge umgerüstet. VW hat dort mehr als 10.000 Beschäftigte.

Zusammengestrichen werden Investitionen auch im Süden Brandenburgs. Mit Verweis auf den schwächelnden E-Automarkt hatte der chinesische Batteriehersteller SVolt seine Pläne zum Bau eines Batteriezellenwerks in Lauchhammer vor einigen Wochen abgesagt. Dort hätten bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen sollen. Nur wenige Kilometer weiter in Schwarzheide wollte auch Porsche eine Batteriefabrik bauen. Laut mehrerer Medienberichte steht auch diese Investition vor dem Aus.

„Es ist wichtig zu erkennen, dass die Verkehrs- und Energiewende kein Sprint, sondern ein Marathon ist“, sagt Knuth Thiel, Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftspolitik bei der IHK Ostbrandenburg. Er sieht die Rücknahme des Umweltbonus für E-Autos, hohe Energiepreise und den unzureichenden Ladesäulenausbau als größte Hemmnisse der E-Mobilität. Trotz der schwierigen Absatzlage sei Tesla allerdings weiterhin der größte Ausbildungsbetrieb im Osten Brandenburgs, die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bleibe auf dem hohen Niveau, betont Thiel mit Blick auf die Zukunft des Autobauers am Standort. Laut Statistikamt verzeichnete der Landkreis Oder-Spree, in dem sich die Tesla-Fabrik befindet, im Jahr 2022 ein Rekordergebnis beim Wirtschaftswachstum von 23 Prozent.

Chipindustrie in Ostdeutschland: Intel rutscht in die Krise

Auf einen ähnlichen Wirtschaftsschub hofft auch die Stadt Magdeburg. Dort plant das US-Unternehmen Intel eine der größten je getätigten Investitionen in Ostdeutschland. Für rund 30 Milliarden Euro will das Unternehmen dort eine Chipfabrik bauen, rund 10.000 Arbeitsplätze sollen damit entstehen. Allerdings ist der Chipkonzern nun in die Krise gerutscht. Bis Jahresende müssen 15.000 Beschäftigte gehen, etwa 15 Prozent der Belegschaft. Der Aktienkurs des Unternehmens stürzte nach der Ankündigung am Freitag zeitweise um fast 30 Prozent ab. Intel will nun im kommenden Jahr 10 Milliarden Dollar einsparen.

Der Spatenstich für den Bau der Megafabrik in Magdeburg war zuletzt immer weiter nach hinten verschoben worden. Geplant ist er aktuell zum Ende dieses Jahres. Die Landesregierung Sachsen-Anhalts geht weiterhin davon aus, dass die Fabrik gebaut wird. Mit den geplanten neuen Chipfabriken von Infineon und TSMC in Dresden würde Ostdeutschland so zu einer wichtigen Produktionsregion für Halbleiter.

Präzise Maschinen zur Chipherstellung in Magdeburg und Dresden kommen von ASML. Die Niederländer stellen dafür Schlüsselkomponenten in Berlin-Neukölln her. Der dortige ASML-Standort wächst kräftig. Kürzlich gab das Unternehmen bekannt, für die Erweiterung des Firmengeländes zwei neue Grundstücke mit insgesamt 13.000 Quadratmetern gekauft zu haben. ASML will seine Fertigungskapazitäten damit erheblich steigern. Die Zahl der Beschäftigten soll von derzeit knapp 1800 auf etwa 2000 steigen.

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