Sonne, 16 Grad Celsius und die ersten Tulpen – heute (20. März) hat offiziell der Frühling begonnen. Eine große Umstellung dürfte der Jahreszeitenwechsel für die Berliner aber nicht sein: der Winter 2023/24 war außergewöhnlich warm und regnerisch. Was für Auswirkungen hatte das auf Tourismus und Kältehilfe? Ein Klimaforscher, die Berliner Stadtmission und eine Vertreterin einer Tourismusorganisation ziehen Bilanz.

Klimaforscher zum Winter in Berlin: „Es regnete doppelt so viel“

„Im Vergleich zum Winter 2022/23 war der vergangene Winter sehr mild, fast schon frühlingshaft und nass“, erklärt Dr. Bodo Wichura vom Deutschen Wetterdienst dieser Redaktion. Im Dezember, Januar und Februar war es dem Klimaforscher zufolge im Schnitt 4,2 Grad Celsius warm und damit mehr als drei Grad wärmer im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990. Dazu kam viel Regen: „Wir hatten im Dezember und Februar jeweils fast das Doppelte des üblichen Niederschlages und im gesamten Winter 236 Liter pro Quadratmeter Niederschlag im Vergleich zu dem langjährigen Durchschnitt von 131 Liter pro Quadratmeter.“

Regen und Sturm auf Weihnachtsmarkt
Kalt war es nicht, aber dafür regnerisch und stürmisch. Ein Paar geht im Dezember 2023 über den Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz. © Funke Foto Services | Reto Klar

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Berliner Stadtmission gingen die Schlafplätze aus

Auch wenn Frostwetter die Ausnahme war, gab es im Januar laut Wichura ein paar sehr kalte Tage. Die sind Barbara Breuer von der Berliner Stadtmission besonders im Gedächtnis geblieben: „Dass es ein milder Winter gewesen sein soll, kann ich aus Sicht der Stadtmission nicht bestätigen. Wir hatten im Januar zwei Wochen mit Minusgraden bis in den zweistelligen Bereich. Das war schrecklich für die Menschen ohne Obdach. In dieser Zeit war es sehr schwer für obdachlose Personen eine Unterkunft zu finden. Kältebusse hatten schon ab 22.00 Uhr keinen Ort mehr, wo sie die Leute hinbringen konnten. Deshalb mussten sie viele Leute auf der Straße versorgen.“ 

Frühling in Berlin
Menschen genießen das schöne Wetter zum Frühlingsanfang rund um die Berliner Museumsinsel.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Um die obdachlosen Menschen trotzdem unterzubringen, habe man die Unterkünfte der Städtemission bis zum Anschlag füllen müssen. „Man weiß ja im Vorfeld nicht, wie kalt es wird. Weil wir die Leute vom Erfrieren retten wollen, quetschen wir so viele Menschen in die Unterkunft, wie es geht“, so Breuer. Aber auch diesen Januar waren die Kapazitäten irgendwann erschöpft. „Dann geben wir den Menschen noch einen Schlafsack und einen Tee und müssen sie leider wieder wegschicken. Was den Mitarbeitern sehr schwerfällt.“ 

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Mehr Touristen im Winter als vergangenes Jahr

Zur Weihnachtszeit statteten viele Touristen der Hauptstadt einen Besuch ab – sogar mehr als noch im Jahr zuvor, sagt Susanne Schreiber, Sprecherin der Tourismus- und Kongressorganisation „visitBerlin“. Vor allem die Weihnachtsattraktionen zogen die Leute in die Stadt. „Weihnachtsmärkte und Weihnachtsshoppen sind Aktivitäten, die man im Städtetourismus sieht und die auch viele Leute nach Berlin bringen. Berlin ist ja auch die Stadt mit den meisten Weihnachtsmärkten in Deutschland.“

Frühling in Berlin
Im Januar 2024 kamen mehr Touristen nach Berlin als im vergangenen Januar. Im Frühling rechnet man mit einem großen Ansturm. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Der Besuch ließ auch im Januar nicht nach: „Das Jahr ist gut angelaufen. Die Zahlen, die vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erhoben wurden, zeigen im Januar 2024 ein Wachstum an internationalen Gästen und Gästen aus Deutschland im Vergleich zu 2023“, so Schreiber. Das Wetter habe erfahrungsgemäß keine Auswirkungen auf den Hauptstadt-Tourismus. Laut der Sprecherin würden die Leute im Winter sowieso mehr Indoor-Aktivitäten nachgehen.

Noch kein Ende der Winterdienst-Saison bei der BSR

Für die Berliner Stadtreinigung endet die Winterdienst-Saison erst am 31. März. Eine Winterbilanz konnten sie auf Anfrage dieser Redaktion deshalb noch nicht stellen. Da es vereinzelt noch Minusgrade gebe, würden aktuell noch kleinere Winterdienst-Einsätze stattfinden. Übrigens: Der im Winter ausgestreuter Streusplitt kann laut der Berliner Stadtreinigung nicht erneut als Streugut verwendet werden, da der Splitt durch den Gebrauch abgenutzt und damit gegen Glätte unwirksam wird.

Sonniges Frühlingswetter in Berlin
Sonniges Frühlingswetter in Berlin.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

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Ausblick: So wird der Berliner Frühling 2024

Ende März soll nach der DWD-Wettervorhersage wärmer werden als im Vergleich zum vieljährigen Mittel, sagt Klimaforscher Wichura. Wie der Rest des Frühlings wird, könne er aber noch nicht vorhersagen. Berliner müssen sich auch diesen Frühling wieder auf viele Touristen einstellen, Susanne Schreiber von „visitBerlin“ rechnet mit gewohnt hohem Andrang. „Im Frühling gibt es einige lange Wochenenden, die die Leute gerne für einen Städtetrip nutzen.“