Für knapp 400.000 Berliner Schülerinnen und Schüler ist das Schuljahr am 8. Juli zu Ende, vor ihnen liegen sechseinhalb Wochen Sommerferien. Doch was ist, wenn die Ferien nicht schön beginnen, weil das Zeugnis nicht so gut ist wie erwartet?

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„Viele Kinder und ihre Eltern sind verständlicherweise enttäuscht, wenn das Zeugnis nicht so ausfällt wie erhofft. Was dann hilft, sind ruhige Gespräche, um gemeinsam die Ursachen zu verstehen und Lösungswege zu finden“, sagte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) bereits 2023 in einer Pressemitteilung. Die Bildungsverwaltung hat auch dieses Jahr wieder Sorgentelefone geschaltet. Am Zeugnistag beraten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Bildung telefonisch zum Umgang mit den Zeugnisnoten, teilte die Senatsverwaltung mit.
Das Angebot gelte sowohl für Kinder als auch für Eltern und andere Familienangehörige. Die Gründe für Anrufe seien sehr unterschiedlich: Dazu zählten Unzufriedenheit mit der Notengebung, aber auch Fragen zum Übergang an die weiterführende Schule oder in die gymnasiale Oberstufe. Zudem weist die Senatsverwaltung auf die schulpsychologischen und inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentren in Berlin hin, an die sich Eltern bei Bedarf wenden können.
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Schulpsychologin rät, keine Vorwürfe zu machen
Wie Eltern sich richtig verhalten, wenn das Kind mit einem schlechten Zeugnis nach Hause kommt, erklärt die Berliner Psychologin Anne-Christin Gädke. „Wichtig ist auf jeden Fall, dem Kind keine Vorwürfe zu machen“, sagt Gädke. „Das bringt nichts und nimmt dem Kind nur noch mehr Motivation.“ Sie empfiehlt, ganz in Ruhe mit dem Kind zu sprechen und erst einmal zu verstehen, wie es sich mit den Noten fühlt.
„Einem Kind, das traurig ist, zu sagen, ist doch nicht so schlimm, nimmt das Gefühl nicht ernst“, sagt sie. Stattdessen solle man das Gefühl annehmen und darauf eingehen. „Ein trauriges Kind tröstet man am besten, in dem man Unterstützung anbietet“, sagt Gädke. Eltern könnten also gezielt fragen: Was hilft dir? Welche Unterstützung wünschst du dir von der Familie? Gibt es die Möglichkeit, außerschulische Hilfe zu organisieren?
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Umgang mit schlechtem Zeugnis: Das Kind nicht drängen
Ist das Kind eher verschlossen, sollten die Eltern ihm unter Umständen erst einmal ein bisschen Zeit geben, aber ohne das Kind dabei aus dem Blick zu verlieren. „Auf keinen Fall drängen“, sagt Gädke, „dann verschließt es sich nur noch mehr.“ Äußert das Kind, dass es sich von den Lehrern ungerecht bewertet fühlt, kann es helfen, in Aussicht zu stellen, nach den Ferien den Lehrer um ein gemeinsames Gespräch in der Schule zu bitten.
Im geeigneten Moment können die Eltern das Kind durchaus auch ermutigen, sich selbst zu reflektieren und zu überlegen, welchen Anteil es vielleicht selbst an den nicht so guten Leistungen haben könnte. Bei massiven Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen – besonders in den ersten Schuljahren –, empfiehlt Gädke, sich auch an den schulpsychologischen Dienst zu wenden, um eine gesundheitliche Beeinträchtigung auszuschließen.
Berliner Psychologin rät: Unterstützung statt Strafe
Von Bestrafungen sollten Eltern nach der Zeugnisvergabe auf jeden Fall absehen sagt die Psychologin. „Das erhöht für das Kind nur den Druck und schmälert die Motivation“, sagt sie. „Da ist es besser, im nächsten Schuljahr mehr zu unterstützen und Leistungsverbesserung zu belohnen.“
Grundsätzlich sollte ein schlechtes Zeugnis nicht die ganzen Ferien lang Thema sein. Es sei in Ordnung, darüber zu sprechen, aber dann müsse auch gut sein. „Die Sommerferien sollen ja auch eine Zeit der Erholung sein“, sagt Gädke, „da können die Kinder dann Energie für das nächste Schuljahr tanken.“
Dieser Artikel erschien erstmals im Juli 2023.






