Die Messe Berlin will im September über die Zukunft ihres in die Kritik geratenen Aufsichtsratschefs Wolf-Dieter Wolf entscheiden. Bis dahin sollen die Vorwürfe gegen Wolf durch die Fachabteilung der Wirtschaftsverwaltung geklärt sein. „Mit Bekanntwerden der Kritikpunkte am Vorgang zur Beauftragung eines Mediencoachings des Messe-CEOs hat die Wirtschaftsverwaltung zur Klärung der Sachlage entsprechende Informationen und Stellungnahmen von der Messegesellschaft angefordert“, hieß es am Mittwoch aus der Wirtschaftsverwaltung. „Die Wirtschaftsverwaltung nimmt derartige Vorwürfe immer ernst und prüft sie mit der gebotenen Sorgfalt.“ Derzeit würden die vorliegenden Informationen bewertet. „Die Ergebnisse könnten voraussichtlich in der Sitzung des Aufsichtsrats Anfang September behandelt werden.“

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Gegen Wolf und die Intendantin des RBB, Patricia Schlesinger, sind in den vergangenen Tagen verschiedene Vorwürfe erhoben worden. Dabei geht es um die mögliche Verquickung von beruflichen und persönlichen Interessen. So soll Wolf dem neuen Messechef Martin Ecknig den Ehemann der RBB-Intendantin, Gerhard Spörl, als persönlichen Medienberater empfohlen haben, der später auch den Auftrag für eine Festschrift zum Jubiläum des 200-jährigen Bestehens der Messe erhalten haben soll. Untersucht wird derzeit unter anderem, ob für die Vergabe Ausschreibungen notwendig gewesen wären, da die Vergabe die Summe von 50.000 Euro überschritten haben soll.
Sowohl der RBB als auch die Messe haben daraufhin Compliance-Verfahren in Gang gesetzt, die die Vorwürfe prüfen sollen. Wolf hatte daraufhin seine Tätigkeit als Chef des Verwaltungsrates des RBB ruhen lassen, bei der Messe ist er bislang weiterhin Vorsitzender des Aufsichtsrates.
Sowohl Wolf als auch Schlesinger weisen die Vorwürfe zurück
Sowohl Wolf als auch RBB-Intendantin Schlesinger weisen die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück. Auch die Messe Berlin sieht derzeit keine Verstöße gegen Compliance-Regeln. „Es gibt keine Zustimmungspflicht des Aufsichtsrates ab Ausgaben von 50.000 Euro“, heißt es in einer Stellungnahme der Messe vom Mittwoch.
Auch eine Ausschreibungspflicht für die Aufträge habe nicht bestanden. „Herr Dr. Spörl war für das Buch-Projekt besonders geeignet, da er bereits mit der Geschichte der Messe Berlin vertraut war, ähnliche Buchprojekte bereits für andere Auftraggeber erfolgreich umgesetzt hatte und als renommierter Journalist und Buchautor über ein sehr hohes Maß an publizistischer Kompetenz verfügt“, teilte die Messe mit. Für das Verfassen der Festschrift habe Spörl „rund 70.000 Euro“ erhalten.
Am Tag zuvor hatten sowohl Wolf als auch Schlesinger den Brandenburger Landtag düpiert, weil sie einer Vorladung des Hauptausschusses zur Anhörung nicht gefolgt waren und stattdessen schriftliche Erklärungen abgaben. Der Brandenburger Landtag hat momentan die Aufsicht über den RBB. Sollte Fehlverhalten festgestellt werden, müssten Konsequenzen gezogen werden, betonte der Hauptausschuss des Parlaments in Potsdam nach der Sondersitzung zur Aufklärung der Vorwürfe. Das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk müsse erhalten bleiben. Staatskanzleichefin Kathrin Schneider (SPD) sagte, sie erwarte eine „umfassende und zeitnahe Aufklärung“.
Über die Ablösung des 78-jährigen Wolf als Vorsitzenden des Aufsichtsrates wird schon länger spekuliert. Wolf sitzt seit 2010 im Aufsichtsrat der Messe Berlin, seit 2017 ist er Vorsitzender des Kontrollgremiums. Als Nachfolger wird der ehemalige Chef der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) und Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHK), Eric Schweitzer, gehandelt.
Die Messe verhandelt gerade über die Zukunft der IFA
Die Unruhe wegen der möglichen Interessenskonflikte ihres Aufsichtsratschefs treffen die Messe zur Unzeit. Derzeit wird über die Zukunft der wichtigen Internationalen Funkausstellung verhandelt. Auch dabei ist es zu Vorwürfen der Interessenverquickung rund um die Verhandlungen gekommen, in die auch der ehemalige Messechef Christian Göke verwickelt ist. Das Messegeschäft ist für die Berliner Wirtschaft von großer Bedeutung und hat während der Corona-Pandemie stark gelitten. Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos, für SPD) muss die Streitigkeiten rund um das Unternehmen schlichten und die Messe wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.




