Der Vorschlag der Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke), Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, nachzuholen, ist innerhalb der Berliner Landesregierung auf ein zurückhaltendes Echo gestoßen. Weder SPD noch Grüne sind von den Plänen Kippings im Vorfeld informiert worden. Die Fraktionschefs von Grünen, Werner Graf, und SPD, Raed Saleh, zeigten sich am Sonnabend überrascht von dem Vorstoß Kippings und wollten sich, ebenso wie Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos, für SPD) zunächst nicht dazu äußern.

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Anlässlich des Tages der Arbeit, der dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, hat die Sozialsenatorin eine Änderung im Feiertagsgesetz vorgeschlagen. „Es wäre nur gerecht, wenn Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, am darauffolgenden Werktag als Ersatzfeiertag nachgeholt werden“, sagte die Linken-Politikerin. Zunächst hatte der „Tagesspiegel“ berichtet.
„Es geht darum, den Beschäftigten damit etwas zurückzugeben, was ihnen durch einen Zufall des Kalenders weggenommen wird“, so Kipping weiter. Gerade der Tag der Arbeit ist für sie ein geeigneter Anlass, eine Entlastung der Beschäftigten anzuregen. „Die Geschichte des 1. Mais geht zurück auf Kämpfe um mehr Zeit jenseits von Erwerbsarbeit“, sagte Kipping am Sonnabend. „Der historische Bezugspunkt für den 1. Mai ist schließlich ein niedergeschlagener Streik für Arbeitszeitverkürzung.“ Da dieses Jahr nicht nur der 1. Mai auf einen Sonntag fällt, sondern auch der 25. Dezember und Neujahr, entgingen den Menschen in diesem Jahr drei freie Tage. „Und das in einer Zeit, die auch im Zuge von Corona besonders durch Erschöpfung geprägt ist und die somit nach mehr Zeit für Erholung verlangt“, begründet Kipping ihren Vorschlag. Die Debatte um Nachhol-Feiertage hatte in den vergangenen Tagen wieder Fahrt aufgenommen, wird aber bislang vor allem auf Bundesebene geführt. Einige Politiker warben für die Idee.
Aus Sicht Kippings wäre eine entsprechende Regelung aber auch ohne den Bund möglich. Berlin hat bereits vor zwei Jahren den Frauentag am 8. März als zusätzlichen Feiertag im Alleingang eingeführt. Eine Nachhol-Regelung für Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, ist aus ihrer Sicht ebenfalls möglich.
„Ich finde, es wäre auch bei uns ein gutes Zeichen des Respekts und der Solidarität mit allen Beschäftigten, die tagein tagaus unser Land am Laufen halten, wenn quasi am Sonntag ausgefallene Feiertage an einem Wochentag nachgeholt werden können“, sagte Kipping. „Das dient nicht nur der Erholung und der Familienzeit, sondern stärkt auch die sozialen Bande, die unsere Gesellschaft in diesen Zeiten braucht.“
85 Staaten holen Wochenend-Feiertage nach
In vielen Ländern – darunter Belgien, Spanien und Großbritannien – werden Feiertage nachgeholt, die an einem Wochenende liegen, insgesamt sind es weltweit 85 Staaten. Dabei gibt es unterschiedliche Verfahren. In Großbritannien, Irland, Spanien und Australien werden die Feiertage dann am darauffolgenden Werktag nachgeholt. Ausgenommen sind Feiertage, die immer auf einem Sonntag liegen, etwa der Ostersonntag.
In Luxemburg muss innerhalb von drei Monaten ein freier Ersatztag für den ausgefallenen Feiertag angeboten werden. In Belgien können Arbeitnehmer selbst einen Ersatztag wählen oder der Arbeitgeber bestimmt kollektiv für alle einen freien Tag – zum Beispiel einen Brückentag. In Italien werden Feiertage zwar nicht nachgeholt, Beschäftigte erhalten aber einen Lohnausgleich, wenn ein Feiertag auf ein Wochenende fällt.
Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im vergangenen Jahr ergab, dass die Hälfte der Erwachsenen dafür wäre, bundesweite Feiertage am darauffolgenden Montag als freie Tage nachzuholen. Rund ein Drittel der Befragten stand dem Vorschlag dagegen eher ablehnend gegenüber.




