Ein spektakulärer Blitzeinbruch hielt am Dienstag den Berliner Südwesten in Atem. In den frühen Morgenstunden wurde mit einem Fahrzeug ein Überfall auf das bekannte Einkaufszentrum „Forum Steglitz“ in der Schloßstraße verübt, wie die Polizei mitteilte. Ein „Skoda-Fabia“ soll gegen eine der vier Doppelschwingtüren am Haupteingang an der Schloßstraße 1 am Walther-Schreiber-Platz gefahren sein, bis diese nachgab. Das Ziel der Einbrecher: Ein Juweliergeschäft im Erdgeschoss der Shopping-Mall.

Auf dem Weg dorthin passierten die Täter zahlreiche weitere Ladenflächen und zertrümmerten schließlich nach einer halsbrecherischen Schleife in voller Fahrt die Scheiben des Juweliers, um Schmuck zu erbeuten. Im Anschluss ergriffen sie die Flucht, laut Polizei offenbar mit einem weiteren, von einem Komplizen vor der Tür bereitgestellten Fahrzeug. Den „Skodia-Fabia“ ließen sie zurück. Über die genaue Summe der Beute und des verursachten Schadens konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen. Die Anzahl der Täter sei ebenfalls unklar. Am zurückgelassenen, demolierten Tatgefährt, das als Rammbock genutzt wurde, würden nun umfassende Untersuchungen stattfinden, hieß es. Die Polizei ermittelt wegen besonders schwerem Diebstahl.

Tatfahrzeuge werden oftmals extra für die Ausführung erworben

„Der Modus operandi, mit Fahrzeugen in Juweliere zu fahren, ist in Berlin seit Jahren bekannt und kann auch keinen überraschen, weil hier die Aussicht auf große Beute binnen kurzer Zeit in Kombination mit dem geringen Risiko vor Ort erwischt zu werden, kriminelle Banden anlockt“ ,sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. Man wüsste, dass die meist hochmotorisierten Tatfahrzeuge oftmals nur für diesen Zweck erworben oder über Leasingfirmen ausgeliehen werden und gerade diese nur selten mit der Polizei kooperierten.

Viele von ihnen würden in Hinterhöfen agieren und die wahren Identitäten der Kunden verschleiern. Tatfahrzeuge, die nicht in den Trümmern zurückgelassen werden, verschwinden dann im Ausland. „Die Täter sollten sich dennoch nicht zu sicher sein, unsere Kollegen werden ihr Bestes geben, um die Verantwortlichen zu ermitteln und an jedem Tatort finden sich immer irgendwelche Spuren“, ist Jendro überzeugt.

Zahlreiche Einbrüche in Berlin in den vergangenen Jahren

Tatsächlich ist es zuletzt immer wieder zu derartigen Einbrüchen in Berlin gekommen. Doch scheint die Steglitzer Schloßstraße bei den Gangstern besonders beliebt zu sein. Erst am 7. Januar rasten Einbrecher mit einem zuvor als gestohlen gemeldeten „Mazda“ gegen die Schaufensterfront einer Goldschmiede in der Schloßstraße. Mit einem Fahrradständer hebelten sie die beschädigte Jalousie vor der Eingangstür aus. Im Laden zertrümmerten sie die Schmuckvitrinen und steckten Juwelen und Ringe ein. Im November 2023 donnerten Diebe mit einem Auto in einen ebenfalls hier ansässigen Juwelier, durchbrachen die verschlossene Tür. Sie zerschlugen mehrere Vitrinen in dem Geschäft und entwendeten Schmuck.

Es ist nicht einmal ein neues Phänomen. Vor genau zehn Jahren, im Jahr 2014, krachte ein Renault Twingo durch die Scheiben des Saturn-Geschäfts im nahen Shoppingcenter „Boulevard Berlin“. Damals war es unter den Einbrechern allerdings noch Trend, elektronische Geräte und Handys erbeuten zu wollen. Neben den zwei Einbrüchen in Malls an der Schloßstraße, zeugten davon auch die Blitzüberfälle auf Apple Stores am Kurfürstendamm oder am KaDeWe. Heute scheint sich der Fokus eher auf Schmuck und Juwelen verlagert zu haben.

Davon ist nicht nur Steglitz betroffen. Im Januar 2019 fuhren zwei Maskierte mit einem Auto in das Schaufenster eines Juweliers am Kurfürstendamm und erbeuteten Uhren und Schmuck. Sie waren mehrfach gegen die Schaufensterscheibe des Geschäfts gefahren, um hineinzukommen. Im Juni 2023 durchbrachen Täter in einem Einkaufszentrum in Lichtenberg gleich zwei Eingänge mit der Wucht ihres Autos, um Schmuck aus einem Juweliergeschäft zu stehlen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2023 erwischte es wiederum einen Goldschmied in der Berliner Straße in Tegel. Mit einem Wagen zertrümmerten die Täter das Schaufenster des Ladens und entwendeten im Anschluss Schmuck aus der Auslage. Nicht immer klappen die Manöver jedoch auch. Erst vor einer Woche scheiterten Täter daran, im Rückwärtsgang in einen Juwelier in Charlottenburg einzubrechen. Sie lösten lediglich den Alarm aus. Die Einbrecher flüchteten zu Fuß und ließen das Auto zurück.