Am Brandenburger Tor in Berlin liegt der Marihuana-typische Geruch schwer in der Luft. Joints werden geraucht oder gedreht. Die Anwesenden begehen den internationalen Cannabis-Tag – zum ersten Mal seit der Teil-Legalisierung von Cannabis in Deutschland. Teilweise haben sie Picknickdecken und Campingstühle mitgebracht. Die Stimmung ist ausgelassen bei dem „420 Day BLN“. Haschzigaretten und Drinks werden herumgereicht. „Smoke Weed every Day“, „Rauche jeden Tag Gras“, ist auf einem Banner zu lesen. Dazu werden aufblasbare Joints in die Luft gehalten.

Seit dem 1. April ist der Konsum von Cannabis in Deutschland legal. Zumindest in Teilen. Kiffende müssen weiterhin viele Einschränkungen beachten. Ziel des Freigabe-Gesetzes ist es, den Schwarzmarkt zu bekämpfen und Konsumierenden den Kauf eines sichereren Produktes zu ermöglichen.

Cannabis-Legalisierung in Berlin: „Man ist kein Krimineller mehr“

Jule aus Offenburg im Schwarzwald war extra für die Großkundgebung nach Berlin gekommen, zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Partner. „Wir feiern heute, dass wir uns nicht mehr kriminell fühlen müssen“, sagte die 41-Jährige, während sie an einem Joint zog. „Wir sind froh, dass wir nun ein Stück weit freier sind.“ Doch seien Nachbesserungen an dem Gesetz nötig. „Beim Joint rauchen geht es ums Teilen. Aber per Gesetz mache ich mich noch immer strafbar, sobald ich meine Tüte weiterreiche.“ Das müsse sich ändern.

Einen Joint in der Hand, einen zweiten im Arm: Teilnehmerin Jule auf dem „420 Day“ in Berlin.
Einen Joint in der Hand, einen zweiten im Arm: Teilnehmerin Jule auf dem „420 Day“ in Berlin.© Miriam Schaptke | Miriam Schaptke / BM

„Ich bin 59 und rauche seit 47 Jahren“, sagte Stephan, der auch zu der Kundgebung auf den Platz des 18. März gekommen war. Er sei medizinischer Cannabis-Konsument. „Ich bin heilfroh, dass es passiert ist, dass es dieses Gesetz nun gibt. Zuvor ist man verfolgt worden.“ Ähnlich sieht es auch der 23-jährige Malte, der mit seinen Kumpels am Brandenburger Tor feierte. „Man ist kein Krimineller mehr. Früher habe ich mich immer gelabelt gefühlt, wenn ich von der 420-Party nachhause gegangen bin. Jetzt ist es nicht mehr relevant, denn es ist legal.“ Und sein Freund Leon fügte hinzu: „Die letzten Jahre war es eine Demonstration. Nun ist es mehr eine Feier als eine Demo, wir müssen nicht mehr demonstrieren“, so der 25-Jährige.

Rapper: Alter Ego Marsimoto kann in Rente

Währenddessen wummerte der Bass durch die Boxen. Marsimoto spielte auf der Bühne, der Alter Ego des erfolgreichen Rappers Marteria. „Throw your joints in the air“, rief er ins Mikro. Die Fans feierten ihn. Es war der Release Day seines neuesten und letzten Albums „Keine Intelligenz“. „Jetzt wo Kiffen legal ist, braucht es mich nicht mehr“, so Marteria alias Marsimoto.

Marismoto begeisterte mit seinem neuen und letzten Album „Keine Intelligenz“ die Versammelten.
Marismoto begeisterte mit seinem neuen und letzten Album „Keine Intelligenz“ die Versammelten.© DPA Images | Paul Zinken

Unter anderem wegen dieses Acts waren auch der 23-jährige Johannes und der 25-jährige Walter aus der Nähe von Hamburg nach Berlin gereist. „Wir wollten die Kundgebung hören, Marsimoto und die anderen Acts und den letzten Auftritt von Richter Müller sehen. Und vor allem: 420 zum ersten Mal legal feiern“, sagte Johannes. „Wir haben gerade darüber geredet, dass wir uns letztes Jahr noch nicht haben vorstellen können, dass es möglich sein wird“, fügte Walter hinzu. Neben Marsimoto traten auch Künstler wie Greeen, Marvin Game und Ganjaman beim „420 Day Smoke-In“ in Berlin auf.

Unter den Teilnehmern bei der Kundgebung und dem Fest zur Legalisierung von Cannabis am Brandenburger Tor war auch Jugendrichter Andreas Müller, der als langjähriger Legalisierungs-Fürsprecher gilt.
Unter den Teilnehmern bei der Kundgebung und dem Fest zur Legalisierung von Cannabis am Brandenburger Tor war auch Jugendrichter Andreas Müller, der als langjähriger Legalisierungs-Fürsprecher gilt.© dpa | Paul Zinken

Der Berliner Jugendrichter Andreas Müller, der sich für die Entkriminalisierung starkmachte, hielt ebenfalls eine Rede. Auch er will sich ob der Teil-Legalisierung aus der Öffentlichkeit zurückziehen. „Normal habe ich meine Rede immer mit ‚liebe Kriminelle‘ begonnen. Nun kann ich meine Rede beginnen mit ‚liebe nicht mehr Kriminalisierte‘.“

Das sind die Auflagen für Cannabis-Konsumierende

Wer 18 Jahre oder älter ist, darf seit dem 1. April 2024 zu Hause bis zu 50 Gramm aufbewahren und draußen maximal 25 Gramm mit sich führen. Gekifft werden darf jedoch nur außerhalb eines 100-Meter-Radiusses um den Eingangsbereich von Einrichtungen wie Schulen.. Ab Juli sollen in einem zweiten Schritt sogenannte Anbauvereine staatlich kontrolliert unter strengen Auflagen Cannabis anbauen und an ihre Mitglieder abgeben dürfen.

Polizeiangaben zufolge versammelten sich bis zum späten Nachmittag etwa 4000 Menschen am Brandenburger Tor. Die Kundgebung soll weitgehend störungsfrei verlaufen sein.

Mehr zum Thema