• In Schmargendorf wurde am Dienstag eine Bombe aus dem Weltkrieg entdeckt
  • Die Bombenentschärfung erfolgte heute (Mittwoch, 21. Februar 2024)
  • Die Polizei richtete einen Sperrkreis ein, die Sperrung ist mittlerweile wieder aufgehoben
  • Die Evakuierung war erst nach Stunden abgeschlossen
  • Um 17.45 Uhr gab die Polizei die Entschärfung der Bombe bekannt

Im Berliner Ortsteil Schmargendorf (Charlottenburg-Wilmersdorf) ist am Mittwoch eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. Experten der Polizei setzten dafür eine Hochdruckwasserschneidanlage ein. Gegen 18 Uhr gab es dann Entwarnung, der Sperrkreis konnte wieder aufgehoben werden. Die 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe war am Dienstag bei Bauarbeiten an der Mecklenburgischen Straße entdeckt worden.

Diese Bombe wird am Mittwoch entschärft.
Diese Bombe wird am Mittwoch entschärft.© Polizei Berlin | Polizei Berlin

Bereits seit dem frühen Morgen liefen die Vorbereitungen für die Entschärfung. 7500 Menschen mussten in einem 500-Meter-Sperrkreis ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Auch drei Kindertagesstätten wurden geräumt. Beim Kurznachrichtendienst X veröffentlichte die Polizei Fotos des Blindgängers. Zudem zeigte ein auf X veröffentlichtes Video das Vorgehen der Polizei. Um alle Anwohner zu erreichen, fuhren die Beamten durch den Sperrkreis und machten Lautsprecherdurchsagen. Außerdem klingelten sie an Türen, kontrollierten Parks und Hauseingänge. Zufahrtswege wurden abgeriegelt.

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Bombenentschärfung in Schmargendorf: Es standen Notunterkünfte bereit

Insgesamt gab es drei Notunterkünfte. Diese standen all jenen offen, die in der Zeit der Entschärfung nicht bei Verwandten oder Freunden unterkommen konnten. Es gab kalte Getränke, Kaffee und kleine Speisen. Für Menschen, die sich nicht selbständig dorthin begeben konnten, standen an der Wiesbadener Straße Ecke Schlangenbader Straße Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zur Verfügung.

In der Gretel-Bergmann-Sporthalle in Wilmersdorf hielten sich am Vormittag vor allem ältere, alleinstehende Menschen auf, nach und nach kamen immer mehr an. Viele von ihnen saßen missmutig auf provisorisch hergerichteten Stühlen und Bänken, nippten an ihrem Heißgetränk, Hunde bellten aufgeregt. Einer älteren Frau aus der „Schlange“ war gerade nicht nach Reden über die Situation zumute. „Wissen Sie wie lange so etwas dauert?“, fragte sie stattdessen mit einem Hauch von Verzweiflung in der Stimme.

Bombenentschärfung in Berlin: So reagieren die Anwohner auf die Evakuierung

Polizisten sperren in Schmargendorf im Berliner Westen einen Weg an einer Gartenkolonie.
Polizisten sperren in Schmargendorf im Berliner Westen einen Weg an einer Gartenkolonie.© DPA Images | Paul Zinken

Vielerorts herrschte Unverständnis und Verwirrung in den Wohngebieten rund um den gesperrten Schlangenbader Tunnel. „Meine Tochter hat mich gestern angerufen und mir gesagt, dass ich heute wegen einer Bombenentschärfung aus der Wohnung muss“, sagte eine ältere Dame, die recht verloren an der Ecke zur Sodener Straße stand, im Hintergrund der riesenhafte Wohnkomplex „Schlange“ mit seinen über 1000 Wohneinheiten. „Aber wo soll ich denn genau hin?“ Eine Frage, die sich an diesem Mittwochmorgen mit Sicherheit nicht nur sie stellte.

Um 9.20 Uhr war Anwohner Lutz Köhler aber noch immer seelenruhig auf dem Weg zu seinem Wagen, den Aktenkoffer unter die Schulter geklemmt. Um ihn herum begannen Nachbarn ihren Tag zeitgleich unbekümmert mit einem Spaziergang mit ihren Hunden. „Ich habe das mit der Bombe nicht mitbekommen, es gab keine Aushänge“, sagte er im Vorbeigehen. „Ist aber auch ganz egal. Ich muss zur Arbeit. Hoffentlich geht alles gut.“

Polizisten gehen in Schmargendorf im Berliner Westen an einer Gartenkolonie vorbei.
Polizisten gehen in Schmargendorf im Berliner Westen an einer Gartenkolonie vorbei.© DPA Images | Paul Zinken

Es sei normal, dass in der Kürze der Zeit nicht alle etwas von der Evakuierung mitbekommen hätten, so ein Sprecher auf Anfrage. Die Bombe war zwar schon am Dienstagnachmittag gefunden worden, aber erst gegen Abend hatte es allgemeine Informationen gegeben. Es sei aber alles im üblichen Zeitrahmen abgelaufen. „Im Hintergrund gab es schon sehr viel Zusammenarbeit mit Kontaktbereichsbeamten und dem Bezirksamt“, versicherte der Sprecher. So hätten die drei Kitas im Sperrkreis schon im Vorfeld die Eltern über die heutige Schließung informieren können. Für Aushänge in den Häusern sei jedoch in der Tat keine Zeit gewesen, so der Sprecher. In den Eingängen hingen stattdessen nur Flyer zu einer Informationsveranstaltung zum Titania-Filmpalast.

Das hat unmittelbare Auswirkungen. Abgesehen von einigen jungen Hobbyfotografen, die gespannt um die abgesperrte Baustelle rumlungerten, schien kaum jemand etwas von der Evakuierung mitbekommen zu haben. An jeder Ecke wurde am Mittwoch jedenfalls versucht, normal in den Alltag zu starten. Eine Fima aus Uelzen wollte einen Graben in einer Grünanalage gegenüber der Baustelle anlegen, ein Mann rollte eine Schubkarre mit Reifen zu einer nahen Kleingartenkolonie, Jogger machten sich auf ihren üblichen Weg und Handwerker, Bauarbeiter und Monteure gingen ihren Aufträgen nach. Sie alle mussten schnell wieder mit ihrem Tagwerk aufhören.

So auch die Anwohner, die in einem nahen Supermarkt einkaufen gehen wollten. „Kaffee nur noch 20 Minuten und to go“, erschallte es kurz vor neun Uhr hinter der Theke einer dazugehörigen Bäckerei. Sehr zum Missmut von Rentner Heinz Krüger: „Ich wollte doch nur in Ruhe die Zeitung lesen“. Auch eine bekannte Fastfood-Kette an der nahen Autobahnauffahrt musste vorzeitig schließen. „Egal, ich wohne nicht hier“, sagte eine Mitarbeiterin lächelnd. „Habe ich eben einen kurzen Arbeitstag“.