Berlin kann als drittkleinstes Bundesland nur wenig Ackerfläche vorweisen. Vereinzelt tummeln sich in den Randbezirken Kladow oder Lübars ein paar Bauern, die ein Stückchen Fläche der sonst so urbanen Hauptstadt erhaschen konnten. Dennoch rückt Berlin für die Landwirte der Republik auch in diesem Jahr wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn ab dem 19. Januar die Grüne Woche in den Messehallen am Funkturm die Tore öffnet.
Die kaum vorhandene Ackerfläche Berlins kann dafür das Nachbarbundesland ausgleichen. Mit einer eigenen Halle ist Brandenburg nun schon zum 30. Mal dabei – und darf sich über einen vollen Belegungsplan freuen. „Wir sind mit 250 Ausstellern an 68 Ständen vertreten“, sagte Brandenburgs Agrarminister Axel Vogel (Grüne) während einer Pressekonferenz, bei der er gemeinsam mit Vertretern der Branche das Messekonzept präsentierte. „Wir sind ausgebucht.“
In den Vorjahren der Pandemie soll die Messe einmal 400.000 Besucher willkommen geheißen haben. Noch im vergangenen Jahr habe die Grüne Woche 300.000 Gäste begrüßt, von denen 69 Prozent aus Berlin und Brandenburg stammen. „Wir wollen natürlich die Berliner und Brandenburger Konsumenten erreichen“, so Vogel, der auf Nachfrage auf die Unterrepräsentation anderer Bundesländer wie Schleswig-Holstein verweist.
Brandenburger Weine auf dem Vormarsch
Für Brandenburg stehe wie auch im letzten Jahr Regionales im Mittelpunkt. Freuen dürften sich die Besucher über drei Biergärten und eine Weinlounge, wo neben anderen ostdeutschen Tropfen die des Berliner Nachbarlandes verköstigt werden können. „Ich freue mich, dass der Brandenburger bzw. ostdeutsche Wein auf dem Vormarsch ist“, sagte Henrik Wendorff, Präsident des Bauernverbandes Brandenburg, der dieses neue Geschäftsfeld auch in den Folgen des Klimawandels begründet sieht.

Zudem dürfte der Besuch digitaler werden: An den Ständen der Brandenburg-Halle 21a hängen interaktive Terminals, an denen die Interessen der Besucher abgefragt werden. QR-Codes können laut Vogel mit dem Handy gescannt werden, um weiterführende Informationen zu erlangen.
Kochstudio verköstigt in Brandenburg-Halle die Besucher
27 Gemeinschaftsstände mit wechselnden Anbietern sorgen laut dem brandenburgischen Landwirtschaftsminister für mehr Vielfalt in der Halle. An einem „Startup-Spot“ könnten sich junge Unternehmen wie „Seenland-Safran“ aus der Lausitz oder die Potsdamer Brauerei „Kessel und Kelle Craftbier“ präsentieren. Für private Besucherinnen und Besucher der Grünen Woche dürfte das Kochstudio interessant werden, wo Gastronomen aus Restaurants der Region für Verköstigung sorgen.
Wenn Regionales ein Thema ist, liegt die ökologische Landwirtschaft nicht weit. 17 der Brandenburger Aussteller bieten ausschließlich Bio-Produkte an. „Neu ist, dass nebenan in der Halle 22 nach vier Jahren erstmals wieder eine Bio-Halle stattfindet“, sagte Michael Wimmer von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. Er vertritt eine Branche, die nach eigenen Angaben positiv in die Zukunft blickt. „Die letzten Monate haben reihum die Umsätze wieder angezogen“, so der Vertreter der Bio-Branche.
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Grüne Woche im Zeichen der Bauernproteste
Ein Optimismus, den andere Teile der Branche nicht unterstreichen können. Denn neben der Regionalität dürfte als ein weiterer – wenn auch ungeplanter – Schwerpunkt der aktuelle Unmut der Landwirte dominieren. Noch am Montag vor dem Messestart ruft der Deutsche Bauernverband im Rahmen seiner Aktionswoche zu einer groß angelegten Kundgebung in Berlin auf.

„Die Grüne Woche findet unter besonderen Vorzeichen statt“, räumt auch Landwirtschaftsminister Vogel ein. „Wenn ich wüsste, dass der Konflikt sehr schnell beendet wird, dann ist auch das Risiko für die Grüne Woche sehr gering“, sagte Bauernvertreter Wendorff mit Blick auf mögliche Aktionen der Landwirte. Nicht auszuschließen sei es, dass es Überlegungen zu „Veranstaltungen“ vor oder auf der Grünen Woche gebe.
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Branche beklagt schrumpfende Margen
Im Zuge der zunächst angekündigten Abschaffung der Subventionen für die Kfz-Steuer und Agrardiesel ist die Branche seit Wochen in Aufruhr. „Die Landwirte und Landwirtinnen stehen jenseits der Frage des Agrardiesels vor großen Herausforderungen. Ich nenne an erster Stelle die Klimaveränderung“, so Landwirtschaftsminister Vogel. „Wenn wir über landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge reden, müssen auch Angebote des Umstiegs vorhanden sein“, so der Minister, der grundsätzlich auf klimaschädliche Subventionen verzichten möchte.
„Die Ernährungswirtschaft sieht sich kurz vor der Grünen Woche im dritten harten Krisenjahr“, beklagt Hanka Mittelstädt, Vorsitzende des Agrarmarketingverbands pro agro. Die Folgen von Preissteigerungen bei Lebensmitteln würden zu weniger privaten Haushaltsausgaben führen. 55 Prozent der Unternehmen hätten laut Branchenbarometer 2023 ein schlechteres Geschäftsjahr als im Vorjahr, so die Mitbestandsvertreterin. „Der Discount und die Handelsmarken der großen Handelskonzerne gewinnen. Wir als mittelständische, kleine regionale Marken verlieren leider Gottes an Marktanteil.“



