Ein fehlerhafte Ausschreibung für die Austragung der Europameisterschaft im kommenden Jahr hat zur erheblichen Kostensteigerung für das Land Berlin geführt. Statt wie bisher geplant mit 64,6 Millionen Euro muss Berlin nun fast 82 Millionen Euro ausgeben, räumte Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) am Freitag im Sportausschuss ein.

Im ursprünglichen Entwurf fehlten zahlreiche Leistungsbeschreibungen für das Event und das Fanfest, so dass die Ausschreibung revidiert und neu formuliert werden musste, sagte Spranger. Auch die allgemeinen Preissteigerungen für Dienstleister hätten zu Kostensteigerungen in vielen Bereichen geführt. Das habe zu weiteren Steigerungen in Höhe von insgesamt 16,5 Millionen Euro geführt.

Spranger sagte, sie habe sofort gehandelt, als ihr die fehlerhafte Ausschreibung bekannt wurde. Gleichzeitig habe sie das Organisationsteam neu und größer aufgestellt, damit die Vorbereitungen für das sportliche Großevent vom 14. Juni bis zum 14. Juli kommenden Jahres reibungslos verliefen.

Spranger macht keine Angaben zu den Gründen des Rauswurfs ihrer Staatssekretärin

Ob die fehlerhafte Ausschreibung Auslöser für den Rauswurf ihrer Sportstaatssekretärin Nicola Böcker-Giannini gewesen sei, lies Spranger auch an diesem Freitag offen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes der geschassten Staatssekretärin werde sie sich nicht dazu äußern. Schon am Tag zuvor hatte sie alle Fragen dazu im Abgeordnetenhaus unbeantwortet gelassen.

Spranger hatte die Staatssekretärin Anfang der Woche vom Dienst suspendiert und eine Art Hausverbot erteilt. Böcker-Giannini geht juristisch dagegen vor.

Die neuerlichen Kostensteigerungen für die Austragung der EM betreffen nahezu alle Aspekte des Events. „Es gab Faktoren, die bei der bisherigen Planung nicht berücksichtigt wurden“, sagte Spranger. Allein für die Ertüchtigung des Olympiastadions sind zusätzliche Millionenbeträge notwendig. So habe in der ursprünglichen Ausschreibung der Umbau für mehr Rollstuhlplätze vollkommen gefehlt, die Aufstockung der Toiletten sei zu gering veranschlagt gewesen, auch die geforderte Aufrüstung der Kameratechnik und die neuen Einlass-Drehtüren werden teurer als ursprünglich geplant. Schließlich hätten sich auch die Sicherheitsanforderungen verändert, so dass allein dafür 4,2 Millionen Euro zusätzlich nötig sind, sagte Spranger.

Weitere Kostensteigerungen durch gedrängten Sportkalender

Die Berliner Fußball-Legende Kevin Prince Boateng ist der EM-Botschafter für die Hauptstadt.
Die Berliner Fußball-Legende Kevin Prince Boateng ist der EM-Botschafter für die Hauptstadt. © dpa | Andreas Gora

Mehr Kosten fallen auch an, weil Berlin sich im kommenden Sommer zusammen mit neun anderen Austragungsstädten um die notwendigen Dienstleister bemüht, außerdem kurz danach die Olympischen spiele in Paris stattfinden. Die Preise der Anbieter seien dadurch gestiegen.

Berlin steht 31 Tage lang im Fokus der internationalen Öffentlichkeit

Dennoch zeigte sich Spranger überzeugt davon, dass die Europameisterschaft in Berlin ein Erfolg werde. „Berlin hat die Chance, sich erneut als Sportmetropole nicht nur zu präsentieren, sondern auch zu beweisen“, sagte die Sportsenatorin. „31 Tage lang steht Berlin zusammen mit wenig anderen Städten im Fokus.“ Die Stadt werde auch finanziell davon profitieren.

Eine gerade veröffentlichte Studie habe aufgezeigt, dass Berlin allein durch die Austragung des DFB-Finales eine Stadtrendite in Höhe von rund 52 Millionen Euro erwirtschaftet habe. Bei der EM werden sechs Spiele in der Hauptstadt ausgetragen, darunter auch das Finale. Außerdem erwartet sich die Stadt zusätzliche Einnahmen durch die Veranstaltung des Fanfestes am Brandenburger Tor und auf der Straße des 17. Juni.

Die Pläne sehen hier vor, ein riesiges Fußball-Kultur-Festival zu veranstalten. Dazu sollen auf dem Gebiet mehrere Bühnen aufgebaut werden, das Brandenburger Tor wird als Fußball-Tor eingerüstet, die Straße des 17. Juni mit Kunstrasen ausgelegt. „Es soll ein Programm nicht nur für Fußballfans, sondern für ein breites Publikum geben“, kündigte der Chef-Organisator des Fanfestes, Moritz van Dülmen von den Berliner Kulturprojekten an. Die Uefa verlange etwas Spektakuläres, sagte van Dülmen.

Neben dem Gropius Bau wird ein „Stadion der Träume“ aufgebaut

Neben den Spielen, die per Public Viewing gezeigt werden, finden rund herum zahlreiche Veranstaltungen statt. So gebe es in Zusammenarbeit mit dem Fußball-Magazin „11Freunde“ Informationen zur Geschichte des Berliner Fußballs und an verschiedenen Orten zeigt das Festival Elf-Millimeter mehrere Filme.

Geplant ist nach Angaben van Dülmens auch, dass die diesjährige Veranstaltung „Oper für Alle“ der Staatsoper Unter den Linden im Rahmen der EM vor dem Brandenburger Tor stattfindet. Zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung wird die Berliner Fanmeile mit einem Musikfestival gestartet und danach jeden Tag von 12 bis 22 Uhr geöffnet sein.

Neben dem Gropius Bau soll zudem in Zusammenarbeit mit den Berliner Festspielen ein „Stadion der Träume“ entstehen. Insgesamt erwarten die Veranstalter 2,5 Millionen Besucher in der Hauptstadt – sollten das Wetter und die Leistungen der deutschen Nationalmannschaft mitspielen.

Zahlreiche Trainingsplätze für Nationalteams

Neben dem Olympiastadion und dem Stadion am Wurfplatz auf dem ehemaligen Olympiagelände, das als Aufwärmspielfeld zur Verfügung steht, werden das Ernst-Reuter-Stadion, das Mommsenstadion und der Ludwig-Jahn-Sportpark als Trainingsplätze für die beteiligten Mannschaften hergerichtet.

Welche Mannschaften das sind, entscheidet sich am 2. Dezember. Dann werden in Hamburg die Gruppen ausgelost. Danach entscheidet sich dann auch, ob eine Mannschaft während des Turniers in Berlin die Zelte aufschlägt, was zusätzliche Gäste in die Stadt locken könnte.