Es ist seit Jahren immer dasselbe: Sobald es etwas stärker regnet, verwandeln sich in Berlin viele Straßen in Flüsse, Keller und U-Bahnhöfe laufen voll, an den S-Bahnhöfen regnet es durch die Dächer, so auch am Montag während des kurzen aber heftigen Unwetters. Während die einen verzweifelt pumpen, Schlamm schippen oder Schutz suchen, schaut die Welt halb entsetzt, halb amüsiert auf Bilder vom „Monsun” in Berlin – und den Spaß, den manche Hauptstädter offenbar damit haben.

So auch beim Starkregen Ende Juni: Am 26. Juni ging in Wilmersdorf ein Mann auf einer überschwemmten Straße in einem offenen Abwasserkanal „baden”, beobachtet und gefilmt von Reportern und Schaulustigen. Am S-Bahnhof Warschauer Straße ergoss sich eine gigantische Riesendusche durchs Dach auf den Bahnsteig und über die Anzeigetafeln, die noch Tage später vor Feuchtigkeit flimmerten.

Auch unterm Glasdach am Hauptbahnhof und am Ostbahnhof, der derzeit saniert wird, spannten Reisende Regenschirme auf oder brachten sich in Sicherheit. Selbst am frisch sanierten Bahnhof Zoo stellten Mieter der darunterliegenden S-Bahn-Bögen Eimer auf, weil der Regen bis in das Untergeschoss drang. In die U-Bahnhöfe Güntzel- und Spichernstraße in Wilmersdorf ging es über die Treppen zeitweise nur im Wasserfall nach unten – dann wurden die Bahnhöfe wegen „Wasseransammlung“ vorübergehend gesperrt.

Zwei U-Bahnhöfe wegen Wasseransammlung gesperrt

Inzwischen, so ein Sprecher der S-Bahn-Berlin, gebe es zwar für Fahrgäste an den Bahnhöfen keine Beeinträchtigungen mehr. Auch die BVG meldete auf Anfrage wenige Tage später: Inzwischen sei alles wieder gefeudelt und trocken. Zumindest bis zum nächsten Mal. Denn gerade die beiden U-Bahnhöfe stehen seit Jahren immer wieder unter Wasser.

Im Jahr 2017 regnete es binnen 18 Stunden so viel wie sonst in einem Vierteljahr. Auch die Wege der Wohnsiedlung nahe der Mäckeritzbrücke in Tegel waren überflutet.
Im Jahr 2017 regnete es binnen 18 Stunden so viel wie sonst in einem Vierteljahr. Auch die Wege der Wohnsiedlung nahe der Mäckeritzbrücke in Tegel waren überflutet.© picture alliance / Paul Zinken/dpa | Paul Zinken

Starkregen nimmt seit Jahren in Berlin zu. Bisher unerreicht ist der 29. Juni 2017 – innerhalb von 18 Stunden regnete es damals so viel wie sonst in einem Vierteljahr. 2,8 Millionen Kubikmeter Regenwasser rauschten, vermengt mit Abwasser, durch die Berliner Mischkanalisation und verschmutzten Seen und Flüsse. In den Kläranlagen kam zudem doppelt soviel Wasser an wie zu normalen Zeiten. Keller, Unterführungen und U-Bahnhöfe liefen voll. Und während die einen gegen die Wassermassen kämpften, machten sich andere einen Spaß daraus.

Warum man auf überfluteten Straßen nicht baden soll

Ein Video auf Youtube etwa zeigt einen Mann, der damals unter den Yorckbrücken in Schöneberg entlang kraulte, wo sich sonst die Autos stauen. Dass die Kanalisation überläuft und Kanaldeckel hochdrückt, passiert bei Starkregen in Berlin regelmäßig. Auch deshalb wird vorm Laufen und Baden auf überfluteten Straßen dringend gewarnt. Zudem stellt Wasser, das aus der Kanalisation hochgedrückt wird, zusätzlich zu verschmutztem Regenwasser von der Straße eine Gesundheitsgefahr dar. Es kann durch Fäkalien verschmutzt sein.

Polizei sammelt weggespülte Kennzeichen ein

Ein Problem für Autofahrer sind immer wieder weggespülte Kennzeichen, die sich auch an parkenden Autos lösen können, wenn der Wasserspiegel auf Höhe der Kennzeichen steigt. Wie jedes Mal wurden auch diesmal massenhaft weggespülte Autokennzeichen eingesammelt. Die Berliner Polizei bot sie am 27. Juni per Twitter den Eigentümern zur Wiederabholung an.

Wasserbetriebe bauen Rückhaltebecken

Schon länger warnen Fachleute, dass Großstädte wie Berlin sich besser auf Starkregen einstellen müssen. Auch die Senatsumweltverwaltung und die Berliner Wasserbetriebe steuern um. Nicht mehr das schnelle Ableiten des Wassers ist heute das alleinige Ziel des Wassermanagements. Sondern die sogenannte Schwammstadt, die Wasser zunächst sammelt, auf geeignete Areale leitet und möglichst auf Grünflächen versickern lässt. Um Berlins Gewässer vor Verschmutzungen zu schützen, bauen die Wasserbetriebe seit Jahren riesige Rückhaltebecken im Untergrund, um das Überlaufen der Mischkanäle zu reduzieren. Bis 2024 soll die derzeitige Speicherkapazität von 240.000 auf 400.000 Kubikmeter wachsen. Statt bisher etwa 40 Mal pro Jahr sollen die Kanäle dann nur noch zehn bis 20 Mal pro Jahr überlaufen.