Arbeitsmarkt

Berlin und Brandenburg: Arbeitslosigkeit im Januar gestiegen

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Miriam Schaptke
Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, stellt die Bilanz zum Arbeitsmarkt 2022 und die Prognosen für 2023 vor.

Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, stellt die Bilanz zum Arbeitsmarkt 2022 und die Prognosen für 2023 vor.

Foto: Philipp Znidar / dpa

Im Januar ist die Zahl der Arbeitslosen in Berlin und Brandenburg gestiegen. Trotzdem ist die Regionaldirektion zuversichtlich.

Berlin.  Saisonbedingt ist die Zahl der arbeitslosen Menschen in Berlin und Brandenburg im Januar gestiegen. Die Arbeitslosenquote in Berlin lag bei 9,1 Prozent, ein Plus von 0,5 Punkten im Vergleich zum Dezember. In Brandenburg stieg die Quote um 0,4 Punkte auf 6,1 Prozent, wie die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Arbeitsagentur in einer Pressekonferenz am Dienstag mitteilte.

183.519 Menschen waren in Berlin im Januar arbeitslos gemeldet, in Brandenburg 81.392. Beide Zahlen sind etwas höher als die jeweiligen Jahresdurchschnittswerte für das Jahr 2022. In Berlin waren 2022 im Schnitt 179.000 und in Brandenburg 74.000 Menschen arbeitslos. Allerdings ist der saisonbedingte Anstieg der Arbeitslosenquote nicht so hoch wie gewohnt, so Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionalkonferenz Berlin-Brandenburg. Die Prognose für 2023 sähe gut aus.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Quote sozialversicherungspflichtig Beschäftigter weiterhin positiv entwickeln wird“, sagte Schröder, die auf die große Nachfrage an Arbeits- und Fachkräften verwies. „Wir haben inzwischen in Berlin und Brandenburg einen Arbeitnehmermarkt.“ Deswegen müsse der Fokus verstärkt auf die Arbeitnehmerperspektive gerichtet werden und die Erwartungen von Schulabgängern an Ausbildungsstellen vermehrt berücksichtigt werden. Für dieses Jahr sei es außerdem Ziel, Langzeitarbeitslosen noch stärker Weiterbildungsangebote zu unterbreiten. „Wichtig ist für 2023, dass wir weiter in die berufliche Qualifizierung investieren“, betonte Schröder.

Rückgang der Arbeitslosenquote und Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in 2022

Für das zurückliegende Jahr 2022 sei eine positive Entwicklung des Arbeitsmarktes in Berlin und Brandenburg zu verbuchen. „Das Vor-Corona-Niveau von 2019 ist noch nicht erreicht, aber es ist ein großer Schritt in die Richtung getan, was den Rückgang der Arbeitslosigkeit betrifft“, sagte die Vorsitzende. In Berlin seien im Jahresdurchschnitt circa 179.000 Menschen arbeitslos gemeldet gewesen, die Arbeitslosenquote lag bei 8,8 Prozent und sank damit um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Brandenburg waren im Jahresdurchschnitt 74.000 Menschen arbeitslos, was einer Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent entsprach. 2021 lag diese bei 5,9 Prozent.

In Berlin würden alle Personengruppen von dieser positiven Entwicklung profitieren: Die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in Berlin sei um 15 Prozent zurückgegangen und bei Langzeitarbeitslosen um zwölf Prozent. Auch in Brandenburg sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen um knapp elf Prozent gesunken.

Neben dem Rückgang der Arbeitslosenquote sei in beiden Bundesländern ein Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zu verzeichnen: In Berlin stieg die Zahl deren Anzahl im Jahr 2022 um 4,5 Prozent und in Brandenburg um 1,8 Prozent. „Die Menschen in Berlin und Brandenburg haben ein breites Portfolio, aus dem sie wählen können“, so Schröder. Als Beschäftigungstreiber in Brandenburg nannte die Vorsitzende die Metall- sowie Elektrobranche, den öffentlichen Dienst und die Pflege, für Berlin die Bereiche Informatik, Kommunikation, Gastronomie und Handel.

UVB fordert: Nächste Koalition muss Schwerpunkt auf Fachkräftemangel setzten

Der Arbeitsmarkt in der Hauptstadtregion bleibe zweigeteilt, hieß es von der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB). „Auf der einen Seite herrscht in vielen Branchen ein wachsender Arbeits- und Fachkräftemangel. Zugleich ist der Jobmarkt so dynamisch wie in keiner anderen Region Deutschlands. Auf der anderen Seite steht eine beträchtliche Zahl von wenig Qualifizierten, die Schwierigkeiten haben, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen“, so Alexander Schirp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der UVB. „Angesichts der fehlenden Fachkräfte muss die nächste Koalition in Berlin hier einen Schwerpunkt setzen“, forderte Schirp.

Lutz Mania, der Geschäftsführer des Jobcenters Berlin-Mitte, bezeichnete 2022 als ein bemerkenswertes und herausforderndes Jahr. „Fast 470.000 Menschen werden durch die Jobcenter in Berlin finanziell unterstützt und haben nahtlos zum 1. Januar Bürgergeld erhalten.“ Nun würde die zweite Stufe anstehen, bei der vor allem Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Vermittlungsangebote im Fokus stünden. Neben der Umstellung auf das Bürgergeld hätte auch die Aufnahme ukrainischer Geflüchteter in die Grundsicherung – und damit in den Zuständigkeitsbereich der Jobcenter – eine Herausforderung dargestellt. Auch diese sei aber gemeistert worden, so Mania.

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