Berliner Museen

Reparieren statt wegwerfen: Eine Ausstellung zum Mitmachen

| Lesedauer: 6 Minuten
Katrin Starke
Der Globus ist eine Skulptur aus Elektroschrott.

Der Globus ist eine Skulptur aus Elektroschrott.

Foto: SDTB / Foto: C. Kirchner

Die Sonderausstellung „Reparieren! Verwenden statt verschwenden“ im Technikmuseum richtet sich insbesondere an junge Menschen.

Berlin. 

Aus einiger Entfernung sieht die große Weltkugel, die im Eingangsbereich der Ausstellung „Reparieren! Verwenden statt verschwenden“ im Deutschen Technikmuseum die Blicke der Besucher auf sich zieht, wie ein ganz normaler Globus aus. Doch aus der Nähe betrachtet, entpuppt sich der schöne blaue Planet als Skulptur aus Elektro­nikmüll. Mit seinem Schrottglobus will der Künstler Muharrem Batman darauf aufmerksam machen, in welchem riesigen Ausmaß unge­bremster Konsum die Erde vermüllen lässt.

Allein in Deutschland wirft eine vierköpfige Familie jährlich 80 Kilogramm Elektroschrott weg. „Berge von Elektroschrott, Ressourcenverschwendung, Fast Fashion: All das zeigt uns, dass wir dringend Wege aus der Wegwerfgesellschaft finden müssen“, sagt Joachim Breuninger, Direktor des Deutschen Technikmuseums. Mit der aktuellen Sonderausstellung wolle man dazu anregen, diese Wege zu finden. Reparieren sei gelebte Nachhaltigkeit und biete die ­Möglichkeit, etwas gegen zunehmende Ressourcenverschwendung und wachsende Müllberge zu tun.

Das Technikmuseum will aber nicht nur in der Theorie aufzeigen, wie wichtig das Reparieren angesichts von Klimakrise und den Folgen der Wegwerfgesellschaft ist. Das Ausrufungszeichen im Ausstellungstitel „Reparieren! Verwenden statt verschwenden“ ist bewusst gesetzt und ein klarer Appell, selbst Hand anzulegen und das Reparieren neu zu ent­decken. „Denn das ist nicht nur sinnvoll, sondern macht auch Spaß“, betont Museumschef Breuninger. Zudem helfe das Reparieren zu verstehen, wie Dinge überhaupt funktionieren. Diese ­Erfahrung können Besucher in der speziell für Familien konzipierten Ausstellung in der großen Mitmachwerkstatt sammeln. Beispielsweise können kleine und große Gäste an einer Station ein Loch in einer Riesensocke stopfen. Oder an der interaktiven Station „Deich reparieren“ gemeinsam Sandsäcke aufschichten – im Wettlauf gegen die Zeit, denn im ­angenommenen Szenario ist der Deich geborsten und muss ganz schnell geflickt werden.

Früher war das Reparieren von Gegenständen ganz normal

Werden Gegenstände heute oft weggeworfen, wenn sie nicht mehr funktionieren, war das Reparieren von Alltagsgegenständen einst die Regel – so lange, bis die Dinge endgültig ausgedient hatten. Not und Armut waren vielfach der Grund. Das zeigt die Ausstellung am Beispiel einer flächendeckend gestopften Unterhose und den mehrfach mit kleinen Lederstücken geflickten Kinderstiefeln aus den 1930er-Jahren, bei denen die Sohle zudem mit kleinen Hartgummistücken ausgebessert worden war.

Zu sehen ist außerdem ein Gerät, das zumindest junge Leute wohl kaum noch kennen: eine Repassiermaschine aus den 1950er-Jahren. Weil Nylonstrümpfe seinerzeit als ­Luxusgut ­galten, wurden mit diesen speziellen Maschinen Laufmaschen ausgebessert. „Mit einer Spezialnadel und einem gezielten Luftstrom ­wurden die neuen Nylonfäden durch die kaputten Strümpfe gezogen“, heißt es dazu erläuternd.

Die Ausstellung weist auch darauf hin, dass es Laien früher leichter ­gemacht wurde, Dinge selbst zu ­reparieren. Obwohl zum Beispiel das Rührgerät „RG28“ aus DDR-Produktion als nahezu unkaputtbar galt, ließ sich der Kult-Mixer im Fall der Fälle gut reparieren. Denn die Hülle ließ sich unkompliziert aufschrauben, während Gehäuse heute vielfach verklebt sind, wodurch Nutzern der Blick ins Innenleben eines Gerätes von vornherein verwehrt bleibt.

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Einen Reparatur-Ausflug ins All gibt es auch

Das müsse sich wieder ändern, fordert Bundesumweltministerin Steffi Lemke, die Schirmherrin der „Reparieren!“-Ausstellung im Technikmuseum. Bei der Eröffnung sagte sie, vor allem hochwertige Konsumgüter mit Akkus müssten von Anfang an als reparierbares und wiederverwendbares Produkt gedacht und gebaut werden. Die EU-Kommission hatte im Oktober einen Gesetzesvorschlag angekündigt, wonach Produkte einfacher repariert werden könnten. Auch SPD, Grüne und FDP hatten sich im Koalitionsvertrag auf ein „Recht auf Reparatur“ verständigt.

Die Ausstellung erinnert auch an ein recht spektakuläres Reparatur-­Beispiel – an die improvisierte Reparatur der Luftfilterung in der Apollo-13-Kapsel, die den Astronauten bei ihrer Weltraum-Mission im Jahr 1970 das Überleben sicherte.

Wie Pflanzen, Tiere und andere Lebewesen sich „selbst reparieren“, ist ein weiteres spannendes Thema der Ausstellung. So ist der Axolotl ein wahrer Meister der Selbstreparatur. Deshalb ist der mexikanische Lurch auch das Maskottchen der „Reparieren!“-Schau. Er kann seine Glied­maßen in kurzer Zeit neu bilden, wenn diese abgetrennt wurden. Zwei Exemplare dieses außergewöhnlichen Tieres können in der Ausstellung ­besucht und beobachtet werden. „Sie werden dort artgerecht gehalten und finden im Anschluss ein neues Zuhause in der Biologie-Station einer Berliner Oberschule“, betont Pressesprecherin Tiziana Zugaro. Von der Mikrobe bis zur Mittagsblume wird gezeigt, dass die Selbstreparatur bei ­vielen Lebewesen ganz natürlich ist und ein Vorbild für den Einsatz von Technik sein kann.

Museums-Info

  • Deutsches Technikmuseum Trebbiner Str. 9, Kreuzberg, Zugang über Möckernstr. 26. Tel. 90 25 40, Di.–Fr. 9–17.30 Uhr, Sbd.+So. 10–18 Uhr, Karten: 8, erm. 4 Euro, bis 18 J. frei, www.technikmuseum.berlin
  • Ausstellung „Reparieren! Verwenden statt verschwenden“, Sonderausstellung, bis 3.9.
  • Weitere Angebote Schulklassen können kostenfreie Reparier-Workshops buchen. Zudem wird monatlich ein Repair-Café angeboten, in dem Besucher mit Unterstützung reparieren können. Außerdem gibt es Familienworkshops, in denen etwa aus Socken und Knöpfen Axolotl-Handpuppen genäht werden.

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