Radverkehr Reinickendorf

Für Autos gesperrt: Die Dianastraße soll Kiezblock werden

| Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Krampitz
Anwohner wünschen sich, dass der Dianakiez für den Durchgangsverkehr gesperrt werden soll.

Anwohner wünschen sich, dass der Dianakiez für den Durchgangsverkehr gesperrt werden soll.

Foto: Dirk Krampitz

Wie ein Anwohner mit nur 30 Euro die Diskussion über die Verkehrsberuhigung seines Kiezes angeschoben hat.

Berlin.  Eigentlich ist sie eine ruhige Wohnstraße. Doch in den vergangenen Jahren ist sie immer mehr zur vielbefahrenen Abkürzung zwischen Waidmannsluster Damm und dem Oraniendamm geworden: Die Dianastraße in Waidmannslust. Doch seit Ende September ist sie so ruhig wie seit Jahren nicht mehr. Die Dianastraße ist wegen eines Rohrbruchs in beiden Richtungen zwischen Artemisstraße und Hubertusstraße für den KFZ-Verkehr gesperrt. Noch bis Ende Januar wird das dauern. Und wenn es nach dem Anwohner Martin Brunzema geht, soll es danach möglichst so weitergehen. Er will hier einen Kiezblock installieren, wie sie in Berlin überall aus dem Boden schießen.

Mit einer Reihe von Pollern an der Kreuzung Artemisstraße / Dianastraße soll der Durchgangsverkehr dort verhindert und der Autoverkehr so umgelenkt, dass sich die Fahrt durch das Wohngebiet nicht mehr als Abkürzung taugt. Die Kfz-Verkehrsdichte im Dianakiez würde drastisch abnehmen und gefährdete Verkehrsteilnehmer würden besser geschützt. Um für seine Idee zu werben, hat der Informatiker Brunzema 1000 Postkarten für 30 Euro drucken lassen und sie in der Nachbarschaft verteilt. Als Zeichen der Zustimmung sollten sie unterschrieben zurückgeschickt werden. Ein knappes Zehntel hat er zurück. „Es ist ja nun sicher auch ganz hilfreich, dass die Anwohner durch die Sperrung spüren, wie positiv sich eine Verkehrsberuhigung auswirkt.“

Der Initiator hat früher selbst gern die Abkürzung genommen

Brunzema ist Mitglied im ADFC, hat Verbindungen zum Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf, ist aber kein Autohasser, er halt selbst eins. Und sogar die Abkürzung hat er selbst lange genutzt. „Aber inzwischen lasse ich das ganz natürlich ganz bewusst sein.“

Denn der Autoverkehr sei vor allem für Radfahrer in der stark zugeparkten Dianastraße gefährlich. Durch die vielen parkenden Autos steht oft nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. „Ich fahre mit dem Fahrrad zum Einkaufen über die Dianastraße, und ich bemerke, wie mich die Konkurrenz zwischen Auto und Fahrrad immer mehr stresst. Die Straße ist schmal, auf beiden Seiten wird geparkt und da kann man eigentlich nicht überholen und trotzdem machen es die Autofahrer.“

Aber nicht nur Radfahrer sind gefährdet, es gibt im Dianakiez mehrere Schulen, Kitas, ein Altersheim und den von Familien stark genutzten Dianaplatz.

Stadträtin hat die Karten bekommen

Fahrrad- und Autoverkehr sind im Berliner Zentrum schon lange Reizthemen. Nun kommt die Diskussion auch immer mehr in den Außenbezirken an. Aber offenbar fehlt dabei die Aggression. „Ich hatte zuerst Angst vor negativen Reaktionen, aber die sind ausgeblieben“, erzählt Brunzema. Einige Nachbarn und entferntere Anwohner haben bei ihm geklingelt und das Gespräch gesucht. Nun hat Brunzema die unterschriebenen Karten wurden der Reinickendorfer Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr Korinna Stephan übergeben.

Die Stadträtin findet die Idee grundsätzlich sympathisch. Über ein Dialogdisplay wurde 2013 die Verkehrsströme erhoben. Dort wurde die Verkehrsmengenverteilung über den Tag hin erfasst und eine deutliche Häufung der Verkehrsmengen in den Morgenstunden sowie in den Abendstunden gemessen. Dies deutet auf die klassischen Berufsverkehrspendler hin. „Dies sind natürlich auch gerade die Stunden, in denen Kinder zur Schule fahren oder nachmittags aus den Schulen oder Kitas kommen und auch auf dem Weg von und zu ihren Vereinen etc. sind. Daher sehe ich vor allem aus dem Aspekt der Verkehrssicherheit hier Handlungsbedarf.“

Die Entwicklung hängt auch ab von einem anderen Quartier

Wie es weitergeht, ist allerdings noch nicht klar, darüber müsse man noch sprechen. „Verschiedene Aspekte wie die Erreichbarkeiten als auch Wendemöglichkeiten für Feuerwehrfahrzeuge und Entsorgungsunternehmen müssen gewährleistet sei, derzeit befindet sich die Route des Vorrangnetzes für den Radverkehr entlang der Artemisstraße, auch die Verkehrsströme aus der Heinsestraße kommend bzw. die in dort angestrebten Veränderungen müssen mit in die Überlegungen einbezogen werden.“

Für die Machbarkeitsstudie zur verkehrlichen Neugestaltung des Quartiers rund um die nördlich der Dianastraße gelegene Heinsestraße gibt es in diesem Jahr mehrere Termine zur Bürgerbeteiligung. Einer ist bereits Donnerstag der der kommenden Woche um 17 Uhr online geplant. Interessenten werden gebeten, sich bis zum 24. Januar unter heinsestrasse@interlink-verkehr.de anzumelden.

Die Umgestaltung der dortigen Verkehrsführung wird nämlich unmittelbar auch Auswirkung auf den Dianakiez haben „Dabei gilt es zu vermeiden, dass der Verkehr in den Dianakiez umgeleitet wird. Vielmehr soll eine allgemeine Verkehrsberuhigung mit sicheren Wegen für Fußgängerinnen und Fußgängern sowie Fahrradfahrenden und der Ausbau des ÖPNV werden hier eine Rolle spielen“, so die Stadträtin.

Lesen Sie hier mehr aus Reinickendorf