Grand Hyatt

Berliner Presseball feiert seinen 150. Geburtstag

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Nina Hermann
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey überreicht Lech Walesa den Ehrenpreis.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey überreicht Lech Walesa den Ehrenpreis.

Foto: Jörg Krauthöfer

Nobelpreisträger Lech Walesa bekommt beim Berliner Presseball den Ehrenpreis verliehen. Lesen Sie, welche Prominente dabei waren.

Berlin.  Er ist der älteste Ball der Welt, vier Jahre älter als der Wiener Opernball. Zwischenzeitlich bereits totgesagt, feierte der Berliner Presseball am Sonnabend im Grand Hyatt am Potsdamer Platz sein 150-jähriges Bestehen. Wegen Corona mit einem Jahr Verspätung. Dafür mit einem Nobelpreisträger: Polens ehemaligem Staatspräsidenten Lech Walesa, der von Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey den Ehrenpreis des Berliner Presseballs überreicht bekam.

In seiner frei gehaltenen Dankesrede betonte der 80-Jährige die Bedeutung der freien Presse im heutigen Europa und zu seiner Zeit als Solidarność-Führer: "Sie war mein Treibstoff, ihr verdanke ich 70 Prozent meines Erfolges." Walesa verbrachte den Abend zwischen Tischnachbarin Giffey und dem neuen ukrainischen Botschafter Oleksii Makejev.

Ebenfalls in der Runde dabei: Gérard Biard, Chefredakteur der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo", der sich angeregt mit Nachbar Michel Friedman unterhielt. So wie am Tisch nebenan Familienministerin Lisa Paus (in eleganter cremefarbener Robe und mit Glitzer-Clutch) und der französische Botschafter Francois Delattre. "In Zeiten des Krieges ist der diplomatische Austausch wichtiger denn je", so Paus zur Berliner Morgenpost.

Oliver Kalkhofe besuchte den Berliner Presseball zum ersten Mal

Wie für die Ministerin war es auch für Oliver Kalkhofe der erste Besuch beim Berliner Presseball. "Einmal im Jahr einen Ball mitzunehmen, ist eine schöne Sache", sagte der Schauspieler und Komiker. Ansonsten kamen viele Stammgäste ins "Grand Hyatt", die dem Ball seit Jahren die Treue halten und bis zu 1000 Euro (inklusive Übernachtung) zahlten.

Auf dem Abendprogramm stand in guter alter Tradition die Charity-Tombola, deren Erlös in diesem Jahr an Kolibri e.V. und die Berliner Kältehilfe geht. Zudem sahen die 600 Gäste Auftritte der "Blue Man Group", der "Comedian Harmonists" und der Sandanimationskünstlerin Aljona Voynova, die 150 Jahre Presseball Berlin auf künstlerische Weise Revue passieren ließ.

Erster Berliner Presseball fand 1872 statt

"Der Berliner Presseball ist ein gesundes, solides Netzwerken zwischen diversen Kulturen, Religionen und sexuellen Neigungen", so Presseball-Chef Mario Koss. "Gerade die interkulturellen Gespräche sind sehr wichtig für das Verstehen und den gemeinsamen Austausch."

Der erste Berliner Presseball fand am 9. März 1872 als Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten notleidender Journalisten des Vereins Berliner Presse statt und erbrachte einen "Reingewinn" von 450 Reichsmark. Zu Mauerzeiten war der Ball dann das wichtigste gesellschaftliche Ereignis in West-Berlin und die Gästeliste ein festliches Symbol für den Durchhaltewillen der Halbstadt.

Über 300.000 Gäste aus 163 Nationen haben den Berliner Presseball besucht, darunter die Bundespräsidenten Carstens und Scheel, die Bundeskanzler Brandt, Schmidt, Kohl und Schröder sowie Schauspiellegenden wie Hildegard Knef, Marlene Dietrich und Gina Lollobrigida.