Nahverkehr

U7-Verlängerung in Spandau rückt nach hinten

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Der geplante Ausbau der U7 vom Rathaus Spandau in Richtung Heerstraße rückt nach Senatsplänen weiter nach hinten.

Der geplante Ausbau der U7 vom Rathaus Spandau in Richtung Heerstraße rückt nach Senatsplänen weiter nach hinten.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin plant den Ausbau der U3 zum Mexikoplatz und der U7 zum Flughafen BER weiter. Die U7-Verlängerung in Spandau folgt erst später.

Berlin.  Der rot-grün-rote Senat hat sich vorgenommen, den Ausbau mehrerer U-Bahn-Linien weiter zu planen, nun hat Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch erklärt, welche Strecken dabei Priorität haben – und hat damit Kritik auf sich gezogen: Wie die Grünen-Politikerin im Mobilitätsausschuss des Abgeordnetenhauses sagte, gehen die Vorbereitungen für die Verlängerung der U3 bis zum Mexikoplatz in die nächste Phase; ebenfalls stehe der Ausbau der U7 zum Flughafen BER oben auf der Prioritätenliste. Nach hinten rückt damit die U7-Verlängerung in Spandau. Auch die weitere Planung für die U2 nach Pankow Kirche (Ossietzkystraße) und die U8 ins Märkische Viertel erfolgen damit später.

Vor allem die Entscheidung, den im Bezirk Spandau dringend erwarteten Ausbau der U7 vom Rathaus Spandau in Richtung Heerstraße in der Bearbeitung hinten anzustellen, stieß auf Kritik. „Diese ablehnende Entscheidung betrifft direkt zehntausende Menschen in Spandau“, erklärte Spandaus Bezirksbürgermeisterin Carola Brückner (SPD) in einer Mitteilung. Sie erwarte, dass der Entschluss rückgängig gemacht werde.

Priorisierung wird mit Personalkapazitäten begründet

Jarasch hatte die Priorisierung der U-Bahn-Projekte mit den vorhandenen Personalkapazitäten erklärt. Bislang ist in der Senatsverkehrsverwaltung eine Stelle besetzt, die sich ausschließlich um den U-Bahn-Bau kümmern soll, sagte die Grünen-Politikerin. Eine zweite solche Planungsstelle soll zu Beginn des nächsten Jahres folgen. Dass die Besetzung nicht früher geschehen ist, begründete Jarasch mit der vorläufigen Haushaltswirtschaft, die bis zum Beschluss des aktuellen Doppelhaushalts im Juni gegolten habe. „Sobald wir weitere Stellen haben, können wir natürlich auch die anderen Projekte weiter vorantreiben“, erklärte die Senatorin weiter, die bei der Wiederholungswahl im Februar im Wahlkreis 2 in Spandau kandidieren muss. Jarasch war dort nachgerückt, weil der Kandidat der Grünen der vergangenen Wahl inzwischen nicht mehr in Berlin wohnt.

Die Opposition im Abgeordnetenhaus reagierte ebenfalls mit Unverständnis darauf, dass die U7 in der Prioritätenliste nicht vorne steht. „Dass das angeblich an fehlenden Mitarbeitern liegen soll, ist schlichtweg lächerlich“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici. „Der vorhersehbare Mangel an Fachkräften hätte längst beseitigt sein können.“ Auch Felix Reifschneider, Verkehrsexperte der FDP-Fraktion, nannte den U-Bahn-Ausbau für den Berliner Senat einen „blinden Fleck“. „Trotz hoher Investitionen haben U-Bahn-Strecken oft ein sehr gutes Nutzen-Kosten-Verhältnis“, so Reifschneider. Warum Rot-Grün-Rot den U-Bahnausbau ausbremse, bleibe unverständlich.

U3-Verlängerung: 800 Meter langer Tunnel ist nötig

Für die Verlängerung der U-Bahn-Linie U3 bis zum Mexikoplatz hat die Projekt GmbH der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die bereits den Lückenschluss bei der U5 verantwortet hat, derweil in dieser Woche die Generalplanung ausgeschrieben. Im März, so sieht es der Zeitplan vor, soll ein Planungsunternehmen den Zuschlag erhalten. Einen Baubeginn hält Jarasch damit weiterhin für diese Legislatur, also vor September 2026, für realistisch. Neben den weiteren Planungsleistungen soll auch die Nutzen-Kosten-Untersuchung, die nötig für den Erhalt von Bundesfördermitteln ist, zeitnah angegangen und Anfang 2023 ausgeschrieben werden. Indem beide Schritte parallel ablaufen, wolle man das Projekt beschleunigen, erklärte Jarasch.

Dass man bei der U3 „schnell in eine Realisierung“ kommen solle, hatte dabei Jaraschs Vorgängerin Regine Günther bereits im Februar 2021 angekündigt. Der Lückenschluss gilt als das mutmaßlich einfachste U-Bahn-Projekt in Berlin – nötig ist zwischen dem jetzigen Endhaltepunkt, dem U-Bahnhof Krumme Lanke, und dem S-Bahnhof Mexikoplatz, an dem die Linie S1 hält, lediglich ein circa 800 Meter langer Tunnel mit zwei Gleisen.

Dazu soll ein neuer barrierefreier U-Bahnhof mit drei weiteren Aufstellgleisen geplant werden, um beispielsweise neue Züge abzustellen, die für die verlängerte Strecke nötig werden. Und auch die Möglichkeit eines weiteren Streckenausbaus bis hin zur Stadtgrenze soll in den Planungen berücksichtigt werden. Als Herausforderung gilt allerdings, dass der Mexikoplatz samt S-Bahnhof unter Denkmalschutz steht. Die Projektgruppe aus Mitarbeitern der Verkehrsverwaltung und der BVG-Projektgesellschaft habe aber für den Übergang zwischen S- und U-Bahn an dem geschützten Platz bereits gute Lösungen erarbeitet, so Jarasch. Die Bauzeit für die Verlängerung wird in einem überarbeiteten Konzept der BVG-Projektgesellschaft je nach Variante auf 56 bis 62 Monate geschätzt.

Zwei Planer für den U-Bahn-Ausbau in der Verkehrsverwaltung

Die Verlängerung der Linie U7 zum Hauptstadtflughafen BER hatte vor allem die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die in Rudow ihren Wahlkreis hat, immer wieder gefordert. Allerdings liegt ein großer Teil der Strecke in Brandenburg, wo den Regelungen entsprechend der Landkreis Dahme-Spreewald für die weitere Planung zuständig wäre. Damit man vorankomme, habe die Berliner Senatsverkehrsverwaltung nun angeboten, die nötige Nutzen-Kosten-Analyse federführend zu übernehmen, so Jarasch. Eine Leistungsbeschreibung dafür sei „in der Finalisierung“.

Die Machbarkeit für die Verlängerung der U7 zum Flughafen war bereits Anfang 2021, also vor knapp zwei Jahren, bestätigt worden. Was den weiteren Projektablauf betrifft, äußerte sich Jarasch aber zurückhaltend. „Um richtig voranzukommen, bräuchte es ein Signal des Landes Brandenburg, dass sie so eine U-Bahn-Strecke zum BER auch als ein Projekt mit einer landesweiten Bedeutung sehen“, so Jarasch. Dieses Signal fehle aber bislang.