Gesundheitswesen

Vivantes-Pflegekräfte fordern Bonus von Karl Lauterbach

| Lesedauer: 2 Minuten
Joachim Fahrun
Durch Corona belastete Pflegekräfte sollen einen Bonus bekommen. Aber viele Beschäftigte in den Kliniken gehen leer aus

Durch Corona belastete Pflegekräfte sollen einen Bonus bekommen. Aber viele Beschäftigte in den Kliniken gehen leer aus

Foto: Kristina Schaefer / epd

Die Corona-Prämie geht nur an einige Beschäftigte. Das finden viele ungerecht, weil auch sie mit der Pandemie kämpfen mussten.

Berlin. Der Pflegebonus der Bundesregierung sollte eine Signal der Anerkennung für während der Corona-Pandemie schwer belastete Pflegekräfte in den Krankenhäusern sein. Aber was als großzügige Geste gedacht war, sorgt jetzt für Frust in den Kliniken.

Zwei Pflegerinnen aus dem Vivantes-Klinikum Neukölln haben sich jetzt mit einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gewandt. Ümmiye Gül und Nadine Haas äußern darin ihr Unverständnis und schreiben, sie könnten „die Grundlagen der Entscheidung zu den Anspruchsberechtigten überhaupt nicht nachvollziehen“. Wie ihnen geht es 1876 Vivantes-Beschäftigten, die den Brief an den Minister ebenfalls unterzeichnet haben.

Der Pflegebonus kann bis zu 3000 Euro ausmachen, steuer- und abgabenfrei

Der Pflegebonus von bis zu 3000 steuer- und abgabenfreien Euro soll über die Krankenhausträger an solche Pflegekräfte gehen, die „in der unmittelbaren Patientenversorgung auf bettenführenden Stationen und Intensivpflegefachkräfte auf Normal- oder Intensivstationen“ mindestens ein halbes Jahr tätig waren. Dafür hat der Bund 500 Millionen Euro bereit gestellt, die gleiche Summe wird über die Träger von Pflegeheimen an Beschäftigte verteilt.

Ümmiye Gül und Nadine Hass sind aber in der Psychiatrie tätig und gehen deshalb wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen leer aus. Auch die Assistenzberufe in der Pflege bekommen nichts, obwohl diese „unverzichtbar und unersetzbar“ seien.

Auch in Psychiatrie und Rettungsstellen arbeiten Pflegekräfte unter Corona-Last

Sie arbeiteten seit zweieinhalb Jahren unter Pandemie-Bedingungen, müssten immer noch Masken tragen, was die Arbeit mit psychisch Kranken enorm erschwere. Auch sie müssten in der Psychiatrie Patienten in Isolation versorgen und die strengen Hygieneregeln einhalten. Therapeutische Angebote hätte sie nach draußen verlegen müssen. Zudem seien viele Patienten nicht gewillt, Masken zu tragen und die Corona-Auflagen einzuhalten.

Bei Corona-Ausbrüchen auf psychiatrischen Stationen hätten sie „sehr professionell agieren“ müssen, schreiben die Pflegekräfte. Stationen hätten auch gesperrt werden müssen. Ebenso wenig einsichtig ist den Pflegenden, warum etwa Kolleginnen und Kollegen aus den Rettungsstellen, die oft den ersten Kontakt mit Infizierten haben, keinen Bonus erhalten sollen.

Die mehr als 1800 Unterzeichner bitten den Minister, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken und alle pflegerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „mit dem gleichen Respekt, gleicher Wertschätzung und gleicher Anerkennung zu behandeln“. Auch die Krankenhausträger sind unglücklich über die Differenzierung beim Bonus. Die Führungskräfte hätten große Schwierigkeiten, ihren Leuten zu vermitteln, warum einzelne Geld bekämen und andere nicht, hieß es.