Mordanklage

Sechsfache Mutter getötet: Ehemann vor Gericht

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Gul A. wurde wenige Stunden nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau festgenommen.

Gul A. wurde wenige Stunden nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau festgenommen.

Foto: Thomas Schubert / Berliner Morgenpost

Gul A. soll seine Frau brutal getötet haben, weil die sich von ihm lossagte. Ein Mord aus verletztem Ehrgefühl, so die Anklage.

Berlin. Sie wollte frei sein und hatte sich nach Jahren der Unterdrückung von ihrem gewalttätigen Ehemann losgesagt. Dafür bezahlte Zohra G. den höchstmöglichen Preis. Insgesamt 13 Mal soll Gul A. auf seine 31 Jahre alte Ehefrau eingestochen haben, bevor er sie sterbend auf der Straße zurückließ. Der 42-Jährige habe „aus verletztem Ehrgefühl gehandelt“, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Ab Dienstag steht der Afghane dafür wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen vor dem Berliner Landgericht.

Der gewaltsame Tod der sechsfachen Mutter sorgte in ganz Berlin und darüber hinaus für Bestürzung. Am Vormittag des 29. April war sie in Pankow unterwegs, als sie an der Ecke Maximilian- und Mühlenstraße überfallen und niedergestochen wurde.

Zahlreiche Passanten mussten mit ansehen, wie das 30 Zentimeter lange Jagdmesser in den Bauch der jungen Frau gestoßen wurde, wie sich der Täter über sie kniete und ihr die Kehle durchschnitt, nachdem sie zusammengebrochen war und wie sie schließlich verblutete. Etwa drei Stunden später tauchte der Ehemann der Getöteten am Tatort auf, wurde von Zeugen als Angreifer identifiziert und festgenommen.

Zohra G. wurde vor ihrem Tod von ihrem Mann verprügelt und bedroht

Zohra G. lebte mit ihren sechs Kindern, damals zwischen drei und 13 Jahren alt, in einer Flüchtlingsunterkunft unweit des Tatorts an der Mühlenstraße. Bis Februar wohnte auch ihr Mann dort, erhielt aber Hausverbot, nachdem er seine Frau mindestens zweimal verprügelte. Daher ist er nicht nur wegen Mordes, sondern auch wegen Körperverletzung und Bedrohung angeklagt. Bei einem seiner vorherigen Angriffe soll Gul A. laut Anklage bereits gedroht haben, dass er seine Frau mit einem Messer töten werde.

Gul A. soll seine elf Jahre jüngere Frau 2008 in Afghanistan nach islamischem Recht geheiratet haben. Damals war sie 17. Er habe seine Frau jahrelang unterdrückt und als sein Eigentum angesehen, hieß es nach der Tat in einem Schreiben, das Zohra G.’s Familie an die Medien verschickte. Darin erhoben die Hinterbliebenen außerdem schwere Vorwürfe gegen die Berliner Behörden.

Die hätten von der Bedrohung gewusst, da Zohra G. mehrfach zur Polizei gegangen sei, dort von der Gewalt, den Drohungen und der Verfolgung durch ihren Mann berichtet und um Hilfe gebeten habe. „Unserer Schwester wurde der Schutz verwehrt, der ihr das Leben hätte retten können.“ Ein linkes Frauenbündnis warf der Polizei im Nachgang Mittäterschaft vor. Dort wiederum wurden Prüfungen etwaiger Versäumnisse eingeleitet.

Staatsanwaltschaft: Gul A. wollte seine Frau mit dem Tod bestrafen

Im Prozess zählen in erster Linie jedoch die Vorwürfe gegenüber dem Angeklagten. Der habe seine Frau mit dem Tod bestrafen wollen, weil sie sich ihm widersetzt und angeblich Kontakt zu anderen Männern unterhalten haben soll, so die Staatsanwaltschaft. Letztlich habe er sich durch ihre Trennungs- und Scheidungsabsichten gekränkt gefühlt. Für den Prozess sind insgesamt 18 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil ist für Anfang Februar geplant.