IT-Verwaltung

Dank Corona - Berlins IT-Dienstleister macht Millionengewinn

| Lesedauer: 5 Minuten
Jens Anker
Der IT-Dienstleister ITDZ des Landes Berlin wehrt auch Cyber-Attacken auf das IT-System ab.

Der IT-Dienstleister ITDZ des Landes Berlin wehrt auch Cyber-Attacken auf das IT-System ab.

Foto: TONI KRETSCHMER newpic.eu / ITDZ/NEWPIC

Der IT-Dienstleister Berlins rüstete die Verwaltung für das Homeoffice um und erwirtschaftete so 45 Millionen Euro Überschuss.

Berlin.  Jahrelang galt das IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) des Landes als Problemkind. Zu langsam und zu teuer, so die Kritik, schritt die Digitalisierung der Verwaltung voran. Das hat sich geändert. Während das ITDZ in früheren Jahren damit zu kämpfen hatte, kostendeckend zu arbeiten, hat die Corona-Pandemie dem Behörden-Dienstleister nun im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn beschert.

45 Millionen Euro Gewinn bilanzierte das Unternehmen jetzt, dem steht ein Defizit von 4,4 Millionen gegenüber, das das Unternehmen in den vergangenen Jahren angehäuft hatte. Eigentlich ist vorgesehen, sämtliche Gewinne des ITDZ an das Land abzuführen. In diesem Jahr verzichtet der Finanzsenator jedoch darauf. Sechs Millionen Euro kann das ITDZ behalten, um die Schulden abzubauen und Investitionen tätigen zu können.

„Das Geschäftsjahr 2021 war von besonderen Umständen geprägt“, sagt die Sprecherin des ITDZ, Diana Dasch. Als IT-Dienstleister habe das ITDZ in der Corona-Krise für das Land Berlin zusätzlich eine Reihe kurzfristiger Anforderungen umgesetzt. „Dazu zählen die Bereitstellung von Homeoffice-Lösungen wie Laptops, Mobiltelefone und VPN-Zugänge für die Verwaltungsmitarbeitenden, technische Hilfe für den Berliner Krisenstab, die technische Ausstattung der Impfzentren sowie die Übernahme der Corona-Hotline.“

Die Corona-Pandemie legte Defizite in der Verwaltung offen

Die Corona-Pandemie hatte aufgezeigt, wie schlecht der Stand der Digitalisierung der Verwaltung ist. In hohem Tempo wurde in den Jahren 2020 und 2021 daher in den Umbau investiert, um die Verwaltung auch in Zeiten der Lockdowns arbeitsfähig zu halten. Inzwischen sind die meisten der insgesamt 120.000 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in der Lage, auch von zu Hause aus arbeiten zu können.

Gleichzeitig wurden die Arbeitsabläufe im ITDZ gestrafft, um schlagkräftiger arbeiten zu können. „Realisierte Umsatzsteigerungen mit entsprechendem Jahresüberschuss sind im Wesentlichen Ergebnis effizienteren Wirtschaftens durch die Standardisierung und Beschleunigung von Arbeits- und Entscheidungsprozessen“, sagt Unternehmenssprecherin Dasch. „Mit der Erzielung des Jahresüberschusses 2021 durch effizienteres und standardisiertes Wirtschaften bei gleicher Beschäftigtenzahl hat das ITDZ wesentlich zum Fortschritt der Digitalisierung im Land Berlin beigetragen.“

Mit der Digitalisierung hat das IT-Zentrum in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, die Mitarbeiterzahl stieg auf mehr als 1000. Bis zum Ende der Legislatur in vier Jahren sollen es 1700 bis 1800 sein. Dazu kommen rund 400 externe Fachkräfte.

Im ITDZ wurde ein Cyber-Abwehrzentrum eingerichtet

Im April dieses Jahres wurde im ITDZ ein Cyber-Abwehrzentrum gegründet, dass Angriffe auf die IT-Systeme des Landes abwehren soll. Bis zu 1,3 Millionen verdächtige Kontakte registrieren die Experten seitdem pro Monat. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine wurde die Alarmbereitschaft erhöht, da verstärkt russische Angriffe auf IT-Systeme in Deutschland vermutet wurden.

Insgesamt wies das Abwehrzentrum im vergangenen Jahr 15 Millionen Zugriffe ab, filterte sechs Millionen Spammails heraus und entdeckte 34.000 E-Mails mit Schadsoftware. Die häufigsten Angriffe finden mit massenhaft verschickten E-Mails an eine Adresse statt, um Internetseiten lahmzulegen. Es wird aber auch versucht, Schadsoftware einzubringen, um Seiten zu zerstören oder mit verschlüsselten Daten Lösegeld zu erpressen.

Entdeckt werden Eindringlinge, indem ungewöhnliche Bewegungen bei den Zugriffen auf die Verwaltungs-IT festgestellt werden. Dann wird ein Alarm ausgelöst, die Spezialisten des ITDZ untersuchen den Vorfall und leiten bei Bedarf weitere Schritte ein.

Angriff auf das IT-System des Kammergerichts

Nicht immer mit Erfolg. Vor zwei Jahren legte eine Cyber-Attacke weite Teile der digitalen Infrastruktur des Kammergerichts lahm. Mit einer fingierten E-Mail platzierten die Angreifer einen sogenannten Trojaner im Netz. Eine mögliche Erpressung, um die Daten zurückzuerlangen, blieb allerdings aus – wohl, weil das IT-System schnell genug vom Netz genommen wurde.

Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Marc Böttcher leidet auch das ITDZ unter einem Fachkräftemangel. Zuletzt waren 200 Stellen unbesetzt. Die begehrten IT-Kräfte nehmen häufig Jobs in der freien Wirtschaft an, weil dort die Verdienstmöglichkeiten besser sind als im öffentlichen Dienst, der an die Entlohnungsstufen der Behörden gebunden ist.

Aber nicht nur die IT gehört zum Aufgabengebiet des Behördendienstleisters, auch das Verschicken der Wahlunterlagen, zum Beispiel für die Wiederholungswahl am 12. Februar kommenden Jahres, gehört dazu.

Der IT-Dienstleister besteht seit 2005

Das ITDZ besteht seit 2005. Es löste das Landesamt für Informationstechnik ab und war seitdem das Sorgenkind der Berliner Verwaltung. Es galt als schwerfällig, schlecht organisiert und zu teuer. Viele Bezirke kauften sich die Dienstleistungen lieber auf dem freien Markt ein als vom landeseigenen IT-Dienstleister.

Zudem machten häufige Chef-Wechsel, lange Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse sowie ein schlechtes Arbeitsklima das Dienstleistungszentrum nicht zu einem Sympathieträger. Mit der Berufung Böttchers und der Berufung Ralf Kleindieks zum Chief Digital Officer soll sich das in den kommenden Jahren ändern. Kleindiek ist Verwaltungsratschef des Unternehmens. Der jährliche Umsatz beträgt rund 440 Millionen Euro.