Objektschützer verrät

„Bei Gefahr dürfen wir schießen“

| Lesedauer: 6 Minuten
Die beiden Objektschützer Uwe Bremer (rechts) und Faruk Gün vor ihren Dienstfahrzeugen, mit denen sie zu ihren Kolleginnen und Kollegen fahren, die die Gebäude bewachen.

Die beiden Objektschützer Uwe Bremer (rechts) und Faruk Gün vor ihren Dienstfahrzeugen, mit denen sie zu ihren Kolleginnen und Kollegen fahren, die die Gebäude bewachen.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Seit 75 Jahren gibt es den Zentralen Objektschutz. Was den Beruf so anspruchsvoll macht. Und wann die Waffe zum Einsatz kommt.

Berlin.  Wenn Uwe Bremer von seinem Beruf erzählt, dann hat er direkt ein Lächeln im Gesicht. Der 63-Jährige ist seit 40 Jahren beim Zentralen Objektschutz in Berlin – und hat da im Laufe seiner Karriere so manches erlebt.

„Ich erinnere mich noch gut an einen Einsatz in der Klosterstraße in Mitte. Bei der ersten Kontrolle habe ich nichts Auffälliges entdeckt. Beim zweiten Rundgang standen plötzlich Farbeimer direkt neben dem Gebäude“, sagt Uwe Bremer. „Im ersten Moment denkt man schon, dass es etwas Gefährliches sein kann“. Um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, hat er Spezialisten der Polizei gerufen, schließlich könnte es sich auch um einen Sprengsatz handeln. Nach einigen Untersuchungen hat sich dann aber herausgestellt, dass es doch nur Farbeimer waren.

Zentraler Objektschutz wurde vor 75 Jahren etabliert

Vor 75 Jahren wurde der Zentrale Objektschutz in Berlin etabliert. 1947 wies die Alliierte Kommandantur den Oberbürgermeister der Stadt Berlin an, eine Hilfspolizei für den Wachdienst in Berlin mit einer Gesamtstärke von 3500 Mitarbeitenden aufzustellen. Ausgestattet mit ausrangierten Polizeiuniformen und Schusswaffen setzte sich die neue Wachpolizei aus allen Berufs- und Bildungsschichten zusammen und unterstützte fortan die Schutzpolizei bei der Bewachung von verschiedenen Einrichtungen, der Sicherung von Lebensmittel- und Versorgungslagern sowie Geldtransporten und übernahm zunächst auch die Aufgaben des Personenschutzes und der Gefangenenbewachung.

Heute werden die knapp 700 Objekte – darunter Botschaften und ausländische Residenzen, jüdische Einrichtungen wie Synagogen, Schulen und Kindergärten sowie Gebäude von Bundes- und Landesinstitutionen – vom Posten- und Streifendienst des Objektschutzes rund um die Uhr auf Farbschmierereien, Sachbeschädigung oder auffällige Gegenstände und Personen kontrolliert.

Objektschützer müssen zu jeder Zeit hochkonzentriert sein

Der Beruf des Objektschützers ist wesentlich anspruchsvoller, als vermutlich so mancher denkt, sagt Uwe Bremer. „Wir müssen immer hochkonzentriert sein und beobachten. Es kann jederzeit etwas passieren“. Deshalb müssten er und seine Kolleginnen und Kollegen auch passierende Personen immer im Blick haben. „Wenn jemand beispielsweise längere Zeit vor einem Gebäude parkt und nicht aussteigt, dann gehen wir hin und erfragen den Grund“, sagt der 63-Jährige. Es könne auch jemand sein, der die Gegend rund um das zu bewachende Objekt ausspioniere.

Droht wirklich Gefahr, dürfen die Einsatzkräfte auch Gebrauch von ihrer Schusswaffe machen. „Beim Terrorangriff am 11. September 2001 waren auch wir in Berlin in höchster Alarmbereitschaft“, erinnert sich Uwe Bremer. Vor einigen Gebäuden wie der der US-amerikanischen Botschaft hätten die Objektschützer mit Maschinengewehren gestanden. Nutzen mussten sie diese aber nicht. Neben einer Schusswaffe und einem Reservemagazin, tragen die 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin auch Handschellen, einen Schlagstock, Reizgas und eine Taschenlampe mit sich.

Gegen die Kälte helfen den Objektschützern mit Akku betriebene Fußwärmer

Uwe Bremer läuft mittlerweile nur noch die Objekte ab, wenn durch Krankheit zu wenig Personal im Einsatz ist. In erster Linie betreut er mit seinem Kollegen Faruk Gün die Objektschützerinnen und Objektschützer – die beiden haben sich das Stadtgebiet untereinander aufgeteilt. Täglich müssen sie die aktuelle politische Lage im Blick haben, auch über Demonstrationen müssen sie Bescheid wissen. Auf Grundlage dessen teilen sie die Einsatzkräfte ein. „Zieht eine Demonstration an einer Botschaft vorbei, dann steht dort niemand alleine“, sagt Uwe Bremer.

Sie fahren aber auch zu den Kräften vor Ort, schauen, ob alles in Ordnung ist. „Jetzt im Winter bringen wir öfter auch heißen Tee vorbei, im Sommer dann kalten“, sagt Faruk Gün, der den Umgang mit Menschen in diesem Beruf besonders schätzt. Sich für längere Zeit in der Kälte aufzuhalten ist für ihn kein Problem mehr. Es gebe schließlich warme Kleidung, Wärmekissen sowie mit Akku betriebene Fuß- und Fingerwärmer. „Es besteht auch die Möglichkeit, sich im Gebäude aufzuwärmen“, versichert der 31-Jährige. Wichtig sei nur, dass das Objekt geschützt sei.

Objektschützer sperren im Fall eines Unfalls die Straße

Gleiches gilt im Fall, wenn die Blase drückt. „Viele Eigentümer gewähren uns, bei ihnen auf die Toilette zu gehen. Können wir das nicht, fahren wir zur nahe gelegenen Dienststelle, nachdem wir abgelöst wurden“, ergänzt Uwe Bremer. Im Notfall könne auch auch ein Streifenwagen gebeten werden, den Schutz für den kurzen Moment zu übernehmen.

Da Objektschützer für viele Passanten direkt greifbar sind, werden sie oft um Auskunft nach einem Taxistand, einer Bushaltestelle oder einem guten Restaurant gebeten. „Ich habe auch schon einmal einen betrunkenen Mann gefesselt und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, weil er um sich geschlagen hat“, erinnert sich Uwe Bremer. Ist er vor den Polizeibeamten vor Ort, sperrt er im Fall eines Unfalls auch die Straße ab, leistet Erste Hilfe.

Was Bewerber für den Zentralen Objektschutz mitbringen müssen

Diese Flexibilität, aber auch Herausforderung treiben Uwe Bremer seit 40 Jahren an. Er geht mit Freude seinem Beruf nach, betreut den Wechsel von der Konditorei zum Zentralen Objektschutz keineswegs. Eineinhalb Jahre hat er noch bis zu seinem Ruhestand, findet es fast schon traurig, dass er nicht weitermachen darf.

Weil einige Mitarbeiter in den Ruhestand gehen hofft er, dass viel Nachwuchs in die Fußstapfen tritt. Wie in anderen Branchen, könnten auch beim Zentralen Objektschutz mehr Bewerbungen eingehen. „Ich kann nur jedem empfehlen sich zu bewerben, es ist ein toller Beruf“, sagt Uwe Bremer, „und auch sehr gut mit einer Familie vereinbar“.

Wer sich bewerben möchte findet alle Informationen unter www.berlin.de/polizei/beruf/objektschutz. Die nächsten Einstellungen erfolgen zum 12. Juni 2023.

Lesen Sie auch:

Gewalt vor iranischer Botschaft: Polizei weist Kritik zurück

Angriff aus Demonstranten: So viel Macht haben Geheimdienste