Gericht

Auftragskiller bestellt: Es sollte aussehen wie ein Überfall

| Lesedauer: 5 Minuten
Ein 28-Jähriger muss sich vor Gericht dafür verantworten, dass er aus Eifersucht einen Auftragsmörder im Darknet engagieren wollte.

Ein 28-Jähriger muss sich vor Gericht dafür verantworten, dass er aus Eifersucht einen Auftragsmörder im Darknet engagieren wollte.

Foto: Olaf Wagner

Nico F. suchte im Darknet einen Auftragskiller, um den Partner eines Freundes zu eliminieren.

Berlin.  Weil ihm der Partner eines Freundes ein Dorn im Auge war, suchte Nico F. einen Auftragskiller im Darknet. Wenig später stellte sich allerdings heraus, dass es sich um eine Betrugsseite handelte. Vor dem Landgericht muss sich der 28-Jährige seit Mittwoch trotzdem wegen der versuchten Anstiftung zum Mord verantworten.

„Ich habe es gemacht. Ich bereue es aber sehr und schäme mich fürchterlich“, gestand Nico F. auf den Ratschlag des Vorsitzenden Richters Mark Sautter, reinen Tisch zu machen – und erzählte ausführlich, wie es dazu gekommen war.

Er sei aus beruflichen Gründen von Leipzig nach Dresden gezogen. Er lernte Enrico F. kennen, verliebte sich in ihn – andere Freunde hatte er keine, sagte er, Enrico war seine Bezugsperson. Er habe durch eine dritte Person erfahren, dass Enrico F. in einer Beziehung sei, „das war ein Schock für mich“, sagte Nico F. Die Freundschaft sei ihm aber so wichtig gewesen, dass er die Tatsache akzeptierte.

Angeklagter kämpfte gegen die Einsamkeit

Als die beiden damaligen Freunde nach einer Party einen One-Night-Stand hatten, seien die Gefühle neu entfacht, gibt der Angeklagte zu. Enrico F. habe es seinem Partner gebeichtet. Es habe Stress zwischen den Partnern gegeben, die zu dem Zeitpunkt seit elf Jahren eine Fernbeziehung führten – Andreas L. lebte in Berlin.

„Ich war sauer auf seinen Partner, weil er so einen Stress gemacht hat. Enrico tat mir leid“, sagte Nico F. Schlimm wurde es für den 28-Jährigen, als sein Freund zu seinem Partner nach Berlin zog. „Der Kontakt ging mehr von mir aus, er hat sich kaum noch gemeldet“, erinnerte sich Nico F. Ein Gefühl der Einsamkeit habe sich ausgebreitet. Zeitgleich war für ihn die berufliche Situation schwierig – der Angeklagte arbeitete in einem Restaurant, durch die Corona-Pandemie rutschte er in die Kurzarbeit.

Auftragskiller sollte es aussehen lassen wie einen missglückten Raubüberfall

Um seinen Schwarm zu beeindrucken, bildete er sich im Darknet fort, wie er sagte. „Enrico hat ein großes Wissen, was Politik und Geschichte betrifft. Ich wusste, dass er dort Videos über die Wahlen in den USA schaute. Ich konnte nicht mitreden, wollte ihm aber imponieren“, so Nico F. Währenddessen soll eine Anzeige über Auftragskiller aufgeploppt sein.

„In dem Moment kam der Gedanke auf. Ich wusste, dass es mir besser geht, wenn sein Partner nicht mehr da ist“. Nico F. fasste einen Entschluss. Er loggte sich auf der Seite ein, registrierte sich. Anschließend beschrieb er in dem Forum, wer getötet werden sollte, teilte im März dieses Jahres Namen, Adresse und Bilder mit seinem unbekannten Gegenüber. Nico F. entschied sich für einen missglückten Raubüberfall, bei dem Andreas L. mit Messerstichen getötet werden sollte. Als Mordtag wurde der 31. März auserkoren. Die Bezahlung sollte in Bitcoins erfolgen.

Nico F. zahlte 22.000 Euro für den Auftragskiller

Geld hatte Nico F., denn er nahm kurz vorher einen Kredit in Höhe von 30.000 Euro auf, um sich Möbel und einen Hund zu kaufen und um seine Nase korrigieren zu lassen. Insgesamt soll er für den Auftragsmord umgerechnet 22.000 Euro gezahlt haben. Dazu kam es aber nicht. Der Administrator der Darknet-Seite habe ihm mitgeteilt, dass es sich um eine Betrugsseite handele, die nur dazu gedient habe, betrügerisch Bitcoins zu erlangen.

„Ich war froh, dass es so kam“, sagte Nico F. auf die Frage des Richters, wie er sich in dem Moment gefühlt habe. Er habe es zwar zunächst gewollt, aber ein sehr schlechtes Gewissen gehabt. „Heute kann ich nicht mehr verstehen, was mich dazu gebracht hat“. Seine Stimme brach immer wieder ab, er wischte sich Tränen weg. Er bemühe sich um therapeutische Hilfe, versicherte er.

Opfer des Auftragskillers traute sich nicht mehr aus dem Haus

An Enrico F. und Andreas L. geht dieser Vorfall nicht spurlos vorbei. Als eines Tages drei Beamte vor ihrer Tür standen, glaubten sie zunächst an einen Scherz, sagte Enrico im Zeugenstand. Als der 38-jährige erfahren habe, dass es sich um seinen ehemalen Freund handele, sei es verstörend gewesen. Sein Partner habe sich nicht mehr getraut, alleine das Haus zu verlassen, nur gemeinsam wären sie nach draußen gegangen, „weil in der Anzeige im Darknet ja stand, dass mir unter keinen Umständen was passieren soll“, sagte Enrico F., „ich hätte mich vor meinen Partner stellen können“. Beide wollen sich in psychologische Betreuung begeben.

Welches Strafmaß den Angeklagten erwartet, wird in weiteren Prozesstagen verhandelt. Bislang sind drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

Lesen Sie auch:

Antisemitischer Angriff – wer kennt diese Männer?

Verletzte bei Verfolgungsjagd durch die City-West

Polizei sucht nach vermisster 15-Jähriger