Waldzustandsbericht 2022

Nur vier Prozent der Waldbäume in Berlin sind gesund

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Norman Börner
Der Berliner Grunewald im November 2022.

Der Berliner Grunewald im November 2022.

Foto: picture alliance / photothek | Florian Gaertner

Experten schlagen Alarm: Der Anteil gesunder Bäume in den Berliner Wäldern hat sich verringert, zeigt der neue Waldzustandsbericht.

Berlin. Der Gesundheitszustand der Berliner Waldbäume hat sich weiter verschlechtert. Das geht aus dem Berliner Waldzustandsbericht 2022 hervor, den die Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Bündnis 90/Die Grünen) zusammen mit Gunnar Heyne, Leiter der Berliner Forsten, am Mittwoch vorgestellt hat.

So hat sich der Anteil der gesunden Bäume weiter verringert. Demnach weisen aktuell nur vier Prozent der Waldbäume keine sichtbaren Kronenschäden auf. Das ist der geringste Wert seit Beginn der Erhebungen zum Waldzustand im Jahr 1991. Im vergangenen Jahr waren es noch sechs Prozent.

Die Erhebung berichtet von einem „sehr schlechten Niveau“ der Waldbäume. Für 56 Prozent der Waldbäume wurde die Warnstufe ausgesprochen.

Vier von zehn Waldbäumen zeigen deutliche Schäden

„Das sollte uns Sorgen machen“, sagte Umweltsenatorin Jarasch. 40 Prozent der Waldbäume im Land Berlin, zumeist Kiefern und Eichen, zeigen laut der Studie deutliche Schäden (Vorjahr: 34 Prozent). Zugesetzt haben dem Wald zuletzt vor allem das niederschlagsreiche Jahr 2017 und das extreme Trockenjahr 2018. Auch der diesjährige Rekordsommer wird Spuren hinterlassen.

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„Ich hätte es fast noch schlimmer erwartet“, sagte Forstamtsleiter Gunnar Heyne. Nach dem extrem trockenen und heißen Sommer habe er befürchtet, dass die Schäden bereits in diesem Jahr noch größer ausfallen. Ein Grund zum Aufatmen sei dies allerdings nicht. „Der Baum ist ein träges Lebewesen. Es dauert, bis die Schäden sichtbar werden“, sagte der Experte.

Die Waldgesundheit der Hauptstadt wird jedes Jahr mit stichprobenartigen Überprüfungen an mehreren Standorten in Berlin erhoben. Eine wichtige Rolle bei der Bewertung spielt der Zustand der Baumkronen.

Zustand der Baumkronen entscheidet

Bewertet werden die Bäume nach einem Einteilungsschlüssel, der sich an dem Kronenzustand der Bäume orientiert. Schadstufe 0 bedeutet beispielsweise, dass der Baum keine Schäden an der Krone aufweist. Eine gesunde Kiefer zeigt dann fünf Nadeljährgänge auf. Will der Baum allerdings Wasser sparen, dann wirft er Nadeln ab und hat eben nur noch zwei bis drei Nadeljahrgänge oder noch weniger. Bei einem Laubbaum hingegen orientiert sich der Schlüssel an der Blattgröße und Blattfarbe.

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Wegen des anhaltenden schlechten Waldzustands versucht die Landesregierung seit Jahren gegenzusteuern. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat im Doppelhaushalt 3,75 Millionen Euro für den Waldumbau in einem Mischwaldprogramm bereitgestellt. Etwa die Hälfte der rund 29.000 Hektar Wald, die die Berliner Forsten auf dem Stadtgebiet und in Brandenburg muss umgestaltet werden.

Anstatt wie heute an vielen Orten Kiefer-Plantagen sollen perspektivisch Mischwälder entstehen, um dem Klimawandel mit steigenden Temperaturen und mehr Trockenheit trotzen zu können.

Umbau der Wälder ist eine Wette auf die Zukunft

Laut Angaben des Senats wurden allein in diesem Jahr bereits 322.000 Bäume gepflanzt. Vor allem Eichen, Buchen, Hainbuchen, Linden und Ahorne. In diesem Herbst würden Pflanzungen in gleicher Größenordnung laufen, so die Umweltverwaltung.

Der Anteil der Eichen in den Berliner Wäldern nehme kontinuierlich zu und liegt derzeit bei etwa 21 Prozent. Auch andere Laubbaumarten wie Linden, Hainbuchen oder Ahorn werden gepflanzt. Zudem wurden sieben Stellen für Forstwirtschaftsmeister geschaffen, die die Revierleiter unterstützen sollen. Forstamtsleiter Heyne sagte, er hätte sich noch mehr gewünscht, sieht aber grundsätzlich eine positive Entwicklung. Ohnehin sei er trotz der negativen Zahlen optimistisch.

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„Wir haben auch noch andere Baumarten als Kiefer und Eiche“, sagt er. Zudem sei es beispielsweise der Eiche auch schon mal schlechter gegangen. Er betonte allerdings auch, dass der Umbau der Wälder eine Wette auf die Zukunft sei. Er basiere auf einer Prognose, welche Bäume in mehr als 100 Jahren Bestand haben könnten. Zudem könne der Waldumbau nicht alle Probleme lösen. Um die Wälder langfristig zu sichern, müsste der Klimawandel gebremst werden.

„Um den Wald zu retten, müssen vor allem der Klimawandel aufgehalten und die Grundwasserstände stabilisiert und gesichert werden. Der Waldumbau zu resilienteren Mischwäldern muss behutsam unter Berücksichtigung des Bestandes und ohne flächigen Maschineneinsatz erfolgen. Der Berliner Wald ist ein Naturschutz- und Erholungswald, die Waldpflege hat sich an diesen Zielen zu orientieren und nicht an der Holzernte“, sagt Christian Hönig, Fachreferent für Baumschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).