Berliner Museen

Maler Michel Majerus: Absichtsvoll ausdruckslos

| Lesedauer: 4 Minuten
Reimar Stange
Der Künstler Michel Majerus in seinem Atelier.Edith Majerus, 2022.

Der Künstler Michel Majerus in seinem Atelier.Edith Majerus, 2022.

Foto: Courtesy Michel Majerus Estate andneugerriemschneider

Mehrere Ausstellungen finden anlässlich des 20. Todestages des Malers und Wahl-Berliners Michel Majerus in Berlin statt. Ein Überblick.

Berlin. Gleich vier Ausstellungen finden diesen Herbst und Winter anlässlich des 20. Todestages des Malers Michel Majerus in Berlin statt.

Die Ausstellung „Early Works“ in den Berliner Kunst-Werken (KW) beschäftigt sich jetzt mit dem Frühwerk des mit 35 Jahren bei einem Flugzeugunglück gestorbenen Künstlers. Es folgen Ausstellungen in der Galerie Neugerriemschneider (8. November bis 14. Januar, Linienstraße 155, Mitte) und im Neuen Berliner Kunstverein (Chausseestraße 128/129, Mitte, 17. Dezember bis 5. Februar). Zudem ist derzeit eine Gruppenausstellung mit Arbeiten von K.R.H. Sonderborg, Joseph Kosuth und Majerus im Michel Majerus ­Estate (Knaackstraße 12, Prenzlauer Berg) zu sehen.

Vor allem von 1990 bis 1993 entstandene Drucke, Acrylgemälde und Collagen von Majerus werden nun in der Ausstellung „Early Works“ gezeigt, also Arbeiten aus den letzten zwei Jahren seines Studiums an der Kunstakademie in Stuttgart bis hin zum Jahr des Umzugs des gebürtigen Luxemburgers nach Berlin. Zu dieser Zeit war der heute ­international renommierte Künstler Mitglied der Künstlergruppe „3K-NH“, in der auch die Kommilitonen und Künstlerfreunde Stefan Jung, Nader Ahriman, Susa Reinhard und „Wawa“ Takorski tätig waren.

Postpopmalerei ohne Anspruch auf Emotionalität und Individualität

Im Frühwerk von Majerus sind wesentliche Momente seiner späteren Arbeiten vorbereitet. So finden sich hier bereits die von ihm zitierten Versatzstücke aus der Welt des Pop, aber auch aus der High Art, für deren souveränes Sampeln er dann bald bekannt wurde. Auf dem Siebdruck „antibakteriell“ (1992) zum Beispiel ist die legendäre Figur „Meister Proper“ zu sehen, die hier aber nicht für einen „Allzweckreiniger“ werben will. Vielmehr geht es in dem Bild darum, gemeinsam mit den unter „Meister Proper“ stehenden Textfragmenten – wie „du hast dich gut aus der affäre gezogen“ und „get the power“ – eine Postpopmalerei zu versuchen, die jedweden Anspruch auf Emotionalität und Individualität aufgibt. In genau diesem Sinne hatte Michel Majerus dann auch acht Jahre später auf seiner Installation „if we are dead, so it is“, einer funktionstüchtigen Skater-Halfpipe, ausgesprochen programmatisch geschrieben: „das befreien des malens vom thema ausdruck“.

Moderne Kunstgeschichte steht in dem Gemälde „Fuck“, (1992) so ­kritisch wie ein wenig postpubertär, zur Disposition, hat Majerus da doch respektlos in grüner Schrift auf weißem Grund die Worte „Fuck Kippenberger, Fuck Penck, Fuck Haacke, Fuck Baselitz …“ geschrieben. Auch wenn es wohl der damaligen Zeit geschuldet ist, so verwundert es heute doch, dass der Künstler sich in seinem Werk nur auf männliche Künstler bezieht. Einer von diesen ist der US-amerikanische Künstler Christopher Wool, den er in seinem Bild „o.T.“ (1992) mit den knackigen Worten „COOL WOOL“ zitiert, und zwar dadurch, dass er dabei eben die sachlich-strenge Typo in schwarzer Farbe nutzt, die eigentlich das Markenzeichen von Christopher Wool ist.

Auch die politische Seite von Michel Majerus ist in der Ausstellung „Early Works“ zu entdecken, etwa in dem Gemälde „eins, zwei, drei“ (1992). Auf diesem ist ein schwarzes Hakenkreuz gemalt, das kommentiert ist mit den Worten „learning GERMAN is easy“. Was in der Ausstellung fehlt, sind die frühen Kooperationen, die Majerus im Kontext der Künstler-Gruppe „3K-NH“ gemalt hat. Das ist schade, denn so wird wieder einmal im Kunstbetrieb ein Künstler als „genialer“ Einzelkämpfer verklärt.

Museums-Info

  • Kunst-Werke (KW) Auguststr. 69, Mitte, Mi.–Mo., 11–19 Uhr, Do. bis 21 Uhr, Der Eintritt kostet 8 Euro, erm. 6 Euro, Do. ab 18 Uhr + 1. So. im Monat freier Eintritt, weitere Infos unter www.kw-berlin.de
  • Early Works von Michel Majerus ist bis 15. Januar 2023 zu sehen.
  • Öffentliche Führungen Jeden Samstag und Sonntag führen erfahrene Kunstvermittler durch die aktuellen Ausstellungen der Kunst-Werke (KW).
  • Laufende Ausstellungen „Another World“ von Christopher Kulendran Thomas sowie „The Unhomely“ von Atiéna R. Kilfa.