Bildung

Bund finanziert Sprach-Kitas bis Sommer 2023 weiter

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Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

Ursprünglich sollte das Programm zum Jahresende auslaufen – wofür es unter anderem aus den Ländern viel Kritik gegeben hatte.

Das Bundesfamilienministerium will das Förderprogramm „Sprach-Kitas“ anders als zunächst geplant nun bis zum Sommer des kommenden Jahres weiterfinanzieren. Das teilte Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) mit. Ursprünglich sollte das Programm zum Jahresende auslaufen – wofür es unter anderem aus den Ländern viel Kritik gegeben hatte. Über das Programm „Sprach-Kitas“ finanziert der Bund seit 2016 zusätzliches Personal in Kitas zur Sprachentwicklung. Nach Angaben der Bundesregierung werden mit den Bundesmitteln derzeit mehr als 7000 halbe Stellen für Sprachbildung und Beratung gefördert.

„Uns allen ist bewusst, wie bedeutend Sprachförderung für Kinder ist. Deshalb ist es mir so wichtig, eine Übergangslösung für die Sprach-Kitas zu finden“, sagte Paus. Diese Lösung liege nun auf dem Tisch: Der Bund werde die Infrastruktur für das Programm sowie die Gehälter der betroffenen Beschäftigten ab Januar noch für ein halbes Jahr aus Mitteln des Bundesfamilienministeriums weiterfinanzieren. Mit dem Kompromiss schafft das Ministerium Klarheit für die Beschäftigten der rund 6600 Sprach-Kitas in Deutschland. Sie hätten ab Januar 2023 sonst nicht mehr weiterbeschäftigt werden können. Für den Übergang stellt das Ministerium laut Paus 109 Millionen Euro aus dem eigenen Etat zur Verfügung. Dafür würden Bundesmittel aus dem neuen Kita-Qualitätsgesetz umgeschichtet, hieß es.

Sprach-Kitas müssen ab Sommer aus Landesmitteln weiterfinanziert werden

Paus betonte, dass sie mit dieser Übergangslösung die Erwartung an die Länder verknüpfe, dass die Sprach-Kitas ab dem Sommer aus Landesmitteln weiterfinanziert würden. Die Länder hätten so noch weitere sechs Monate Zeit, „die sprachliche Bildung nahtlos aus der befristeten Projektfinanzierung in die Dauerförderung zu überführen“, sagte Paus. „Ich appelliere an die Länder, die sich noch nicht entschieden haben, die Sprachförderung in den Kitas dauerhaft zu etablieren, diese Brücke auch zu nutzen.“

Die Bundesministerin argumentiert damit, dass die Länder über das vom Bund geplante Kita-Qualitätsgesetz in den kommenden zwei Jahren vier Milliarden Euro für Personal und Qualität in Kitas bekämen. Das Geld könne auch zur Sprachförderung eingesetzt werden. Für Berlin geht es um 13,4 Millionen Euro pro Jahr. Aktuell gibt es in Berlin 351 Sprach-Kitas.

Berlins SPD-Chef Raed Saleh übte Kritik

Berlins SPD-Chef Raed Saleh hatte zuvor die Ankündigung des Bundes kritisiert, das „Sprach-Kita“-Programm nicht langfristig fortzusetzen. „Ich habe kein Verständnis, dass an der falschen Stelle gespart wird“, sagte Saleh am Dienstag. Saleh zufolge treffe der Wegfall der Mittel für die Sprach-Kitas alle Bundesländer hart. „Besonders die mit großen Ballungszen­tren“, sagte Saleh. „Wir können es uns nicht leisten, an der Sprache der Kinder zu sparen“, erklärte der Politiker weiter. „Gerade nicht in diesen Zeiten, wenn wir wollen, dass die Gesellschaft zueinanderfindet und beieinanderbleibt.“ Kinder, die die Kita mit guten Sprachkenntnissen verließen, hätten die beste Ausgangslage, in der Grundschule mitzuhalten.

( dpa )