Prozess

Neuköllner Neonazi wegen Messerattacke vor Gericht

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Der Neonazi Maurice P. muss sich wegen einer Messerattacke vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Der Neonazi Maurice P. muss sich wegen einer Messerattacke vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Foto: Sonja Wurtscheid / dpa

Der Rechtsradikale Maurice P. soll einem Mann mit einem Messer in den Hals gestochen und den Hitler-Gruß gezeigt haben.

Berlin.  Der Neonazi Maurice P. sitzt ab sofort auf der Anklagebank des Amtsgerichts Tiergarten. Die Führungsfigur der rechtsextremen Szene Berlins muss sich seit Dienstag unter anderem wegen einer Messerattacke verantworten.

Mit Sonnenbrille und Cap läuft der 29-Jährige an den Zuschauern vorbei in den Gerichtssaal. Auf seinem Platz ist er ruhig, redet nur zwischendurch mit seinem Anwalt. Während die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift verliest – denn die ist lang.

So wird Maurice P. vorgeworfen am 4. Juli 2021 in Rudow einen dunkelhäutigen Mann rassistisch beleidigt und mit einem Messer am Hals verletzt zu haben. Weil der Geschädigte den Arm wegschlagen konnte, wurde seine Halsschlagader um drei Zentimeter verfehlt – der Schnitt sei trotzdem sechs Zentimeter lang und einen halben Zentimeter tief gewesen sein. Bei dem Angriff soll Maurice P. stark alkoholisiert gewesen sein und zuvor Kokain konsumiert haben.

Maurice P. soll Hitler-Gruß gezeigt haben

Nach seiner Festnahme kam er zunächst in Untersuchungshaft, nach einer richterlichen Entscheidung dann aber für eine „Haftverschonung“ auf freien Fuß. Die Staatsanwaltschaft wollte P. zunächst wegen versuchten Mordes anklagen. Die zunächst zuständige Große Strafkammer hatte jedoch die dafür notwendigen Voraussetzungen nicht als erfüllt angesehen. Nun lautet die Anklage auf gefährliche Körperverletzung

Weiter wird dem 29 Jahre alten Berliner vorgeworfen, im Mai 2019 vor dem Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im Tiergarten für ein Foto den verbotenen Hitler-Gruß gezeigt haben. Dieses Bild soll er an einige Menschen mit einem menschenverachtenden Kommentar gesendet haben.

Maurice P. ist in der rechtsradikalen Szene bekannt

Um seine rechte Gesinnung zu unterstreichen, soll der Angeklagte einen Button mit der Aufschrift „Adolf Hitler“ getragen haben. Auch soll er mit einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Combat 18“ gesehen worden sein – diese Vereinigung wurde vom Bundesinnenministerium im Jahr 2020 verboten.

Maurice P. ist in der rechtsradikalen Szene durch seine Teilnahme an Kampagnen der Neonazi-Partei NPD bekannt. Die für politisch motivierte Delikte zuständige Abteilung für Staatsschutz im Landeskriminalamt (LKA) der Berliner Polizei stufte P. aufgrund seiner Gewaltbereitschaft als sogenannten „Gefährder“ ein.

Acht weitere Verhandlungstage sind angesetzt. Der Anwalt von Maurice P. hatte angekündigt, dass sich sein Mandant in den nächsten Verhandlungen selbst äußern wolle.

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